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Gestern am Rand, heute im Zentrum

Neue europäische Transportnetze koppeln ehemals abgelegene Regionen eng an die Ballungszentren. Das Projekt POLY5 untersuchte Auswirkungen und mögliche Probleme.

Ein vereintes Europa braucht große, gemeinsame Infrastrukturprojekte. „Trans-European-Networks“ sollen die Region Europas einander näherbringen – durch bessere Autostraßen, neue Bahnstrecken, Flugverbindungen oder durch verbesserte Telekommunikation. Doch Infrastrukturprojekte ohne lokale oder regionale Erdung, sei es in der Planungs-, Bau oder Betriebsphase, stoßen oft auf Unverständnis oder Ablehnung in der Bevölkerung, selbst wenn sie gesamteuropäisch betrachtet sinnvoll sind.

Das Department für Raumplanung der TU Wien gemeinsam mit der TU München und Udine waren Teil des Forschungsnetzwerks „POLY5“, in dem die planungswissenschaftlichen Zusammenhänge zwischen transnationaler Infrastrukturplanung und ihren lokalen und regionalen Auswirkungen untersucht wurden. Am 23. September findet an der TU Wien die Schlusskonferenz des Projektes statt.

Chance oder Bedrohung?
Eine neue hochrangige Verkehrsverbindung kann eine Region drastisch verändern. Sie kann einerseits Lärm und Abgase bringen, sie kann andererseits durch Anbindung an Ballungszentren die Lebensqualität und die Jobaussichten verbessern. Sie kann einen dramatischen Einfluss auf die Grundstückspreise haben, sie kann im Lauf der Jahre die soziale Struktur einer Region völlig verändern.

„Eine Region einfach mit einem großen Verkehrsprojekt zu konfrontieren, ohne von Anfang an die direkte Kommunikation zu suchen, ohne den Leuten klarzumachen, was sich für sie verändern wird und wie sie davon profitieren können, ist ein großer Fehler“, erklärt Andreas Dillinger vom Department für Raumplanung der TU Wien. Im POLY5-Projekt wurde eine Reihe von Infrastrukturprojekten im Alpenraum raumplanerisch begleitet. Die Instrumente, die dafür entwickelt wurden und die daraus gewonnenen Erfahrungen sollen in Zukunft auch anderen ähnlichen Projekten zugutekommen.



Der wissenschaftliche Blick aufs Ganze
„Bei der Planung transeuropäischer Verbindungen geht es nicht nur darum, die kostengünstigste, kürzeste Verbindung zwischen Metropolen zu finden“, betont Andreas Dillinger. Viele oft politisch heikle Themen müssen berücksichtigt werden: Gibt es ökologisch sensible Gebiete, auf die besonders Rücksicht genommen werden muss? Wie wirkt sich der Bau auf die lokale Wirtschaft aus? Was bedeutet das für den Tourismus? „Die Verwaltung hat es schwer, all diese Themen gesamtheitlich zu betrachten, weil sie nun einmal in unterschiedliche thematische Bereiche aufgeteilt ist. Daher braucht man die Raumplanung, die den transdisziplinären Blick für das Gesamtsystem erarbeitet“, sagt Dillinger.

Das Forschungsteam ist überzeugt: Wenn man Vor- und Nachteile transparent aufbereitet und wenn man rechtzeitig den Dialog mit den betroffenen Regionen und Gemeinden sucht, dann sind große Infrastrukturprojekte besser durchsetzbar. So hat etwa die kommunale und regionale Politik ausreichend Zeit, über mögliche neue Unternehmensansiedelungen nachzudenken, die lokale Wirtschaft kann die neuen Chancen nutzen, anstatt überrumpelt zu werden und in Bedrängnis zu kommen.

Abschlusskonferenz

Die POLY5-Projektpartner aus Italien, Frankreich, Slowenien, Deutschland und Österreich treffen am 23. September 2014 an der TU Wien zur Abschlusskonferenz zusammen um zu diskutieren, wie sich die lokale und regionale Wettbewerbsfähigkeit in der Alpenregion durch hochrangige europäische Transportwege nachhaltig verbessern lässt.

Nähere Information:
Dr. Andreas Dillinger
Department für Raumplanung
Technische Universität Wien
Operngasse 11, 1040 Wien
T: +43-1-58801-280713
andreas.dillinger@tuwien.ac.at