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Resselpreis für Wilfried Hortschitz

Für die Entwicklung winziger Sensoren, mit denen sich Beschleunigung messen lässt, erhält Wilfried Hortschitz den Resselpreis der TU Wien.

Resselpreisträger Wilfried Hortschitz

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Resselpreisträger Wilfried Hortschitz

Resselpreisträger Wilfried Hortschitz

Resselpreisträger Wilfried Hortschitz

Elektronenmikroskop-Aufnahme des Sensors: Licht dringt durch winzig kleine Schlitze

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Elektronenmikroskop-Aufnahme des Sensors: Licht dringt durch winzig kleine Schlitze

Elektronenmikroskop-Aufnahme des Sensors: Licht dringt durch winzig kleine Schlitze

Elektronenmikroskop-Aufnahme des Sensors: Licht dringt durch winzig kleine Schlitze

Airbags müssen sich genau im richtigen Moment öffnen, Handys sollen Bewegung erkennen, Pulsmessgeräte sollen beim Laufen den Herzschlag registrieren. Bedarf für Präzisions-Sensoren für Beschleunigungen und Verschiebungen gibt es genug. Der Elektrotechniker Wilfried Hortschitz vom Institut für Sensor- und Aktuatorsysteme der TU Wien entwickelte einen neuen Mikro-Sensor, der Beschleunigungen und Schwingungen misst und dabei räumliche Positionsänderungen im Picometer-Bereich registrieren kann. Das entspricht einer Verschiebung um einen Bruchteil eines Atomdurchmessers. Dafür erhält er den Resselpreis der TU Wien.

Schwingung messen mit Licht
Wilfried Hortschitz entwickelte einen kleinen Chip aus Silizium, der einen beweglichen Teil enthält. Dieser bewegliche Teil wird relativ zum Rest des Chips verschoben, wenn man den Chip beschleunigt. Selbst winzig kleine Auslenkungen können gemessen werden, indem man die Messung der Verschiebung des Teils auf die Messung von Licht zurückführt.

„Im beweglichen Silizium-Teil befinden sich winzig kleine Schlitze, mit einer Größe von bloß 10 mal 100 Mikrometern“, sagt Wilfried Hortschitz. „Darüber befindet sich ein Glasplättchen, auf dem Streifen mit denselben Abmessungen angebracht sind.“ Wenn das Glasplättchen so positioniert ist, dass die Streifen genau die Schlitze des Silizium-Teils verdecken, dann kann kein Licht hindurch gelangen. Sobald sich allerdings der bewegliche Teil verschiebt, passen Streifen und Schlitze nicht mehr exakt zusammen, und Licht gelangt durch den Chip.
 
Die Änderung der Durchlässigkeit kann man mit Lichtdetektoren so genau detektieren, dass Verschiebungen im Pikometer-Bereich messbar werden. Ein Picometer ist ein Milliardstel eines Millimeters, ein Wasserstoffatom hat einen Radius von etwa 100 Picometern. „Dadurch, dass tausende Schlitze gleichzeitig betrachtet werden, ist die Gesamtfläche, die sich bei der Verschiebung öffnet, groß genug um gemessen werden zu können“, erklärt Wilfried Hortschitz.

Vom Airbag bis zur Erdbebenwelle
Die Idee, Verschiebungen mit Licht zu messen, ist nicht neu. Wilfried Hortschitz ist allerdings der erste, dem es gelang, dieses einfache Prinzip derart zu miniaturisieren und für extrem präzise Messungen zu verwenden. Insgesamt ist der Sensor bloß 4mm x 4mm x 1mm groß und eignet sich daher für viele unterschiedliche Einsatzzwecke.

Um zu entscheiden, ob ein Airbag ausgelöst werden soll, muss man große Beschleunigungen sehr schnell zuverlässig detektieren. Genau dafür ist der Sensor-Chip bestens geeignet. Überall wo technische Geräte ihre Orientierung im Raum kennen müssen, benötigt man Beschleunigungs-Chips – im Handy, dessen Bildschirm sich beim Drehen umorientieren soll, oder auch in einer Virtual-Reality-Brille. Auch medizinische Anwendungen des Chips sind möglich.

Wilfried Hortschitz misst nun auch Beschleunigungen einer ganz anderen Art: In ersten Messungen mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) will er untersuchen, wie seine Beschleunigungssensoren auch als Erdbebendetektoren eingesetzt werden können. „Hier hat man es mit sehr tiefen Frequenzen zu tun, wir müssen also unseren Chip sehr weich aufhängen, damit er diese sehr langsamen Schwingungen aufnehmen kann“, erklärt Hortschitz.

Resselpreis für erstklassige Forschung
Wilfried Hortschitz wuchs im Bezirk Neunkirchen in Niederösterreich auf. Er besuchte die Maschinenbau-HTL in Wiener Neustadt, danach entschied er sich für ein Mechatronik-Studium an der JKU Linz. Für seine Dissertation wechselte er dann an die TU Wien, ins Team von Prof. Franz Keplinger vom Institut für Sensor- und Aktuatorsysteme.

Am 27. Juni 2014 nimmt Wilfried Hortschitz Festsaal der TU Wien der Resselpreis entgegen. Der Resselpreis wird einmal jährlich von der TU Wien für eine interdisziplinäre Forschungsleistung vergeben, die aus einem Dissertationsprojekt hervorgeht. Er ist mit 13.000 Euro dotiert.


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Rückfragehinweis:
Dr. Wilfried Hortschitz
Institut für Sensor- und Aktuatorsysteme
Technische Universität Wien
Gusshausstraße 25-29, 1040 Wien
T: +43-1-58801-36645
wilfried.hortschitz@tuwien.ac.at


Aussender:
Dr. Florian Aigner
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Wien
Operngasse 11, 1040 Wien
T: +43-1-58801-41027
florian.aigner@tuwien.ac.at