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Ein Semester in New York

Georg Görg, Wirtschaftsmathematiker, verbrachte 2006 ein Semester am City College of New York. Nach kleinen Startschwierigkeiten bei seinem "Independent Study" wurde er bei einer US-weiten "student paper competition" für seine Arbeit ausgezeichnet. Für Ende Juli wurde er eingeladen sein Manuskript bei den "Joint Statistical Meetings 2007" in Salt Lake City zu präsentieren. Lesen Sie hier eine Zusammenfassung der gesammelten Eindrücke und Erlebnisse:

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Georg Görg

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City College of New York

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Empire State Building

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Liberty Island

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Vordergrund: Midtown - Manhattan; Hintergrund: Queens und Brooklyn

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ÖsterreicherInnen in den USA

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New Yorker Silvester

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Internationale StudienkollegInnen: Dominikanische Republik, Österreich, Elfenbeinküste, Bangladesh

Internationale StudienkollegInnen: Dominikanische Republik, Österreich, Elfenbeinküste, Bangladesh

Bericht zum Auslandsaufenthalt in New York City, von Georg Görg

Ich habe im Jahr 2002 begonnen, Technische Mathematik an der TU Wien zu studieren. Ende 2005 habe ich mich für ein Auslandssemester entschlossen. Es war für mich immer klar, entweder in ein englisch- oder spanischsprachiges Land zu fahren. Als ich von der Möglichkeit erfahren habe nach New York City zu gehen, habe ich mich sofort am City College of New York, CCNY für das Fall 2006 Semester (Ende August – Mitte Dezember 2006) beworben.

Anfang April habe ich die Bestätigung zur Aufnahme am CCNY erhalten und  begonnen mich mit der Organisation des Aufenthalts zu beschäftigen. Mit mir wurden weitere 8 Österreicher am CCNY aufgenommen, die sich mit Visumsanträgen, Kursbeschreibungen des Colleges und, wahrscheinlich am schwierigsten, der Wohnungssuche herumschlagen mussten.

Das City College ist selbst Teil der City Universities of New York, CUNY und man kann, sobald man Student an der CUNY ist, prinzipiell jeden Kurs, der an einer beliebigen Universität des CUNY angeboten wird, belegen.
Bei meinen Kursrecherchen bin ich auf ein so genanntes „Independent Study“ gestoßen, was man mit einer Projektarbeit vergleichen kann. Ich habe Mitte Juli angefangen circa 15 verschiedene Professoren, die am CUNY gelehrt haben, anzuschreiben um sie zu fragen, ob sie mich bei einem „Independent Study“ unterstützen.
Als Wirtschaftsmathematiker wollte ich Themen der Zeitreihenanalyse näher untersuchen. Eine Professorin sagte mir zu, dass, falls sie im Herbst 2006 an CUNY unterrichtet, gerne meine Arbeit unterstützt.

Mit dieser Zusage in der Tasche habe ich mich auf weitere Anforderungen in New York konzentriert, wie zum Beispiel der Wohnungssuche. Mitte August bin ich in New York gelandet und habe innerhalb von einer Woche ein Zimmer in einem Apartment gefunden. Dass die Preise in Manhattan hoch sind, kann man sich vorstellen, aber 600 $ für ein Zimmer mit 3 x 3 Meter hat doch meine kühnsten Vorstellungen übertroffen (Solche Mietpreise sind Normalität).

Was man in Europa unter einer WG versteht, ist in New York nur ein Mittel zum Zweck; nämlich für Menschen einen Platz zu finden, möglichst billig (relativ gesehen), in verkehrsbedingt guter und sicherer Lage ein Bett zu haben um von der Arbeit heimzukommen, schlafen zu gehen und in der Früh das Apartment wieder (so schnell wie möglich) zu verlassen.

Während der Wohnungssuche musste ich mich auch rechtzeitig für die Kurse am College registrieren, da nur eine begrenzte Anzahl von Studenten pro Kurs zugelassen ist. Der Spanisch-Einstufungstest und dessen 2 tägige Auswertung haben die „first come, first serve“ Kursregistrierung nicht wirklich erleichtert.

Leider hat mir die Professorin in dieser Zeit eine Absage erteilt, da sie nicht mehr am CUNY angestellt war. Es folgten wieder mehrere Emails an verschiedene Professoren am CUNY um das Independent Study doch noch möglich zu machen. Leider bekam ich nur Absagen oder überhaupt keine Antworten, da sehr viele Professoren schon ihren Dienstplan für das Semester hatten, und keine neuen Stunden mehr unterbringen konnten.

Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass das Independent Study nichts werden würde, doch 2 Wochen nach Semesterstart habe ich eine Einladung an das Hunter College erhalten um meine Ideen zu präsentieren. Professor Dana Draghicescu, selbst Rumänin, in Lausanne PhD und in Chicago Post-Doc Ausbildung gemacht, hat mich sofort unterstützt und begonnen verschiedene Probleme der Zeitreihenanalyse zu bearbeiten.

Nach den ersten Eingewöhnungswochen im amerikanischen Universitätssystem, was sich vor allem durch persönlicheren Kontakt mit den Studenten auszeichnet (Man wird beinahe nur mit Vornamen angesprochen und es wird auch von manchen Professoren erwartet, sie mit Vornamen anzureden, was einem Studenten aus dem Titel-geprägten Österreich am Anfang fast schon unangenehm ist, jedoch bald einem angenehmen und einfacheren Gefühl weicht.) und sehr praxisorientiert ist, war man wirklich voll im College-Ablauf integriert. Es gibt eigentlich keinen „Austauschstudenten-Status“, da hier Studenten aus aller Welt studieren und man somit nicht auffällt (Bei den Mathematik Graduate Kursen mit 18 Teilnehmern waren mindestens 10 Nationen vertreten.).
Die Under-Graduate Kurse erinnern sehr stark an unsere Oberstufe. Dieser Eindruck wird aber sicher durch die kleine Anzahl der Studenten in einem Kurs und den lockereren und praxisnäheren Umgang verstärkt.

Am Anfang haben natürlich Österreicher und Deutsche viel miteinander unternommen und sich auch an die teilweise eigenartigen Regeln in den USA, und New York im speziellen, gewöhnen müssen. Die 50$ Strafe wegen Einschlafens in der Subway war der Höhepunkt in dieser Hinsicht.
Im Lauf der Zeit hat sich der Kontakt mir „echten“ New Yorkern (sprich: Menschen aus aller Welt) vertieft und man war weniger auf Österreicher „angewiesen“.

Anfang November hat sich ein Thema bei dem Independent Study herauskristallisiert und die Professorin hat mich mit ihrer ungemein hohen Motivation dazu gebracht, die Ergebnisse der Arbeit in einen Student-Paper Bewerb einzureichen. Deadline: 18. Dezember.
Wochenlanges Hin und Her mit verschiedenen Manuskripten, Grafiken, fehlerhaften Codes, ... führten am 15. Dezember zu einem „final paper“, das ich in die Student Paper Competition der American Statistical Association eingereicht habe.
In den letzten Wochen waren die Finals angesagt, und auch die Zeit um mit anderen Austauschstudenten Abschied von New York City zu nehmen.
Mitte Jänner erhielt ich die Nachricht, dass ich als einer von fünf Studenten ausgezeichnet wurde und eingeladen bin, Ende Juli mein Manuskript bei den Joint Statistical Meetings in Salt Lake City (JSM 2007) in einem 20-minütigen Vortrag zu präsentieren.

Zur Zeit, wieder in Österreich, arbeite ich an der Diplomarbeit, die die Ideen des besprochenen Papers weiterentwickelt, und bin in Gedanken schon wieder in New York City.

Wie schon am Anfang gesagt, wollte ich in ein Land mit Englisch oder Spanisch als offizielle Sprache gehen. New York hat mir zu meiner positiven Überraschung beides erfüllt: am College und in großen Teilen New Yorks wurde selbstverständlich Englisch gesprochen. Doch in der Gegend um das CCNY  war Spanisch die Konversationssprache auf den Straßen und Geschäften. Natürlich haben die Menschen Englisch verstanden aber untereinander wurde fast nur Spanisch gesprochen. Auch in der Subway waren circa ¼ der Plakate, Hinweisschilder in Spanisch angeschrieben.
Trotz täglicher Meldungen von tödlichen Schießereien und Gangfights habe ich nie Probleme gehabt. Natürlich ist man in bestimmte Gegenden nicht alleine und\oder im Dunkeln gegangen, um gar keine Probleme zuzulassen.

Ich kann jedem Menschen (nicht nur Studierenden) empfehlen nach New York City zu fahren und die Art und Weise wie dort gelebt wird kennen zu lernen.
Viele Menschen verbinden mit New York City eine graue, versmogte, hektische, laute, geldverliebte, unfreundliche Großstadt. Das was für mich New York ausmacht ist, dass man genau das haben kann was man will. Natürlich kann man sich auf die 5th Avenue begeben und mit Menschenmassen am täglichen Einkaufswahnsinn teilnehmen. Andererseits kann man im Central Park vollkommen vergessen, dass man sich in einer 8 Millionen Einwohnerstadt befindet. Sogar am 6 spurigen Broadway atmet man gute Luft ein, die man sich in Wien oft nur wünschen könnte, da Manhattan von Meer umgeben ist und der Wind immer frische Luft durch die Straßen bläst.
Und so lernt man die grüne, frische, relaxte, ruhige, sehr freundliche, durch Internationalität gekennzeichnete Großstadt kennen, die man sich so nie erwartet hätte.

Mein Fazit: Absolut Empfehlenswert!
Georg Görg