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Preise für TUW-Forschende: Von Kernkraft bis Pergament

Im März wurde Anton Rebhan von der ÖAW mit dem Erwin Schrödinger-Preis ausgezeichnet, der Gerhard-Schulze-Nachwuchspreis 2026 ging an Antonia Malissa.

Bild vom TU Wien Hauptgebäude mit Pokal

© TUW/M. Heisler; tashechka stock.adobe.com

Der Physiker Anton Rebhan und die Chemikerin Antonia Malissa freuen sich über Preise und Auszeichnungen für ihre herausragende Forschung.

Erwin-Schrödinger-Preis für Anton Rebhan

Übergabe des Preises an Anton Rebhan

© ÖAW | Daniel Hinterramskogler

Anton Rebhan (links) und Wolfgang Baumjohann

Am 24. März erhielt der TUW-Physiker Anton Rebhan den mit 15.000 Euro dotierten Erwin Schrödinger Preis der ÖAW. Ausgezeichnet wurde er für seine Forschungsleistungen im Bereich der theoretischen Kern- und Teilchenphysik, insbesondere für die Entwicklung neuer Methoden in der Quantenchromodynamik (QCD).

Quantenchromodynamik bezeichnet die fundamentale Theorie, die der starken Kernkraft zugrunde liegt. Die enormen Kräfte zwischen Protonen und Neutronen in einem Atomkern werden auf die Wechselwirkungen von Quarks und Gluonen zurückgeführt – sie sind die elementaren Bestandteile der Kernteilchen, können selbst aber nicht direkt beobachtet werden.

Anton Rebhan hat zur theoretischen Beschreibung von Quark-Gluon-Plasma Pionierarbeit geleistet und Methoden zur analytischen Beschreibung seiner thermodynamischen Eigenschaften entwickelt, die von den beiden Extremfällen sehr kleiner und sehr großer Wechselwirkungsstärke ausgehen. Sogar im ersten Fall müssen herkömmliche Rechnungen grundlegend reorganisiert werden; im zweiten Fall kann dagegen die Quantenfeldtheorie auf eine klassische, aber höherdimensionale Gravitationstheorie abgebildet und dadurch ebenfalls näherungsweise gelöst werden.

Auf diese Weise konnte Rebhan mit seiner Arbeitsgruppe an der TU Wien in den letzten zehn Jahren neben der Beschreibung des Quark-Gluon-Plasmas auch bedeutende neue Erkenntnisse in der Physik der vielfältigen Bindungszustände von Quarks und Gluonen gewinnen.

Am selben Abend wurde die Medaille Bene Merito an den früheren Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner und der Wilhelm Hartel-Preis an die Historikerin Martha Keil vergeben. Neun Nachwuchsforschende wurden mit weiteren Preisen der ÖAW ausgezeichnet.

Über Anton Rebhan

Anton Rebhan wurde 2008 zum Universitätsprofessor für Theoretische Physik an die TU Wien berufen. Er promovierte 1988 am Institut für Theoretische Physik der TU Wien, wo er sich 1992 habilitierte. Er war 1990-1992 Fellow in der Theory Division des CERN in Genf, danach Postdoctoral Researcher am LAPP in Annecy-le-Vieux (Frankreich) und am Deutschen Elektronensynchroton DESY in Hamburg, sowie Lehrstuhlvertreter an der Universität Bielefeld. Für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt er den Viktor-Franz-Hess-Preis der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft und den Erich-Schmid-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, die ihn 2011 zum korrespondierenden Mitglied ernannte. Von 2014 bis 2023 leitete er das gemeinsam von der TU Wien, der Universität Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften durchgeführte FWF-Doktorandenprogramm Particles & Interactions mit über 60 Doktorand_innen.

Gerhard-Schulze-Nachwuchspreis für Antonia Malissa

Antonia Malissa steht zwischen zwei Frauen und hält eine Mappe in der Hand.

© Christian Reger

Antonia Malissa (Mitte) erhält Gerhard Schulze Award

Für ihre Dissertation wurde Antonia Malissa mit dem Gerhard-Schulze-Nachwuchspreis des Arbeitskreises Archäometrie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ausgezeichnet. Der mit 500 Euro dotierte Preis würdigt herausragende Abschlussarbeiten im Bereich der Archäometrie und wurde im Rahmen der analytica conference 2026 (24.–26. März in München) verliehen, wo Antonia Malissa ihre Forschung auch präsentierte.

Im Zentrum ihrer Arbeit im Projekt „DECODE – Development of a multi-analytical strategy for the bioCodicological study of parchment degradation“ steht die Entwicklung und Anwendung einer multimodalen, bildgebenden Analysestrategie zur Charakterisierung des historischen Schreibmaterials Pergament. Untersucht werden insbesondere Veränderungen der molekularen Bestandteile, die durch Umweltfaktoren wie Licht, Feuchtigkeit oder Luftschadstoffe hervorgerufen werden.

Methodisch kombiniert die Arbeit komplementäre spektroskopische Verfahren (IR- und Raman-Spektroskopie) mit massenspektrometrischen Ansätzen (MALDI-MS) und ermöglicht so erstmals eine ortsaufgelöste Analytik mit deutlich erhöhter molekularer Spezifität. Darüber hinaus erweitern proteomische und lipidomische Untersuchungen den Blick über bisherige, häufig auf Kollagen I beschränkte Ansätze hinaus: Neben verschiedenen Kollagentypen werden auch Lipide sowie deren oxidations- und alterungsbedingte Abbauprodukte erfasst. Dies erlaubt die Identifikation spezifischer molekularer Marker für unterschiedliche Umwelteinflüsse sowie für degradative Prozesse in Pergament.

Der entwickelte Multiomics-Workflow trägt wesentlich zum besseren Verständnis von Schadens- und Alterungsprozessen in kulturell bedeutenden Objekten bei und schafft eine belastbare Grundlage für die Bewertung ihres Erhaltungszustands und die Entwicklung langfristiger Konservierungsstrategien.

Über Antonia Malissa

Antonia Malissa studierte Technische Chemie an der TU Wien und spezialisierte sich früh auf die naturwissenschaftliche Untersuchung kultureller Güter und Materialien. Bereits ihre Bachelor- und Masterarbeit befassten sich mit diesem Themenfeld; ihre Diplomarbeit entstand im FWF-Projekt „Wiener Genesis“.

Ihre Dissertation führte sie in der Forschungsgruppe für massenspektrometrische Bio- und Polymeranalytik unter der Betreuung von Prof. Martina Marchetti-Deschmann durch und wurde durch ein DOC-Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gefördert. Teile ihrer Forschung veröffentlichte sie in internationalen Fachjournalen und präsentierte sie auf Konferenzen.

Seit 2024 ist sie am Shimadzu Innovation Lab für MS Imaging an der TU Wien tätig und wirkte zudem in der universitären Lehre, insbesondere in Laborpraktika, mit.

Rückfragehinweis

Prof. Anton Rebhan
Institut für Theoretische Physik
+43 1 58801 13620
anton.rebhan@tuwien.ac.at

Antonia Malissa 
Forschungsgruppe Massenspektrometrische Bio- und Polymeranalytik
antonia.malissa@tuwien.ac.at