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Freiwillig Schlange stehen?

Wenn schon schlangestehen, dann wenigstens im Dienste der Wissenschaft! Die Möglichkeit zur Mitwirkung an einem wissenschaftlichen Versuch erhalten alle motivierten ProbandInnen am Montag, 8.10. 2007.

Warteschlange!

Warteschlange!

Warteschlange!

Warteschlange!

Ab 10.00 Uhr wird am TU-Gelände am Getreidemarkt dem Phänomen der Warteschlange erstmals wissenschaftlich auf den Grund gegangen. Um die Theorien von Professor Breitenecker (Institut für Analysis und Scientific Computing) live zu testen, braucht es natürlich eine große Zahl an Mitwirkenden.
All diejenigen die mithelfen möchten die Geheimnisse der gefürchteten Ansammlungen vor Supermarktkassen etc. zu lüften, sollten sich also Montag Vormittag auf den Weg zum Getreidemarkt machen. Bei großem Andrang (der Feldversuch wird auch mitgedreht) stellen Sie sich bitte hinten an.



Hier noch einige Hintergrundinformationen vom Initiator:
"Der Tag des Schlangestehens"
In Peking wird nicht mehr gespuckt, geflucht und vor allem es wird nicht mehr gedrängelt.
Olympia – oder besser die besorgte chinesische Regierung - verlangt neue Umgangsformen, und so wurde auch der Tag des Schlangestehens eingeführt. Er soll zur Übung dienen und findet in Peking seit Februar an jedem 11. Tag im Monat statt: Die Einser symbolisieren zwei hintereinander stehende Menschen.
In U-Bahn-Stationen, an Bushaltestellen oder Einkaufszentren wird hintereinander stehen geübt. Denn die Leute sollen, wenn Besuch aus aller Welt kommt, nicht drängeln, Menschenhaufen bilden oder Schalter umlagern.

Doch wie ist es in Europa?
Auch hier: Jedes Land hat ganz unterschiedliche Kulturen: Vom English Queuing  bis zum mediteranen Ehrgeiz die Anderen durch Parallelschlangen zu überlisten gibt es jede Spielart. Nicht einmal hier kann sich die EU auf ein Maß einigen. Zeit also das Ganze wissenschaftlich zu untersuchen: Wo liegen die Gründe für unterschiedliches Warten? Gibt es die optimale Schlange? Und was ist ein Stopfkunde?

"Die Warteschlange" - wissenschaftlich betrachtet
Wir wollen uns - zum Semesterbeginn an den österreichischen Unis - die Sache mal wissenschaftlich ansehen. Kann man auch Warteschlangen erforschen? Sehr wohl . Und zwar je nach Blickwinkel und Universität anders....
Rein technisch gesehen kann man die optimale Schlange definieren:
In einer langen Schlange warten ist – im Schnitt gesehen – effizienter, als für mehrere Schalter parallel anzustehen: der Einzelne kommt aber möglicherweise beim guten, alten „schalterweise“ Warten schneller voran.  Die deutsche Post hat vor kurzem die Warteschlangen auf das „Einschlangensystem“ umgestellt – die Wirtschaftlichkeit hat hier gesiegt: zu groß sei die Gefahr, dass ein „Stopfkunde“, also jemand der besonders lange braucht, zu Ungerechtigkeiten führt.
Doch auch psychologische Faktoren zählen: Wenn die Schlange zu lang ist sinkt die Lust anzustehen. Bei Ämtern kein Problem – da muss man ja, doch im Geschäftsleben investieren Firmen Zeit und Geld um das Warten nach kapitalistischen Grundsätzen zu optimieren.

Wir sehen uns im praktischen Versuch an der TU Wien verschiedene Methoden und Strategien beim Schlange stehen an, simulieren  Taktiken und  befragen ExpertInnen der verschiedenen Forschungsrichtungen.

Doch egal was PsychologInnen, Business-ExpertInnen oder MathematikerInnen sagen: Wohl kein Engländer würde sein Queuing gegen kontinantaleuropäische Sitten eintauschen, und auch umgekehrt wird wohl eine europäische Warteschlangenverfassung noch länger auf sich warten lassen - Forschung tut also dringend Not! Und so sind auch die Erfolge des Pekinger „Tages des Schlangesstehens“ nur bescheiden. Kein Wunder: das Jahr der Schlange ist laut chinesischem Horoskop ja erst wieder 2013.