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Karl Riedling: ein Nachruf

Die Technische Universität Wien und das Institut für Sensor- und Aktuatorsysteme trauern um Ao. Univ.Prof. i.R. Dipl.-Ing. Dr.techn. Karl Riedling, der am 2. Juli 2020 in Wien verstorben ist.

Porträtfoto von Karl Riedling

© Thomas Blazina

Karl Riedling (1948 – 2020)

Karl Riedling (1948 – 2020)

Karl Riedling wurde am 2. Februar 1948 in Wien geboren. Er maturierte 1966 mit ausgezeichnetem Erfolg und absolvierte das Studium der Nachrichtentechnik an der Technischen Universität Wien. Im Jahr 1972 legte er die 2. Staatsprüfung mit Auszeichnung ab und graduierte zum Diplomingenieur. Danach nahm er eine Stelle als Assistent am Institut für Allgemeine Elektrotechnik der TH Wien an, wo er seine Dissertation „Technologie legierter Planardioden aus Indiumantimonid“ ausarbeitete und zum Doktor der technischen Wissenschaften mit Auszeichnung promovierte.

Ab 1972 engagierte sich Karl Riedling in enger Kooperation mit Prof. Wolfgang Fallmann am Institut für Allgemeine Elektrotechnik der TH Wien für den Aufbau des ersten Halbleiter-Technologielabors in Österreich, welches durch die österreichische Nationalbank und zwei Forschungsschwerpunkte des FWF gefördert wurde. Die Arbeitsschwerpunkte von Karl Riedling waren die Technologie von Planardioden aus Indiumantimonid und die Ellipsometrie als berührungsloses optisches Analyseverfahren in der Mikroelektronik-Technologie. Im Jahr 1987 habilitierte er sich für das Fachgebiet „Technologie elektronischer Bauelemente“ mit der Habilitationsschrift „Contributions to the Improvement of Processes in the Technology of Microelectronic Devices“. Von 1997 bis 2003 hielt er die Hauptvorlesung „Modellbildung“, die er von Prof. Fritz Paschke übernommen hatte. Weitere Schwerpunkte seiner Lehrtätigkeit lagen im Bereich von Web-Datenbanken, objektorientierte Programmierung und Sensorik.

Karl Riedling arbeitete 1980/81 ein Jahr lang als Postdoc bei IBM in East Fishkill, New York und war 1984 bis 1987 mit Unterbrechungen insgesamt ein weiteres Jahr an der Arizona  State University in Tempe, Arizona tätig. Bei diesen USA-Aufenthalten leistete er wertvolle Beiträge zur Automatisierung von Czochralski-Kristallziehprozessen für die Herstellung von Einkristallen aus Silizium bzw. Galliumarsenid.

Im Jahr 1990 wurde er zum Generalsekretär der Gesellschaft für Mikro- und Nanoelektronik bestellt. In dieser Funktion engagierte er sich für die Mikrostruktur-Hochtechnologielabors an der TU Wien und J.K. Universität Linz. Im Jahr 2011 wurde Karl Riedling auch zum Geschäftsführer der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft bestellt. Durch sein außerordentliches Organisationstalent war er ein sehr gefragter Manager für zahlreiche wissenschaftliche Veranstaltungen sowie für Berufungskommissionen der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik.

Im Jahr 1999 wurde Karl Riedling vom Dekan Prof. Siegfried Selberherr mit der Entwicklung einer Publikationsdatenbank zur Erfassung der Publikationsleistungen der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik beauftragt. Ab 2002 wurde die Publikationsdatenbank auch TU Wien-weit eingeführt und darüber hinaus dem Austrian Institute of Technology verfügbar gemacht. Die Datenbank ist zu einem unerlässlichen Instrument für den Nachweis der wissenschaftlichen Leistungen geworden.

Im Jahr 2013 hat die Technische Universität Karl Riedling für sein Lebenswerk, insbesondere für seine hervorragenden Verdienste um die Technische Universität Wien durch die Schaffung und kontinuierliche Betreuung ihrer Publikationsdatenbank, die Würde eines Ehrenbürgers der TU Wien verliehen.

Am 1. Oktober 2013 wurde Karl Riedling in den Ruhestand versetzt. Er hat aber weiterhin die Publikationsdatenbank betreut, Lehrveranstaltungen abgehalten und die Aktivitäten für die GMe und ÖPG weitergeführt.

Trotz der großen Arbeitsbelastung fand Karl Riedling noch Zeit für sein liebstes Hobby, die Fotographie. Die Anzahl seiner Digitalaufnahmen füllt eine beachtliche Datenbank, die natürlich von ihm selbst entwickelt wurde. Viele weitere Interessen, z.B. das Wandern, alte Kirchen und Klöster sowie Orchideen teilte Karl Riedling mit seiner lieben Ehefrau Mag. Dr. Eveline Riedling.

Mit Prof. Karl Riedling verliert die Technische Universität Wien einen sehr profilierten Lehrer und Wissenschaftler und das Institut für Sensor- und Aktuatorsysteme einen lieben Kollegen mit hohen menschlichen Qualitäten. Unser Mitgefühl gilt besonders seiner Gattin und den Angehörigen.