News

Frauenförderung an der TU Wien nun auch "offiziell"

Der vom Gesetz (UG 2002) her vorgeschriebenen Verpflichtung zur Einrichtung einer Organisationseinheit, die sich mit Frauenförderung und Gender Studies beschäftigt, kommt die TU Wien seit 1. Jänner 2005 nach.

Mit Dr. Brigitte Ratzer erhält die Koordinationsstelle für Frauenförderung und Gender Studies eine TU-erfahrene Leiterin. Sie ist Absolventin der Studienrichtung Technische Chemie, ehemalige Frauenreferentin und Vorsitzende der HochschülerInnenschaft und war zuletzt als Assistentin am Institut für Technik und Gesellschaft. Brigitte Ratzer hat sich in den letzten Jahren mit Fragen zu Techniksoziologie und Technikfolgenabschätzung, insbesondere auch dem Themenbereich Frauen und Technik (wahlweise: feministische Technikforschung) beschäftigt.

 

Seit 1. Jänner 2005 aus der Karenz zurückgekehrt setzt sie sich in den nächsten Jahren für Frauenförderung ein. "Die TU selbst hat einen ambitionierten Frauenförderungsplan beschlossen. ?Meine Aufgabe wird es nun sein, mit geeigneten Programmen die Umsetzung der Absichten zu unterstützen", erklärt Brigitte Ratzer ihr vordringlichstes Ziel.

 

Auf weibliche Spezifika fokussieren

 

Frauenförderung möchte Brigitte Ratzer an der TU Wien unter anderem mit eigenen Coaching-Programmen für Wissenschafterinnen betreiben. Umfassende Personalentwicklungsmaßnahmen wie z. B. Karriereplanung, Projektmanagement, Zeitmanagement,..., will sie auf die weibliche "Eigenart" fokussieren.

 

Nachgefragt, warum sie das möchte, antwortet Ratzer: "Als weibliche ?Eigenart' sehe ich beispielsweise, dass sich Frauen nur sehr zurückhaltend dazu bekennen, Karriere machen zu wollen. So habe ich auch bemerkt, dass sich viele Studentinnen erst sehr spät in ihrem Studium entscheiden, was sie nach ihrem Studienabschluss machen wollen. Eine Karriere muss jedoch schon sehr bald geplant werden, damit die eigenen Ziele und Wünsche erreicht werden können."

 

Meinungsbildung im Haus

 

Das viel zitierte ?Gender main-streaming? will auch Brigitte Ratzer betreiben. Gender main-streaming definiert sie dabei so: "Leute, die an entscheidenden Stellen sitzen sollen einen zusätzlichen Blickwinkel für frauenspezifische Themen und Anliegen gewinnen und dadurch für geschlechtsspezifische Unterschiede - abgesehen von der physischen Beschaffenheit - sensibilisiert werden."

 

Ein gemeinsames Mentoring-Programm mit dem Wissenschafterinnenkolleg Internettechnologien (WIT), dem Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen (AKG) an der TU Wien und TUcareer könnte einen wichtigen Beitrag dazu liefern. Erste Vorgespräche dazu finden im April statt.

 

Brigitte Ratzer über Gender Studies - Sinn, Zweck und Wert

 

Fast jede/r spricht davon, doch nicht jede/r weiß, was Gender Studies sind und wozu man sie überhaupt braucht. Brigitte Ratzer erklärt dazu ausführlich: "Es geht ganz prinzipiell um die Erforschung von Frauen in Naturwissenschaften und Technik. Ausgehend von der Biografieforschung, bei der beispielsweise untersucht wird, warum nur sehr wenig Frauen in diesem Bereich tätig sind und warum Frauen, die sich in den Naturwissenschaften zwar etabliert und teilweise sogar Weltruhm erlangt haben, wieder von der Bildfläche verschwinden, werden in einem zweiten Schritt die Umstände unter die Lupe genommen, an denen es liegt, dass so wenig Frauen Gefallen daran finden, naturwissenschaftlich zu forschen." Brigitte Ratzer nennt die "Gläserne Decke", Sozialisierung und speziell den familiären Hintergrund als wesentliche Einflussfaktoren.

 

Die Frage, ob es Muster gäbe, die bei erfolgreichen Frauen in Naturwissenschaften und Technik tätig sind, bejaht Ratzer. "Sind keine Brüder in der Familie, wirkt der Vater fördernd, ist die Mutter berufstätig und hat die Frau einen Mentor, sind das die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Karriere."

 

Sehr häufig geht es bei den Gender Studies in den Ingenieurwissenschaften aber um die Fragestellung nach dem Produkt. Hier geht es um das Aufzeigen von Ideen, Gedanken und Prozessen, die in ein Produkt geflossen sind, ohne dass dabei jemand an die Bedürfnisse von Frauen gedacht hat. Als Beispiele seien die Medizintechnik genannt (z. B. sollte die unterschiedliche Beschaffenheit von Knochen bei Frauen und Männern bei der Entwicklung von Nägeln für komplizierte Knochenbrüche berücksichtigt werden), Wegzeitenplanung (z. B. sind manche Wegstrecken für Frauen mit Kinderwägen nicht zu bewältigen), öffentliche Verkehrsmittel, Autos (was macht ein Auto zu einem "Frauenauto"?) und die Gestaltung von Arbeitsplätzen (z. B. die Software-Entwicklung für Computerarbeitsplätze).

 

Brigitte Ratzer betont zum Punkt der Gender Studies, dass der Gender-Aspekt nicht überall krampfhaft zu suchen oder finden sei, so z. B. in der Grundlagenforschung.

 

Gender Studies in der TU Wien-Realität

 

Brigitte Ratzer bedauert, dass es derzeit an der TU Wien keine eigene Professur für Gender Studies gibt, freut sich aber darüber, dass in personifizierter Form Gender Studies-Expertise etwa durch Ina Wagner, Sabine Pollak und Dörte Kuhlmann vorhanden ist. In den beiden Bereichen Architektur und Informatik ortet sie keinen Handlungsbedarf, "den anderen Fachbereichen muss man sicherlich unter die Arme greifen." Ihre Aufgabe sieht sie in Sachen Gender Studies in der Unterstützung und Beratung inhaltlicher Projekte, bis die gewünschte Professur vorhanden sei.

 

Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen - Koordinationsstelle für Frauenförderung und Gender Studies

 

Was unterscheidet nun den Tätigkeitsbereich der Koordinationsstelle für Frauenförderung Gender Studies und jenem des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen? "Immer dann, wenn es an der TU Wien um frauenspezifische Personalentwicklung im wissenschaftlichen Bereich, den inhaltlichen Bereich von Gender Studies und Mentoring geht, bin ich die richtige Anlaufstelle", erklärt Brigitte Ratzer zusammenfassend ihre Aufgaben.

 

Mit dem Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen gibt es für Ratzer viele Berührungspunkte, er decke jedoch andere Themengebiete ab wie Bewerbungs,- Einstellungs- und Habilitations-Verfahren genau so ab wie die Fragen der Entlohnung. Wenn es beispielsweise um die gleiche Entlohnung von Frauen und Männern für gleiche geleistete Arbeit geht.

 

Wer Brigitte Ratzer persönlich oder via mail oder Telefon kontaktieren möchte, kann sie unter folgender Adresse erreichen:

Koordinationsstelle für Frauenförderung und Gender Studies

Technische Universität Wien

Argentinierstraße 8, 1040 Wien

T: +43-1-58801-43400

E-Mail: brigitte.ratzer@tuwien.ac.at