News

Forum TU Vision 2025+: Ethics in/and Technology

Prof. Jeroen van den Hoven von der TU Delft über Ethik als Innovationsmotor.

Prof. Jeroen van den Hoven

Prof. Jeroen van den Hoven

"Philosophen, die bei einer Flasche Wein über gesellschaftliche Problemlösungen diskutieren und Ingenieure, die tatsächlich an den technischen Umsetzungen tüfteln, können durch Ethik zusammengebracht werden." So eröffnete Prof. Jeroen van den Hoven am  5. Juni 2018 am Campus Gußhausstraße eine spannende Diskussion rund um die Themen Ethik und Technologie.

Für van den Hoven wird Ethik immer mehr zu einem nützlichen Instrument für das Zusammenwachsen der unterschiedlichen Disziplinen und Herangehensweisen. "Ich sehe hier ganz klar Veränderungen in diese Richtung." An der TU Delft arbeiten bereits etwa rund 30 Philosph_innen. Wie ließe sich diese Entwicklung auch an der TU Wien begünstigen? Neu gedachte Projekt-Förderanträge wären da eine Möglichkeit, so van den Hoven. Forscher_innen sollten schon in der Konzeption dazu gebracht werden, sich selbst mit ihren Ideen und deren möglichen Konsequenzen auseinanderzusetzen. Das kann etwa bei der Antragstellung im Rahmen von verpflichtenden Essays geschehen.

Technik von Menschen für Menschen

Gesellschaftliche Werte, Verbesserungen und Nutzen für die Menschheit – das alles sind ethische Aspekte, die technologische Entwicklungen anregen und somit zum Innovationsmotor werden. Daraus ergeben sich Technologien, die mehrere Funktionen erfüllen und so auf einen Schlag gleich mehrere Probleme lösen können. Van den Hoven nennt hier als Beispiel den Afsluitdijk in den Niederlanden. Das Bauwerk ist Verkehrsweg, Schutz vor Überschwemmungen und Umweltmanagement durch Salz- und Süßwasser-Regulierung in einem.

Der Anspruch, möglichst viele moralische Aspekte zu berücksichtigen, kann mitunter auch Widersprüche auslösen und manchmal sogar "überladend" sein. Der Wunsch nach mehr Sicherheit durch Überwachung auf der einen und der Schutz der Privatsphäre auf der anderen Seite scheinen zunächst als unvereinbares Dilemma. Durch den Willen zu Innovationen und einen umfassenden technisch-ethischen Designprozess können aber auch hier befriedigende Lösungen für beide Seiten gefunden werden.

Ob sich durch Ethik alle großen Herausforderungen der Zukunft bewältigen lassen, möchte das Publikum abschließend wissen? "Leider nein", meint van den Hoven, "aber wir haben die Verpflichtung es zumindest zu versuchen."

Ethik und Technik an der TU Wien

Die TU Wien hat sich zum Ziel gesetzt, Exzellenz in Forschung, Wissenschaft und Lehre zu erreichen. Dies erfordert die Einhaltung höchster Standards von Integrität und Ethik. Das betrifft in besonderem Maße die Verwertung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Innovationen, da die TU Wien dabei im Dienst von Gesellschaft und Wirtschaft steht. Forschungsethik bietet dabei Leitlinien und Grenzen für eine verantwortungsvolle und sachgemäße Forschungspraxis.

Die TU Wien legt großen Wert auf die Anwendung von international üblichen Standards guter wissenschaftlicher Praxis, die Wissenschaft und Technik in allen Bildungs- und Forschungsbereichen auszeichnen. Zur Unterstützung hat die TU Wien eine Reihe von Leitfäden zur Forschungsethik und guter wissenschaftlicher Praxis erarbeitet und eine Stelle für "TU-Forschungs-Ethik" eingerichtet, um Forscher_innen zu Fragen im Zusammenhang mit Foschungs-Ethik und Forschungs-Integrität zu beraten.

Forum TU Vision 2025+ Ethics in/and Technology

Jeroen van den Hoven ist Universitätsprofessor für Ethik und Technologie an der TU Delft, er ist ebenso Gründer und Chefredakteur von Ethics and Information Technology. Für seine Arbeiten bekam van den Hoven unter anderem den World Technology Award for Ethics und den IFIP prize for ICT and Society.

Das Projekt TU Vision 2025+ ist eine Initiative von Rektorin Sabine Seidler zur langfristigen Strategieausrichtung der TU Wien. Es wurde im Zuge des 200-jährigen Jubiläums der TU Wien im Jahr 2015 ins Leben gerufen, um fakultätsübergreifend Fragen zu Forschung, Lehre und gesellschaftlicher Rolle unserer Universität zu reflektieren und - in einem ersten Schritt - zu einem Visionspapier zu kondensieren.