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Familie und Job: "Papa allein zu Haus"

Ewa Vesely, Kinderbetreuungsbeauftragte der TU Wien, bat für diese Ausgabe zwei Väter zum Interview und sprach mit ihnen über ihre Motive für die Väterkarenz und ihre Erfahrungen während der Karenzzeit.

Ewa Vesely, Kinderbetreuungsbeauftragte der TU Wien, bat für diese Ausgabe zwei Väter zum Interview und sprach mit ihnen über ihre Motive für die Väterkarenz und ihre Erfahrungen während der Karenzzeit.

Roland Lezuo (RL) ist seit 2010 als Projektassistent am Institut für Computersprachen tätig. Darüber hinaus arbeitet er an seiner Dissertation, die er in den kommenden Monaten fertigstellen wird. Seine wissenschaftliche Laufbahn entspricht nicht ganz der klassischen wissenschaftlichen "Bilderbuchkarriere". Bereits neben und nach dem Studium sammelte Lezuo Berufserfahrungen jenseits akademischer Einrichtungen. Der passionierte Motorradfahrer ist Vater zweier Kinder (eins und drei). Er befindet sich derzeit bereits zum zweiten Mal in Väterkarenz.

Otto Mittmannsgruber (OM) arbeitet seit 2002 als Universitätsassistent am Institut für Kunst und Gestaltung. Nach den Studien an der Kunstuniversität in Linz und an der Tokyo University of Fine Arts widmete er sich in zahlreichen nationalen und internationalen Projekten und Ausstellungen der Kunst im öffentlichen Raum und der Fotografie. Der Vater dreier Kinder - Nikolaus (neun), Veronika (fünf) und Margarita (eineinhalb) - gehört zu den Pionieren der Väterkarenz an der TU Wien. Er war bei seinen beiden letzten Kindern in Karenz. Da beide Elternteile berufstätig sind, sind die gemeinsame Verantwortung und Zuständigkeit für die Erziehung der Kinder für sie selbstverständlich. Die zweite Karenzzeit von Mittmannsgruber ging mit 29. Februar 2012 zu Ende.

Herr Lezuo, Sie sind seit drei Wochen in Väterkarenz und für Ihre zwei Kinder sozusagen alleinverantwortlich. Sie sehen ganz und gar nicht erschöpft aus?
RL (lacht): Also ganz ehrlich, die erste Woche war schon sehr hart. Aber mittlerweile hat es sich eingespielt und wir kommen sehr gut über die Runden. Das Schöne daran, den Tag mit seinen Kindern zu verbringen, ist, dass man sich nicht die Frage stellt, ob man eh etwas "Sinnvolles" tut - man tut! Ob man heute eh "produktiv" war - man war! Diese Gewissheit gibt einem schon viel Kraft und Energie!

OM: Auch für mich waren die Geburten meiner Kinder generell sehr anspornende Erlebnisse. Die neu aufzubringenden Energien übertrugen sich auch auf meine berufliche Sphäre, unter anderem konnte ich in der eben zu Ende gegangenen Karenzzeit meine Dissertation abschließen. Am meisten hat aber das Verhältnis zu meinen Kindern profitiert.

Wie lange waren Sie bei den Kindern zu Hause?
OM: Bei Veronika waren es sechs, bei Margarita etwa fünf Monate.
RL: Ich bin diesmal für vier Monate in Karenz.

Kennen Sie weitere Kollegen aus Ihrem Arbeitsumfeld, die sich ebenfalls die Karenzzeit mit der Partnerin geteilt haben?
OM: Nein.

Und war es bei Ihnen, Herr Lezuo? Sie sind der erste Karenzvater am Institut. Wie wurde Ihr Wunsch in Karenz zu gehen von Ihren KollegInnen und Vorgesetzten aufgenommen?
RL: Ich habe erst im Nachhinein erfahren, dass ich der erste Karenzvater bin. Meine KollegInnen haben diese Entscheidung sehr begrüßt und meine Vorgesetzten, Projektleiter Professor Andreas Krall und der Institutsvorstand Professor Jens Knoop, unterstützen mich dabei.

Herr Mittmannsgruber, Sie waren das erste Mal im Jahr 2008 in Karenz. Rückblickend betrachtet: Konnten Sie einen gesellschaftlichen Wandel bezüglich des Stellenwertes des "karenzierten Vaters" im Laufe der vergangenen Jahre beobachten?
OM: Die TU hat eine sehr positive Einstellung gegenüber der Väterkarenz. Dafür möchte ich mich bedanken. Die Personalabteilung war hier stets hilfreich und entgegenkommend. Auch unsere Institutsleiterin, Professorin Christine Hohenbüchler, stand und steht dieser Praxis sehr wohlwollend gegenüber. Die Väterkarenz wird auch in den Medien mehr zum Thema. Seit Neuestem ist sie auch zum Gegenstand der Werbung mutiert. Ich kenne jedoch nur wenige Väter, die in Karenz gingen. Das hängt wohl damit zusammen, dass sich mein Bekanntenkreis zu einem Gutteil aus Freischaffenden und Selbstständigen zusammensetzt.

Für ProjektassistentInnen ist die Situation komplizierter. Als solcher sind Sie, Herr Lezuo, in einer etwas prekären Lage, da die Ergebnisse innerhalb eines Zeitrahmens geliefert werden müssen. Wie kann man die Karenz mit der Erreichung der Projektziele vereinbaren?
RL: Da ich den Gedanken nicht von heute auf morgen hatte, habe ich von Projektstart an sehr zügig und zielorientiert gearbeitet. Aber natürlich besteht ein Risiko, wenn man vier Monate "pausiert" ... Andererseits sind vier Monate auch wieder nicht so lange.

Die Karenz-Väter beklagen oft, von den "Müttergemeinschaften" auf Spielplätzen nicht als vollwertige Partner gesehen zu werden. Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich gemacht?
RL: Das liegt vielleicht daran, dass Väter progressiver mit ihren Kindern umgehen als Mütter. Mir wurde neulich von einer Mutter gesagt, dass man am Spielplatz erkennen könne, bei welchen Kindern die Mütter und bei welchen die Väter in Karenz seien: Die mit den Wollmützen an den schon warmen Tagen sind mit der Mutter da! Aber desto mehr Väter in Karenz sind, desto normaler werden wohl diese Unterschiede und desto eher gelten die Väter dann auch als "vollwertiger"!

Wird sich Ihr Rigorosum aufgrund der Karenz verzögern?
RL: Ich hoffe nicht!

OM: In der eben zu Ende gegangenen Karenzzeit konnte ich meine Dissertation abschließen. Ebenso wichtig war diese Zeit auch für meine Frau – meine Karenz hat ihr den Wiedereinstieg in ihren Beruf erleichtert.

Ein Tipp für die Väter, die in Karenzgehen wollen?
RL: Nicht zu viel darüber nachdenken und es tun! Die Erfahrungen, die man macht, sind derart bereichernd und die Zeit mit den eigenen Kindern so wertvoll und schön.

Vielen Dank für das Gespräch!

"Papa allein zu Haus"

Unter diesem Titel diskutierten für "at.venture", eine Beilage des Magazins "Universum", im Juli 2008 VertreterInnen der Forschung- und Wirtschaftslandschaft über die Väterkarenz und versuchten unter anderem die Frage zu beantworten, ob Forschung und Entwicklung neben dem Wickeltisch möglich ist.*

2012 ist das Thema "Väterkarenz" (nicht zuletzt aufgrund geänderter Rahmenbedingungen) aktueller denn je. Die "neuen" Väter möchten nicht mehr zwischen zwei Rollen - dem Macho oder dem Pantoffelhelden - wählen. Für sie gehört neben dem Erfolg im Beruf auch ein erfülltes Privat- beziehungsweise Familienleben dazu. Und zwar als ein gleichwertiger Partner.

Gibt es diese "neuen Männer" auch bei uns an der TU Wien?

Ja, es gibt sie! Tendenz: Steigend. Waren es in den Jahren 2005 bis 2008 zehn Wissenschaftler und zwei allgemeine Bedienstete, die Vaterkarenz beanspruchten, sind 2011 bereits 20 Väter aus dem wissenschaftlichen und fünf aus dem allgemeinen Bereich in Karenz gegangen**.

Informationen rund um das Thema "Väterkarenz" erhalten Interessierte in der Personaladministration bei den für sie zuständigen ReferentInnen.

*universum.co.at/at.venture
** Daten der Personaladministration der TU Wien

 

TU Freihaus Nummer 22,

Link: http://www.tuwien.ac.at/dle/pr/publishing_web_print/tufreihaus/tufreihaus22/campus/