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Nachlese zum Vortrag "TU - FH und zurück"

Prof. Herbert Grünbacher über Organisation sowie Vor- und Nachteile eines Studiums an der FH. Hier sind noch einmal die wichtigsten Aussagen zusammengefasst:

In Österreich gibt es zur Zeit 141 FH-Studienlehrgänge, die von 19 Organisationen betrieben werden: je nachdem ob Verein, GmbH oder Privatstiftung ist die interne Organisation sehr unterschiedlich. Vor allem die Rolle des Studiengangsleiter ist stark vom Träger abhängig. Von den 141 Studienlehrgängen sind 33 in Wien beheimatet, insgesamt besuchen zur Zeit ca. 22.000 Studierende eine FH. Das Budget beträgt mit ? 107 Millionen ein Fünftel des Gesamtbudgets des Ministeriums.



Fachlich kommen mehr als die Hälfte aller Studienlehrgänge aus dem Bereich der Technik, gefolgt von Wirtschaft und Tourismus. Im Kommen sind Studienlehrgänge im sozialen Sektor. Dem Argument, dass FHs hoffnungslos überlaufen sind, kann Prof. Grünbacher nur sehr begrenzt zustimmen. Seiner Meinung nach gilt das vor allem für den Bereich Wirtschaft, im Technikbereich nur in Zentren wie Wien und Graz. Ansonsten liegt laut Grünbacher die Auslastung oft nur bei 60 %.



Grünbacher unterteilt die einzelnen FH-Lehrgänge in 3 Gruppen:

  • WIFI-artige Lehrgänge, die tendenziell eher mit Vortragenden von außen besetzt sind und oftmals als Abendstudien geführt werden
  • HTL-artige Lehrgänge
  • Hochschulartige Lehrgänge, die im Bereich Angewandte F & E (Forschung & Entwicklung) angesiedelt sind und wo Universitätsprofessoren involviert sind.

Das Studium an der FH dauert 4 Jahre:

1. + 2. Jahr: Grundlagenausbildung

3. Jahr: Nach den ersten beiden Jahren werden die Grundlagen vor allem durch projektorientierte Ausbildung weiter vertieft. Für die Studierenden ist laut Grünbacher diese Phase sehr wichtig, da sie durch die Arbeit am Projekt enorm viel dazulernen.

Jeweils 4-5 Studierende arbeiten 1-2 Tage/Woche ca. 1 Jahr lang an einem Projekt, für das sie sich wie bei einer Firma offiziell bewerben müssen (Ausschreibung: Ostern des Vorjahres, Beginn des Projekts: darauffolgendes Wintersemester). Auf Grund ihrer Bewerbung werden die Studierenden dann vom jeweiligen Betreuer ausgesucht. Die Arbeit am Projekt hat Diplomarbeitscharakter, eine eindeutige Lösung gibt es nicht, der Betreuer kann nur mit seiner Erfahrung helfend zur Seite stehen. Zusätzlich besuchen die Studierenden dem Projekt angepasste Lehrveranstaltungen. Um den Studierenden den Produktionsdruck zu ersparen, findet das Projekt ausschließlich an der FH statt und nicht in einer Firma.

Gleichzeitig werden die Studierenden aber auch im Bereich "Soft Skills" ausgebildet, da sie selbst für das gesamte Projektmanagement verantwortlich sind: Dokumentation, Redaktion, Teamarbeit, Kommunikation, Kostenabschätzung, Marketing, usw. Weiters erfahren die Studierenden am Ende des Projekts wieviel das Projekt und auch sie selbst einer Firma gekostet hätten, was laut Grünbacher für die meisten Studierenden eine ziemliche Überraschung ist.

Nicht zuletzt wird durch die Projektarbeit aber vor allem Teamarbeit gefördert; jeder muss sein Bestes geben, da die Gruppe bei nicht erbrachter Leistung auch jemanden, wie im Berufsleben, "kündigen" kann. Derjenige muss sich dann erneut für ein Projekt bewerben.

4. Jahr: Im Abschlussjahr sind die Studierenden im Rahmen eines Praktikums fix und mit Gehalt bei einer Firma angestellt, wodurch sie nach Abschluss bereits erste Berufserfahrungen haben. Im Anschluss daran erfolgt die Diplomarbeit.

Beispiele für Projekte sind:

- MP3-Player

- Multiplizierer Chip

- TTdemo

- PosiCon

Laut Grünbacher ist die entscheidende Frage an einer FH immer: "Was lasse ich weg?". Man muss Schwerpunkte in Lehre und Forschung setzen, vor allem auf den Gebieten Mikroelektronik, digitale Signalverarbeitung, Echtzeitsysteme (Embedded Systems). Wichtig ist, den Studierenden solide Grundlagen zu vermitteln, sie sollen wissen, was hinter einer Formel steht. Wesentlich ist auch die Vermittlung von fächerübergreifendem Lernen, die selbstständige Anwendung von Grundlagenkenntnissen in fachspezifischen Bereichen, weswegen es zwischen den einzelnen Fachrichtungen einsemestrige Projekte gibt wie z.B.: Mathematik & Modellierung + Regelungstechnik; Informatik + Digitale Nachrichtentechnik; Englisch + Messtechnik uvm.

Ein wesentlicher Punkt ist für Grünbacher aber auch die Tatsache, dass es keine Lehre ohne Forschung geben kann, weswegen für ihn eigene Forschungsprojekte sehr wichtig sind. Die Finanzierung der Forschungsprojekte am Technikum Kärnten, an dem Grünbacher unterrichtete, erfolgte zu 50% Bund,25% Land Kärnten und 25% Villach.

Um die hohe Qualität zu sichern, ist für Grünbacher die Zusammenarbeit zwischen Universität und FH unerlässlich und notwendig. Während die Universitäten den Studierenden vor allem die Grundsätze beibringen sollen, ist für Grünbacher die FH für die Umsetzung zuständig.