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Grundlagenforschung gegen Corona

Vier neue Corona-Forschungsprojekte werden vom Wissenschaftsfonds FWF mit insgesamt 1,5 Millionen Euro finanziert. Am Center for Labelling and Isotope Production (CLIP) der TU Wien wird ein Verfahren mitentwickelt, das die Rolle von Blutdruck-Medikamenten in Zusammenhang mit COVID-19 untersucht.

Das Team beim Fototermin im Freien mit genügend Sicherheitsabstand zueinander.

© Luiza Puiu | FWF

Von rechts: Der Chemiker Christoph Denk (Technische Universität Wien) und der Pharmazeut Oliver Langer (Projektleiter, Medizinische Universität Wien) entwickeln zusammen mit Thomas Wanek (AIT – Austrian Institute of Technology) ein neues...

Von rechts: Der Chemiker Christoph Denk (Technische Universität Wien) und der Pharmazeut Oliver Langer (Projektleiter, Medizinische Universität Wien) entwickeln zusammen mit Thomas Wanek (AIT – Austrian Institute of Technology) ein neues Verfahren, um die Rolle von Blutdruck-Medikamenten bei COVID-19-Patient_innen erforschen zu können.

Nie zuvor wurde zu einem Thema so schnell und so viel geforscht wie zum Coronavirus. „Obwohl derzeit so viel und so rasch wie noch nie zu einem Thema geforscht wird, bestehen deutliche Wissenslücken in unterschiedlichen Forschungsfeldern. Die neu bewilligten Projekte überzeugen durch ihre wissenschaftliche Exzellenz und helfen somit, diese Lücken zu schließen“, betont FWF-Präsident Klement Tockner. Um die Datenlage und den Wissensstand weiter zu verbessern, investiert der Wissenschaftsfonds FWF 1,5 Millionen Euro.

Die Rolle von Blutdruck-Medikamenten bei COVID-19

Eines der Projekte, das sich in der internationalen Begutachtung aufgrund der exzellenten Qualität durchsetzen konnte, ist eine Kooperation der Medizinischen Universität Wien, der TU Wien und des Austrian Institute of Technology (AIT). Untersucht wird die Frage, ob Personen, die Blutdrucksenker einnehmen, einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt sind.

Seit Beginn der Pandemie versuchen Forschende, mit unterschiedlichen Ansätzen Sicherheit über diesen Einfluss von Blutdrucksenkern auf das sogenannte Angiotensin-konvertierende Enzym 2 (ACE2) zu gewinnen – bis heute leider ohne Erfolg.

Mit der FWF-Akutförderung von 360.000 Euro entwickelt nun TUW-Chemiker Christoph Denk gemeinsam mit Projektleiter Oliver Langer (Medizinische Universität Wien) und Thomas Wanek (Austrian Institute of Technology) ein neues Verfahren: Eine radioaktiv markierte Substanz soll die Dichte von ACE2 im Lungengewebe mittels Positronen-Emissions-Tomografie (PET) feststellen, um so den Einfluss von Blutdrucksenkern besser analysieren zu können. Das Verfahren und die Erkenntnisse, die sich daraus gewinnen lassen, sollen einen erheblichen Beitrag zur Entwicklung neuer Medikamente gegen COVID-19 leisten.

ACE2-Enzym als Angriffsfläche?

Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System spielt eine bedeutende Rolle bei Bluthochdruck sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Das beteiligte Enzym ACE2 macht es dem Coronavirus möglich, in die Zelle einzudringen und den ersten Schritt einer viralen Infektion zu setzen. Personen, die blutdrucksenkende Arzneistoffe (ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptor-Blocker) einnehmen, haben deshalb möglicherweise ein höheres SARS-CoV-2 Infektionsrisiko. Denn: diese Medikamente sollen dazu führen, dass verstärkt ACE2-Rezeptoren gebildet werden, und somit besonders viele Eintrittspforten für den Virus, so die Vermutung.

„Durch die Entwicklung eines selektiven PET-Tracers für ACE2 kann nicht-invasiv die Konzentration von ACE2 direkt in der Lunge und in anderen Organen des Körpers gemessen werden. Neben der Beantwortung der aktuellen Fragestellung kann diese molekulare Sonde zukünftig auch für weitere SARS-CoV-2 relevante Forschung wertvolle Beiträge liefern“, sagt Christoph Denk.

Geballte Kompetenz im TRIGA Center

Erst mit Anfang Juni wurden das TRIGA Center Atominstitut der TU Wien als neuer Dienstleistungs- und Forschungsbereich des Ressorts Forschung und Innovation etabliert. Die zwei Fachbereiche sind der Triga-Reaktor und das Center for Labelling and Isotope Production (CLIP).

Hier und am AIT setzt Dr. Christoph Denk (radio)chemische Arbeiten für das Corona-Forschungsprojekt um. Der Labelling-Experte wird Experimente bis hin zum präklinischen Imaging am AIT durchführen. Möglich ist dies durch die spezielle Ausstattung und Zulassung der Räume, die vielfältige Arbeiten im Bereich Radiochemie möglich machen. Ein weiterer Ausbau des Portfolios im Bereich der organischen und anorganischen Radiochemie am CLIP ist geplant.

Kontakt

Dr. Christoph Denk
Center for Labelling and Isotope Production (CLIP)
Technische Universität Wien
T +43 1 58801 141353
christoph.denk@tuwien.ac.at