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Rang zwei bei Descartes-Preis für Projekt mit heimischer Beteiligung

Die mit einer Million Euro dotierte Auszeichnung wurde in Rom vergeben - TU Wien mit dabei

Wien (APA) - Das Forschungsprojekt "Non-rigid earth 'nutation' model", an dem auch

Wissenschafter der Technischen Universität (TU) Wien beteiligt waren, belegte beim mit

insgesamt einer Million Euro dotierten, diesjährigen Descartes Preis den zweiten Platz und

300.000 Euro. Gegenstand der Forschungen war die Berechnung und Vermessung feinster

Bewegungen der Erdachse.

 

Als der Eismann Ötzi oder Julius Caesar zum nächtlichen Himmel blickten, sahen sie im

Verlaufe eines Jahres andere Sternbilder als wir heute. Ursache dafür ist das Schwanken oder

Trudeln der Erdachse, im Fachjargon Präzession bzw. Nutation genannt. Dank des Projekts

"Non-rigid earth 'nutation' model" ist es nun möglich, selbst die feinsten Bewegungen der

Erdachse auf Zentimeter genau zu berechnen und vorherzusagen.

 

Als Präzession bezeichnen die Wissenschafter das regelmäßige und langfristige Trudeln der

Erdachse. Mit einer Periode von rund 26.000 Jahren verlagert sich dabei die Erdachse wie bei

einem nicht mehr ganz rund laufenden Kreisel. Unter Nutation versteht man dagegen wesentlich

feinere und auch unregelmäßigere Bewegungen mit Perioden von Jahren bis zu Tagen.

Hervorgerufen werden die Bewegungen durch das Zusammenspiel der Anziehungskräfte der die

Erde umgebenden Himmelskörper - Sonne, Mond und andere Planeten. Auch der innere Aufbau der

Erde spielt dabei eine Rolle, denn sie ist aus astronomischer Sicht kein starrer Ball,

sondern ein bis zu einem gewissen Grad elastisches Gebilde.

 

Obwohl das internationale EU-Forschungsprojekt als Grundlagenwissenschaft gilt, sind die

Ergebnisse praktisch für den gesamten Bereich der Navigation auf der Erde von Bedeutung.

Beispielsweise würden die Satelliten des Global Positioning System (GPS) für die Bestimmung

der exakten Position die Nutation mit einrechnen, erklärte Projektteilnehmer Harald Schuh,

Leiter der Abteilung für Höhere Geodäsie der TU Wien gegenüber der APA. Je exakter sich die

Nutation berechnen lässt, desto genauer kann eine Positionsbestimmung durchgeführt werden.

Aber auch über den Aufbau des Erdinneren würden sich durch die genaue Modellierung der

Nutation neue Erkenntnisse gewinnen lassen. Die herkömmlichen Modelle zur Berechnung der

Nutation hatten eine Genauigkeit von rund zwei Metern, im Rahmen des Projekts konnte die

Präzision auf zwei bis drei Zentimeter verbessert werden.

 

In Wien führten Schuh und sein Kollege Robert Weber im Zuge des Projekts vor allem genaue

Messungen der Erdbewegung durch. Eingesetzt wurden dazu Satelliten, aber auch die so

genannte Radiointerferometrie mit großen Radioteleskopen. Mit den Daten wurden dann die

Modelle zur Berechnung gefüttert. Weil einander die Himmelskörper auch gegenseitig

beeinflussen, sind die Berechnungen äußerst komplex und umfassen 10.000 bis 12.000

verschiedene mathematische Operationen. Am Projekt waren auch französische, polnische,

spanische, deutsche, russische und ukrainische Wissenschafter beteiligt.

 

Der erste Preis in der Höhe von 700.000 Euro ging an ein Projekt, mit dem neue Wege

hinsichtlich des Einsatzes von Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) für Leuchttafeln und

Bildanzeigen beschritten wurden. Das Forschungsvorhaben, an dem britische, belgische,

deutsche und niederländische Wissenschafter beteiligt waren, zielte darauf ab, herkömmliche

glas- oder silikonverstärkte Anzeigen durch flexible Plastik-Substrate zu ersetzen. Die

Herstellung wird so kostengünstiger, die Tafeln sind praktisch in jeder Größe zu erzeugen.