Am 16. September feiert TUWEL, die zentrale E-Learning Plattform der TU Wien, ihr 20-jähriges Jubiläum. Doch wie hat das Moodle-basierte Tool seinen Anfang genommen und welche Meilensteine wurden bisher erreicht? Im Gespräch geben Katarzyna Potocka vom Fachbereich Software Development, und Gergely Rakoczi, Leiter des Fachbereichs Digital Teaching and Learning, Einblick in die TUWEL-Geschichte.
Wie hat TUWEL an der TU Wien seinen Anfang genommen?
KP: Die Idee und Erstumsetzung entstanden im DELTA3-Projekt des Bereichs E-Learning Zentrum, damals ein Außeninstitut der TU Wien. Das Projekt war sogar MEDIDA-PRIX prämiert. Unter der Projektleitung von Franz Reichl ging TUWEL (TU Wien E-Learning) im Jahr 2005 produktiv, und hatte sein erstes Testsemester im Sommer 2006. Damals standen die Server noch im Keller der Gußhausstraße und wurden mit Unterstützung der CIT vom Team des E-Learning Zentrums betrieben.
Welche Highlights und Meilensteine gab es in der 20-jährigen Geschichte?
GR: Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, es gab immer wieder große Fortschritte und Änderungen. Ein paar lassen sich jedoch gut herausgreifen wie zum Beispiel die Anbindung an TUWIS++ und später an TISS oder die Einführung von Plugins, die von Lehrenden gewünscht und entwickelt wurden, unter anderem „Kreuzerlübung“ primär für Mathematik-Übungen, Gruppenverwaltung oder Terminplaner.
Ein schönes Beispiel, um österreichweit Synergien beim Betrieb von Moodle zu schaffen, war 2014 der Start der Zusammenarbeit mit fünf anderen Universitäten im Rahmen der Academic Moodle Cooperation, die aus der Kooperation zwischen TU Wien und Universität Wien entstanden ist. Auch die hohe Integration mit LectureTube, unserer Open Source Video-Lösung mit Hörsaalaufzeichnungen, Livestreams aus dem Hörsaal, Aufnahme über Browser und vielem mehr möchte heute niemand mehr missen.
KP: Der Open Source Gedanke war uns von Anfang an ein großes Anliegen und es ist mir eine Freude zu sagen, dass wir daran immer noch festhalten. Wir versuchen nicht nur soweit es geht Open Source einzusetzen, – siehe TUWEL (Moodle) und LectureTube (Opencast) – sondern wir teilen unsere Erfahrungen, unser Wissen und vor allem unsere Entwicklungen und Dokumentationen mit der Community. Viele unserer Eigenentwicklungen sind sogar in dem offiziellen Moodle Plugin Directory weltweit downloadbar.
GR: Vielleicht abschließend noch ein paar Worte zur Veränderung in Design und Handhabung. Hier haben wir uns bemüht, das Aussehen laufend an IT-Trends anzupassen. In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch erwähnen, dass die Unterstützung von Bootstrap TUWEL den modernen Touch gibt. Für alle, die schon lange an der TU Wien sind oder schon lange mit der E-Learning Plattform arbeiten, wartet bei unserem „Jubiläumsevent“ im September eine Reise in die Vergangenheit. Mit Bildern des User Interfaces von den Anfängen an, zeigen wir hoffentlich eine positive Entwicklung des Designs.
Was macht TUWEL besonders?
GR: Die Vorteile von TUWEL liegen meiner Meinung nach klar auf der Hand. Es gibt eine gemeinsame zentrale Plattform für unsere Universität und alle Universitätsangehörigen. Somit ist kein Wechsel zu anderen E-Learning-Plattformen notwendig. Moodle ist heutzutage aus der Hochschulbildung in Europa auch nicht wegzudenken, auch klar erkennbar an unserer EU-Allianz EUList: 8 von 10 Unis haben Moodle in Verwendung.
Auch nicht zu unterschätzen ist die großartige Moodle Community, die hinter Moodle steht. Erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang auch die MoodleMoot Konferenzen. Dank Kasia ist die TU Wien federführend bei MoodleMoot DACH in der deutschsprachigen Region. Und nicht zu vergessen, all die Menschen, die hinter TUWEL stehen, machen den großen Unterschied. Kasia ist seit 2007 und ich seit 2008 mit Herz und Seele dabei, auch unsere ehemaligen Vorgesetzten im Vizerektorat haben TUWEL größtenteils unterstützt. Tolles Feedback kommt auch von Professor_innen, Senior Lecturers, studentischen Mitarbeiter_innen, Tutor_innen und auch Studierenden. Manchmal kommt auch strenges, ehrliches Feedback, aber das ist gut so. Daraus lernen wir oft mehr als aus fehlendem Feedback.
KP: TUWEL ist nicht nur TU Wien. Speziell bezugnehmend auf den Fokus auf Community und Kooperationen möchte ich noch erwähnen, dass durch die Offenheit und Bereitschaft unsere Entwicklungen zu teilen, der Wunsch entstanden ist, Events zu diesem Thema zu machen. Aus diesem Wunsch ist eigentlich die Idee der MoodleMoot DACH geboren worden. Seit 2019 veranstalten wir jährlich Events in Zusammenarbeit mit insgesamt 8 Partnerinstitutionen, bestehend aus einem 2-tägigen DevCamp mit Fokus auf Entwickler_innen und einem 2-tägigen BarCamp für User_innen, Admins und Interessierte. Beide Events sind von großem Mehrwert für die gesamte Community und zeigen uns jedes Jahr wieder, was Menschen, die die Möglichkeit zur Zusammenarbeit bekommen, in nur wenigen Stunden erreichen können.
Wie erleichtert TUWEL den Alltag der Studierenden?
GR: Noch vor 20 Jahren waren die Infos für Studierende sehr verteilt, jede Lehrveranstaltung hatte ihre eigene Homepage. Es gab auch kein richtig etabliertes zentrales Tool (außer E-Mail und Fachschaftsforen) für die zentrale Ablage von Lernunterlagen. In beiden Fällen hat TUWEL viel geholfen. Mittlerweile bietet die Plattform neben klassischen Lernunterlagen (Powerpoints, PDFs etc.) viel mehr: Messaging, Zoom-Integration, verschiedene Forentypen, viele interaktive Lernelemente, Selbsttests, Prüfungen (online, offline), Abgabetools, komplette Videoaufzeichnungen, Termin- und Gruppenanmeldungen, mehrere Programmierungen (CodeRunner, Matlab Grader, JupyterHub), Wikis und Etherpads. Außerdem können Studierende Einsicht in Teilpunkte, Noten und Feedback zu Beurteilungen nehmen, sofern es von den Lehrenden eingepflegt wird. Und alles datenschutzkonform (lacht).
KP: Zu meiner Zeit wurden die Prüfungsnoten außen auf die Türen der Lehrenden gehängt und während Mathe-Übungen gingen mal 20 Minuten einer 50-minütigen Übung drauf, Kreuzerl auf Listen zu machen. Mit der TU Wien internen Weiterentwicklung „Kreuzerlübungen“, die es mittlerweile seit knapp 20 Jahren in TUWEL gibt, können sich Lehrende auf die Übungsstunden besser vorbereiten und mittels des Beurteilungssystems in TUWEL haben Studierende zeitnahe Zugriff auf Ihre Bewertungen. Das sind nur zwei Beispiele wie TUWEL sowohl das Leben von Lehrenden, als auch von Studierenden in manchen Bereichen vereinfacht hat.
Live dabei sein beim Event
20 Jahre TUWEL - Rückblick und Neuerungen für das Wintersemester 2026
Mittwoch, 16. September 2026 - 15:00-18:00 Uhr
TUtheSky, BA11B09, Getreidemarkt 9, 1060 Wien
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Event-Tipp für Erstsemestrige „Mein Start mit TUWEL“
Kennenlernen von TUWEL
- Montag, 5. Oktober 2026 von 16:00-16:30 Uhr, online in Zoom (deutsch)
- Dienstag, 6. Oktober 2026 von 16:00-16:30 Uhr, online in Zoom (englisch)
