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Nicht ohne meine Familie - oder sieben Wünsche an die TU Wien

Kinderbetreuungsbeauftragte Ewa Vesely im Gespräch mit Anna Steiger, Vizerektorin für Personal und Gender

 

Im vergangenen Studienjahr 2011/2012 ging Ewa Vesely für das TU|frei.haus der Frage nach, wie es den TU-MitarbeiterInnen geht, die Kinderbetreuung und Beruf unter einen Hut bringen.

Vizerektorin Anna Steiger

Vizerektorin Anna Steiger

Kinderbetreuungsbeauftragte Ewa Vesely im Gespräch mit Anna Steiger, Vizerektorin für Personal und Gender

Im vergangenen Studienjahr 2011/2012 ging Ewa Vesely für das TU|frei.haus der Frage nach, wie es den TU-MitarbeiterInnen geht, die Kinderbetreuung und Beruf unter einen Hut bringen.

In der Serie "Familie und Job – Alles unter einem Hut" wurden 6 MitarbeiterInnen aus unterschiedlichsten Bereichen der TU Wien befragt. Die GesprächspartnerInnen kamen sowohl aus dem wissenschaftlichen als auch aus dem administrativen Bereich.

Agata Ciabattoni, Verena Seidl-Seiboth, Bernhard Seiboth, Elisabeth Schmid, Roland Lezuo und Otto Mittmannsgruber haben darüber berichtet wie beides -  Kinder und Karriere - gelingen kann, wie anstrengend  - aber auch gleichzeitig eine Quelle der Kraft  - beides zusammen sein kann. Wir haben erfahren, wie wichtig die Unterstützung seitens der Partnerin/des Partners ist, aber auch was sich Eltern an Unterstützung seitens der TU Wien wünschen.

Sind diese Wünsche erfüllbar? Kann bzw. darf  eine Universität den Eltern eine Unterstützung bieten? Ist diese Unterstützung mit den Kernaufgaben einer Universität - Forschung und Lehre - zu vereinbaren? Ewa Vesely hat bei Anna Steiger nachgefragt.

Die Kernaufgaben einer Universität sind Forschung und Lehre. Wir hören aber  von sogenannten "familiengerechten Hochschulen" in Deutschland oder in der Schweiz. Auch in Österreich haben einige Universitäten den ersten  (von der TU Wien mitentwickelten) Hochschulaudit erfolgreich absolviert und dürfen das Gütezeichen "Hochschule und Familie" tragen.
Wozu das Engagement einer Hochschule im Bereich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Wo bleiben dann die Kernaufgaben einer Universität?
WissenschaftlerInnen arbeiten international, unsere "Konkurrenzunis" befinden sich nicht nur in Österreich. So sind beispielsweise amerikanische Unis im Bereich Dual Career  schon wesentlich weiter als wir. Nordeuropäische Universitäten wiederum haben Standards im Bereich Vereinbarkeit und Kinderbetreuung gesetzt. Wenn wir hier mithalten wollen, müssen wir Rahmenbedingungen schaffen, die den Job an unserer Uni attraktiv machen.
 
In den Jahren 2005 bis 2008 waren in Summe 12 Väter in Karenz. Im Jahr 2011 haben bereits 20 Väter aus dem wissenschaftlichen und 5 aus dem  allgemeinen Bereich eine Kinderkarenz beansprucht. Frau Vizerektorin, können wir davon ausgehen, dass die Zahl der Väter in Karenz an der TU weiter steigen wird?
Das wäre wünschenswert. Eine wichtige Maßnahme dazu ist auch, dass jeder Job, der durch Elternkarenz frei wird, auch nachbesetzt wird. Gerade in Zeiten, in denen um jeden Job, um jede Nachbesetzung gefeilscht wird, ist es mir ein Anliegen, dass diese Nachbesetzungen nicht in Frage gestellt werden. Vorgesetzte müssen sich also nicht fürchten, dass sie unter Karenzzeiten von Vätern – aber natürlich auch Müttern - leiden müssen.

In Anbetracht der finanziell angespannten Situation unserer Universität sind natürlich auch die Handlungsfreiräume für die Universitätsleitung etwas eingeschränkt. Welche der „Sieben Wünsche“  sehen Sie dennoch als realisierbar an?
Was die Karrierelaufbahnmodelle betrifft, haben wir Einiges vor: wir arbeiten an der Neukonzipierung der Laufbahnstellen, die im Kollektivvertrag vorgesehen sind. Leider ist die Umsetzung abhängig von den finanziellen Ressourcen, die uns das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung in nicht ausreichender Menge zur Verfügung stellt.
Wir wissen, dass die 63 Betreuungsplätze im Betriebskindergarten den Bedarf nicht ganz abdecken, sind aber optimistisch, dass wir schon im nächsten Jahr unseren Kindergarten erweitern können und eine neue Gruppe mit weiteren 21 Betreuungsplätzen eröffnen werden.
Um auch für ganz kleine Kinder Betreuungsmöglichkeiten zu bieten, denken wir daran, die HTU Krabbelstube gemeinsam auszubauen.
Leider ist folgende Problematik real: Kinder von MitarbeiterInnen, die aus den Bundesländern nach Wien pendeln, erhalten in einem Wiener Kindergarten keinen Betreuungsplatz gratis bzw. ermäßigt – so wie es in Wunsch 6 formuliert ist. Das betrifft natürlich auch unseren Betriebskindergarten. Eine optimale Lösung ist hier leider nicht in Sicht.

Gibt es weitere Maßnahmen für eine besseren Vereinbarkeit von Familie und wissenschaftlicher/beruflicher Tätigkeit, die Sie an der TU Wien umsetzten werden?
Die TU hat im letzten Jahr Maßnahmen umgesetzt, die es Frauen und Männern mit familiären Aufgaben leichter machen sollen, Beruf und Familie zu vereinbaren. So ist es nun möglich im Rahmen von Teleworking auch Arbeiten von zu Hause aus zu erledigen. Als nächsten Schritt planen wir die Einführung von Gleitzeit für MitarbeiterInnen des allgemeinen Universitätspersonals. Die TU ist auch federführend in einer universitätsübergreifenden Fachgruppe, die sich mit Dual Career, also Karrieremöglichkeiten für Partner und Partnerinnen unserer neuen, nach Wien zugezogenen MitarbeiterInnen befasst.
Im Rahmen unserer Möglichkeiten möchten wir auch umfassende Informationen für Eltern anbieten bzw. dorthin verweisen, wo man beste Betreuung bekommen kann.
Generell achten wir bei allen Maßnahmen im Bereich Personal darauf, dass diese für alle MitarbeiterInnen, also auch für die, die Kinder oder andere familiäre Betreuungsaufgaben haben, tragbar sind.

Welchen Wunsch würden Sie an die an der TU Wien tätigen Eltern richten?
Um die TU ein wenig familienfreundlicher zu machen, benötigen wir erfolgreiche Role Models, die vorleben, dass beides, Familie und Beruf, auch auf einer Universität möglich sind.

"Sieben Wünsche Katalog"

Im Studienjahr 2011/12 wurde bereits vieles in Richtung einer familienfreundlichen Universität umgesetzt. Beispielsweise gibt es gemeinsame TU-Veranstaltungen für Eltern und Kinder, um Familien an der TU Wien sichtbar zu machen. Oder es werden Kinderbetreuungswochen im Sommer mit einer finanziellen Elternunterstützung angeboten. Ein Teil der Elternwünsche wartet jedoch noch auf Erfüllung. Diese wurden im "Sieben Wünsche Katalog" zusammengefasst.

Wunsch1: Karrierelaufbahnmodelle
"Ich würde mir mehr Laufbahnmodelle für junge WissenschaftlerInnen wünschen, damit man beruflich die Zukunft etwas besser planen kann."

Wunsch 2: Mehr Kinderbetreuungsplätze
"Ich wünsche mir mehr Kinderbetreuungsplätze im Betriebskindergarten -  damit  man(frau) sich sicher sein kann, genau dann einen guten Platz zu bekommen, wenn man (frau) wieder in das Berufsleben einsteigen will."

Wunsch 3: Vereinbarkeit von Beruf und Familie an der TU Wien
"Ich wünsche mir, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch weiterhin immer wieder auf der TU Wien thematisiert wird, um noch mehr Väter dazu zu bewegen, sich aktiv an der Kinderbetreuung zu beteiligen und vor allem um junge Frauen dazu zu ermutigen, Wissenschaftlerin und Mama gleichzeitig zu sein."

Wunsch 4: Tagesmütterpool
"Ein TU-Tagesmütterpool in der Nähe der Universität oder ein finanzieller Zuschuss für diese Form der Kinderbetreuung."

Wunsch 5: Raum für Babys
"Ein Raum am TU-Gelände in diesem sich Eltern mit ihren Babys aufhalten könnten oder in dem die Kinder unter der Obhut eines privat bezahlten Babysitters auf die (stillende) Mutter warten könnten. Auf dieser Weise könnte z.B. die Mutter ihr Baby während der Arbeitszeit stillen oder mit ihm etwas Zeit verbringen."

Wunsch 6: Lösung für PendlerInnen
"Eine Lösung für die Kinder der MitarbeiterInnen, die aus den Bundesländer nach Wien pendeln und dort gemeldet sind, ihre Kinder aber in den Betriebskindergarten geben möchten. Derzeit gilt die Förderung der Gemeinde Wien ausschließlich für die in Wien gemeldeten Kinder. Die Kosten für die Kinderbetreuungseinrichtung an der TU Wien sind also für Kinder von Nicht-WienerInnen erheblich höher."

Wunsch 7: Väterkarenz
"Väter, nehmt Euch mit Kinderkarenz Zeit für Eure Kinder, denkt nicht zu viel darüber nach und tut es! Die Erfahrungen während der Karenz können sehr bereichernd sein und Zeit mit den eigenen Kindern ist so wertvoll und schön."

 

TU Freihaus Nummer 24,

Link: http://www.tuwien.ac.at/dle/pr/publishing_web_print/tufreihaus/tufreihaus24/campus/