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Michael Drmota – Mathematikprofessor am Institut für Diskrete Mathematik und Geometrie

Der passionierte Mathematiker mit langjähriger Laufbahn an der Technischen Universität Wien setzt auf neue Anwendungsgebiete in der Computertechnik und ist mit dem hervorragenden Ruf der Mathematik an der TU Wien sehr zufrieden.

Michael Drmota (Foto: Blazina)

Michael Drmota: "Man kann bestimmte Anwendungen nicht erzwingen, aber jede neue Anwendung benötigt ein solides Fundament. Es ist daher auch wichtig, Grundlagenforschung zu betreiben."<br>Foto: Blazina

Michael Drmota: "Man kann bestimmte Anwendungen nicht erzwingen, aber jede neue Anwendung benötigt ein solides Fundament. Es ist daher auch wichtig, Grundlagenforschung zu betreiben."<br>Foto: Blazina

Die berufliche Laufbahn

Michael Drmota begann 1982 Mathematik und Elektrotechnik an der Technischen Universität (TU) Wien zu studieren. Bereits vier Jahre später schloss er das Mathematikstudium ab. Im gleichen Jahr legte er die Promotion sub-auspiciis ab und wurde wegen seiner ausgezeichneten Studienleistungen geehrt. 1987 war er auch mit dem Elektrotechnikstudium fertig. 1990 habilitierte der Mathematiker und lehrte im Rahmen einiger Gastprofessuren mehrere Male an französischen Universitäten. Seit Anfang November 2006 ist Michael Drmota Universitätsprofessor und Institutsvorstand für Diskrete Mathematik und Geometrie.

Schultrauma Mathematik

Das womit die meisten eher schlechte Schulerinnerungen verknüpfen, ist für Professor Drmota eine Berufung. Die Problemstellungen, mit denen er sich beschäftigt, bewegen sich im Spannungsfeld der diskreten Mathematik, Wahrscheinlichkeitsrechnung und Stochastik sowie Zahlentheorie. "Diese klassischen Gebiete in der Mathematik spielen in der Forschungsarbeit eine bedeutende Rolle", so Drmota. Im Zuge seiner Forschungsaktivitäten leitet er seit kurzem ein groß angelegtes Projekt des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung mit dem Titel "Analytische Kombinatorik und Probabilistische Zahlentheorie." Mit Hilfe des Zwei-Millionen-Euro-Vorhabens soll in Österreich ein Netzwerk geschaffen werden, das zehn Forschergruppen mehrerer österreichischer Universitäten miteinander vereint. Es sollen dabei insbesondere junge Forscher eingebunden und gefördert werden, aber auch internationale Konferenzen, Workshops und Summerschools organisiert werden.

Spannungsverhältnis Grundlagen - Anwendungen

Michael Drmota fühlt sich "beiden Seiten der Mathematik" verpflichtet. Diese Wissenschaft lebe davon, dass man beide Seiten zusammen sehe, sowohl die angewandte als auch die Grundlagenseite, erklärte er im Interview. Die anwendungsorientierten Fragestellungen mit denen sich ein Mathematiker beschäftigt, stammen hauptsächlich aus den technischen Naturwissenschaften, teils auch aus dem Kontakt mit Unternehmen. "Sie geben der Mathematik ständig neue Herausforderungen auf", meint Drmota weiter.
Andere Forschungsprojekte unter seiner Leitung beschäftigen sich mit der mathematischen Modellierung und Analyse von Algorithmen, die aus der Informatik stammen. Dabei werden potentielle Anwendungsdaten stochastisch modelliert und charakteristische Eigenschaften des Algorithmus mit mathematischen Methoden untersucht. Es geht dabei nicht um Simulation. Man möchte auf mathematischem Weg Aussagen über Algorithmen gewinnen auch um diese verbessern und vergleichen zu können.
Den Anstoß für solche Fragestellungen liefern oft Tagungen im Spannungsfeld zwischen Mathematik und Informatik, bei denen sich Professor Drmota und seine KollegInnen intensiv mit Informatikern austauschen. Vor allem die Entwicklung der Computertechnik hat in den letzten Jahren neue Anwendungsgebiete für die Mathematik erschlossen, aber auch neue theoretische Fragestellungen aufgeworfen. Das Verhältnis zwischen den beiden Fakultäten beurteilt Drmota als sehr gut.

Der Mathematiker meint dass "man bestimmte Anwendungen nicht erzwingen kann, aber jede neue Anwendung benötigt ein solides Fundament. Es ist daher auch wichtig, Grundlagenforschung zu betreiben."

Zwei Mathematikinstitute in Wien: Konkurrenz oder Kooperation

Das Verhältnis zwischen der Fakultät für Mathematik an der Universität Wien und jener an der TU Wien bezeichnete Drmota ebenfalls als "sehr gut". Man sehe sich nicht nur als Konkurrenten sondern kooperiere intensiv miteinander. Es wird derzeit sogar ein wissenschaftliches Seminar, an dem DissertantInnen beider Fakultäten teilnehmen können, angeboten. Der Austausch zwischen den Studierenden findet statt. "Ich persönlich sehe Konkurrenz als Herausforderung an. Die Uni Wien und die TU Wien tun nicht dasselbe. Sie haben sich auf ihren Gebieten jeweils profiliert. Die Fakultät für Mathematik an der TU Wien verkörpert mehr die anwendungsorientierte Seite der Mathematik. Außerdem gibt es an der TU Wien die Finanz- und Versicherungsmathematik, Gebiete, mit denen die Universität Wien wenig zu tun hat", erläutert Drmota weiter.

Serviceleistung und Qualität der technischen Mathematik

Professor Drmota betonte, dass er sich dessen bewusst sei, dass die Mathematik eine große Serviceleistung zu erfüllen habe. Kein Student der TU Wien komme ohne Mathematikvorlesungen aus. Er vertritt die Ansicht, dass Forschung und Lehre zusammengehören. "Beide Seiten können voneinander profitieren. Die Lehre lebt sozusagen von der eigenen wissenschaftlichen Arbeit".
Darüber hinaus schätzte Drmota das Potential der Studienanfänger an der Fakultät für Mathematik als sehr gut ein. Er freut sich, dass es in diesem Studienjahr so viele Studienanfänger gibt. Von den 240 Erstsemestrigen "sind sehr viele gute Leute dabei", betonte er. "Als ich zu studieren begonnen habe, gab es zwischen 60 und 80 Anfänger. Das Verhältnis zwischen der Anzahl der Studierenden und der Lehrenden an der TU Wien ist ausgewogen. Deshalb genießt die Technische Mathematik einen so guten Ruf. Es gibt immer wieder hervorragende Studierende bei uns."

Bachelorstudien

Auf die Frage hin, wie er die Entwicklung an der Fakultät nach Einführung der Bachelorstudien einschätze, gab Michael Drmota an, dass er die "frühe Aufspaltung als sehr natürlich“ betrachte. "In der Versicherungsmathematik ist sie geradezu notwendig." Insgesamt gibt es an der Fakultät für Mathematik vier Bachelorstudiengänge. Die Anforderungen seien hier sehr unterschiedlich zu sehen. Professor Drmota erkennt in der neuen Flexibilität des Studiensystems einen Vorteil. Er ist überzeugt davon, dass sich die Anpassung an europaweite Regelungen nach und nach entwickeln wird und den Ruf der qualitativ hochwertigen Mathematik an der TU Wien noch verstärken wird. "Es gibt kein Problem mit diesem Studium einen Beruf ergreifen zu können. Es handelt sich hier um ein interessantes, qualitativ hochwertiges Angebot, ohne Massenbetrieb", so Drmota.