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Margrit Gelautz – Dozentin am Institut für Softwaretechnik und Interaktive Systeme

Die Expertin für Stereobildverarbeitung mit Wurzeln in Klagenfurt verleiht zweidimensionalen Bildern und Videos eine dritte Dimension und erstellt durch Kombination verschiedener Bildinhalte „mixed reality“ Szenarien. Das Ergebnis sind Anwendungen, die den ständig wachsenden Multimediamarkt bedienen sollen. Die Telematikerin ist Mutter zweier Kinder und mit einem TU-Forscher verheiratet. Privat interessiert sie sich für Reisen und fremde Kulturen.

 

Lehramtsstudium versus ForscherInnenkarriere

Die Forscherin Margrit Gelautz begann ihren Ausbildungsweg an der Universität Graz zunächst mit einem Lehramtsstudium der Fächer Mathematik, Spanisch und Sport. Während sie sich auf der Warteliste für eine Anstellung als Lehrerin befand, begann sie in das Telematikstudium „reinzuschnuppern“. „Ich habe mich dann aber so begeistert dafür, dass ich mich nach einiger Zeit entschied, als ich bereits eine Aussicht auf eine Lehrerstelle hatte, das Studium abzuschließen.“ Ihre Diplomarbeit schrieb Margrit Gelautz am Institut für Nachrichtentechnik der TU Graz zum Thema „Digitale Signalverarbeitung für Satellitenübertragungssysteme“. Im Anschluss folgte ein Doktoratsstudium. 1997 schloss sie dieses mit ihrer Dissertation, in der sie sich bereits mit ihrem derzeitigen Schwerpunkt, der Bildverarbeitung und 3D-Rekonstruktion von Bildern auseinandersetzte, ab. Gelautz: „Damals hat mein Doktorvater Franz Leberl im Zuge seiner Mitarbeit an der ‚Magellan Mission’ einen Datensatz der NASA von der Venusoberfläche bekommen. Die Zielsetzung lautete die Kartierung der Planetenoberfläche und die Erstellung eines Höhenmodells vorzunehmen. Es wurden eine Reihe von 3D Rekonstruktionstechniken angewandt und kombiniert, um aus dem vorhandenen Bildmaterial ein Maximum an Informationen herauszubekommen.“ Mit einem Max Kade-Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften war Margrit Gelautz insgesamt 2,5 Jahre an der Universität Stanford in den USA als Postdoc angestellt. Ihr Arbeitsgebiet beinhaltete die Bildverarbeitung von Radardaten zur Erzeugung von digitalen Geländemodellen aus Satellitenbildern. Im Jahr 2000 kehrte Margrit Gelautz nach Österreich zurück. Nach einer kurzen Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am K-plus Kompetenzzentrum Advanced Computer Vision (ACV) in Wien wechselte Gelautz 2001 ans Institut für Softwaretechnik und Interaktive Systeme der TU Wien, wo sie eine Stelle als Universitätsassistentin annahm. Im Jahr 2005 habilitierte sie sich im Bereich „Angewandte Informatik“.

Forschungsschwerpunkt: Stereobildverarbeitung
 
Das Forschungsgebiet unter dem Begriff „Visual Computing“ bezeichnet Gelautz als einen Forschungsschwerpunkt an der Fakultät für Informatik. Innerhalb dieser Richtung beschäftigen sich Gelautz und ihr Team wiederum mit der Bild- und Videoverarbeitung, wobei das Hauptaugenmerk hierbei auf Multimediaanwendungen liegt. Darüber hinaus spielen auch Elemente aus der Computergraphik eine Rolle. „Wir sind teilweise an der Schnittstelle zwischen Bildverarbeitung und Computergraphik angesiedelt. Das ist ein relativ neuer Trend. Die Grenzen werden hier immer fließender. Während dies früher zwei selbstständige Gebiete waren, forscht man neuerdings immer mehr im Überlappungsbereich“, so Gelautz. In einem der zahlreichen Forschungsprojekte, die derzeit am Institut laufen, geht es um die wissenschaftliche Weiterentwicklung der Stereobildverarbeitung. Mit einer Stereokamera werden Szenen aus unterschiedlichen Blickwinkeln aufgenommen. Aus den Bildern möchte man dann räumliche Informationen rekonstruieren und ein dreidimensionales Modell gewinnen. „In diesem FWF-Projekt geht es um die Entwicklung von immer genaueren und schnelleren Algorithmen, wofür die Gruppe kürzlich auch einen ‚Best-Paper-Award’ bekam“, erläutert Gelautz. In einem weiteren Projekt, das von der Firma Microsoft durch ein Stipendium unterstützt wird, geht es darum, die Extraktion von Objekten in Bildern und Videos möglichst ohne Unterstützung der Benutzer durchzuführen. Am Beispiel eines Urlaubsvideos würde das so aussehen, dass man eine Person aus einem störenden Hintergrund herauslöst. Gelautz: „Hier ist es wichtig, dass das Objekt möglichst sauber vom Hintergrund getrennt werden kann, sodass nach Kombination mit anderen Bildinhalten das gesamte Bild realistisch wirkt. Besonders in Bereichen mit feinen Strukturen, wie zum Beispiel Haare, ist es derzeit noch schwierig, die Extraktion präzis durchzuführen. Waren solche Fragestellungen in der Vergangenheit vor allem bei professionellen Anwendungen relevant, wird in Zukunft immer mehr der Markt für Heimanwender wichtig, um die steigende Zahl von digitalen Inhalten (Videos, Digitalfotos) sinnvoll bearbeiten zu können. Mit der gängigen Software kann man solche Problemstellungen, wie das Kombinieren von verschiedenen Inhalten aus mehreren Fotos oder Videos, momentan nur mit großem Zeitaufwand lösen. Hier sollen unsere Algorithmen weiterhelfen.“

Vielfalt an der Fakultät für Informatik

Ein Punkt, den Margrit Gelautz in Bezug auf die Lehre betont, ist, dass es ihr am Herzen liege Studierende in einem frühen Grad des Masterstudiums bereits an wissenschaftliches Arbeiten heranführen zu wollen. „Wir achten in unseren Seminaren darauf, dass wirklich eine wissenschaftliche Vorgangsweise gelehrt wird. Umgekehrt hoffen wir auch, dass wir interessierte StudentInnen als zukünftige MitarbeiterInnen gewinnen können“, sagt Gelautz. DiplomandInnen und AbsolventInnen werden aber auch in der Zusammenarbeit mit der Industrie unterstützt. Zuletzt bekamen wir mehrere Angebote für Diplomarbeiten von Firmen, die im hardwarenahen Bereich anzusiedeln sind. Hier herrsche, so Gelautz, momentan ein großer Bedarf an StudentInnen. Die TU Wien und insbesondere die Fakultät für Informatik schätzt Gelautz aufgrund ihrer Vielseitigkeit sehr. „Die TU Wien hat international einen sehr guten Ruf und das Fach der Informatik ist hier sehr breit vertreten. Wir haben Institute, die sich mit den Grundlagen in der Informatik beschäftigen bis hin zu sehr anwendungsorientierten Gebieten. Diese Breite ist in Österreich sicherlich einmalig.“

Forscherehepaar an der TU Wien


Als persönlichsten Kontakt an der TU Wien nennt Margrit Gelautz ihren Mann und Forscherkollegen Jürgen Stampfl, Dozent am Institut für Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnologie. „Mein Mann und ich hatten das große Glück, unsere Wanderjahre von Graz über die USA (Stanford) nach Wien gemeinsam zu gehen. Wir hatten beide Stipendien, von der Akademie und vom FWF, und waren zur selben Zeit in Stanford. Dann wechselten wir zur selben Zeit wieder nach Wien zurück. In den USA ist auch unsere Tochter zur Welt gekommen. Es ist wirklich ein großes Glück, wenn man Berufs- und Privatleben so gut vereinbaren kann“, erzählt Gelautz. Die gebürtige Klagenfurterin ist Mutter zweier Kinder (6 und 8 Jahre alt) und interessiert sich neben Beruf und Familie für Reisen, Sprachen und fremde Kulturen.
An der TU Wien möchte sie auch in Zukunft viele Forschungsprojekte „an Land ziehen“ und ist dabei sehr froh über die Unterstützung und Information bei der Abwicklung von Verträgen seitens des Außeninstitutes. „Es ist sehr wichtig, dass man hier von der TU Wien Rückendeckung bekommt und vom Erfahrungsschatz anderer profitieren kann“, betont Gelautz.