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Gerti Kappel seit Oktober Professorin für Wirtschaftsinformatik

Wechsel von der Uni Linz an die TU als Impuls für die Wirtschaftsinformatik.

Gerti Kappel

Gerti Kappel. "Mich lockt das Ungetane. Und zum Sterben bleibt noch soviel Zeit. Die Sattheit, die man uns verspricht bezahl´n wir nur mit Einsamkeit." <i>Konstantin Wecker</i>

Gerti Kappels letzte Arbeitsanschrift lautet: Universität Linz, Institut für Angewandte Informatik, Abteilung für Informationssysteme. Per 1. Oktober 2001 ist die 41jährige dem Ruf der TU Wien gefolgt und in ihre Geburtsstadt zurückkehrt. Kappel hat eine Professur für Wirtschaftsinformatik am Institut für Softwaretechnik und Interaktive Systeme angenommen.

Stichwort Wirtschaftsinformatik

Kappel selbst sieht den Ruf als Impuls für die Wirtschaftsinformatik an der TU. Den Schulenstreit, ob es sich bei Wirtschaftsinformatik um Ökonomie mit Informatikbackground oder um Informatik mit Betriebs- und Volkswirtschafts-Know-How handle, beurteilt sie pragmatisch: solide Informatikgrundlage mit dem Focus auf ökonomische Anwendungen lautet ihr Credo. Im übrigen wendet sie sich gegen Schrebergartenmentalität. Informatik und informatiknahe Fächer sollen sich nicht auseinanderdividieren (lassen). Als wichtiges Signal in diese Richtung sieht sie den "Informatikausbauplan", der im Juni von Arbeitskreis Pro-IT der Österreichischen Computer-Gesellschaft (OCG) beschlossen wurde. Der heimische Arbeitsmarkt frage Anwendungs-Know-How im IT-Bereich nach. Da mittelfristig wohl kaum ein breitenwirksames neues Betriebssystem oder ähnlich Revolutinäres in der Alpenrepublik entstünde, scheint der Schwerpunkt bei anwendungsnahen Entwicklungen opportun.

Stichwort Studium

Informatik und Wirtschaftsinformatik zeichnen für 29 Prozent der TU-StudentInnen verantwortlich (vgl. die Inskriptionsstatistik ). Bei den Neuzulassungen im Sommersemester 2001 waren es sogar 37%. Kappel wertet ihre Professur als Zeichen dafür, dass die TU den Stellenwert dieser Studien erkannt hat. Sie will auch aktiv für ein produktives Miteinander aller Informatikfächer am Standort Wien (TU, WU und Uni Wien) eintreten. Die Einführung des Bakkalaureats scheint Kappel, bei Würdigung aller bildungs- und wissenschaftspolitischen Einwände, angebracht. Wider den "Job-Out" müsse der Weg zum ersten akademischen Abschluss verkürzt werden. Zwar seien gutbezahlte StudienabbrecherInnen nicht individuell unglücklich, doch aber in der politischen Argumentation gegen die Unis instrumentalisierbar und volkswirtschaftlich bedenklich. Als Nachteile von IT-Fachhochschulstudiengängen gegenüber Uni-Studien führt Kappel vor allem Verschulung und mangelnde Internationalisierung ins Treffen.

Stichwort Universität

Angesprochen auf die aktuelle Reformdiskussion (Stichwort: "Vollrechtsfähigkeit") gesteht Kappel zu, dass die Universitäten zwar reformbedürftig seien, allerdings möchte sie kein bedingungsloses Primat privatwirtschaftlicher Prämissen für Lehre und Forschung akzeptieren. Volkswirtschaftlich und gesellschaftliche Interessen müssen ebenso berücksichtig werden wie Kostenwahrheit und Wettbewerbsfähigkeit. Österreich wäre zu klein, um auf eine "Marktbereinigung" über den ungezügelten Wettbewerb der Universitäten zu erzielen.

Zur Person

Wissenschaft ist für Kappel eine Mischung aus Masochismus und Egoismus. Sie bezeichnet sich selbst als ehrgeizig und impulsiv. Stellvertretend für ihre Einstellung können zwei Liedtitel stehen: "A Mensch mecht i bleib´n" (W. Ambros) und "Wer nicht genießt, ist ungenießbar" (K. Wecker). Wiewohl sie sich bewußt ist, mit der TU in eine Männerdomäne zurückzukehren, möchte sie doch primär als Mensch wahrgenommen werden. An der TU will sie nach acht erfolgreichen Jahren in Linz nochmals die persönliche und wissenschaftliche Herausforderung suchen.

Vita

Die Affinität zur Informatik begann unmittelbar nach der Matura 1978, als Kappel eine einjährige Programmierausbildung absolvierte. Es folgten Studien der Betriebsinformatik mit Magisterium (Uni Wien, 1983) und der Informatik mit der Sponsion zur Dipl.-Ing. (TU Wien, 1984). Die Promotion mit Auszeichnung folgte 1987 an der TU Wien.

Die akademische Laufbahn startete 1984 mit einer Assistenz am "Bruckmann-Institut" der Uni Wien. Nach einem 2jährigen Forschungsaufenthalt in Genf folgten im Wintersemester 92/93 eine Gastprofessur an der TU Prag und der Ruf sowohl an die Uni Zürich als auch an die Uni Linz. Letzterem folgte Kappel und war ab Oktober 1993 Ordinaria für Informationssysteme an der Linzer Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät.

Kappels Arbeitsschwerpunkte sind aktive, webbasierte und objektorientierte Informationssysteme sowie deren Anwendung im Workflowmanagement und E-Commerce. In ihrem Curriculum finden sich 16 drittmittelfinanzierte Projekte sowie zahlreiche Verweise auf eine rege Vortrags- und Publikationstätigkeit (vgl. Kappels Homepage ). "Nebenbei" läßt Kappel als Consulentin auch so renommierte Firmen wie Siemens und Ploenzke an ihrem Wissen teilhaben oder hilft schon einmal dem Staff der ETH Lausanne bei der Fortbildung.

Mutterfreuden

Während des ersten Halbjahres 2002 wird sich Kappel um ihren Nachwuchs kümmern, der ins Haus steht. Für diesen Zeitraum wird eine Vertretung aufgenommen (Ausschreibung folgt).