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Christian Kern - Professor für Dreidimensionales Gestalten und Modellbau

Wie komplexe und skulpturale Freiformen in der Architektur von 3D-Entwürfen am Computer in angreifbare Modelle übertragen werden, behandelt das Forschungsgebiet des neuen TU-Professors aus dem Rheinland. Ein Studienaufenthalt im Ausland führte ihn neben praktischen Tätigkeiten bei international renommierten Architekten nach Westaustralien und Malaysien. Seinen Studierenden bietet er die Möglichkeit mit Hilfe von neuen, innovativen Maschinen in der Modellbauwerkstätte künstlerisch und frei arbeiten zu können.

Christian Kern

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Studentenwohnung „I-Home“ und tropische Wolkenkratzer

Nach einer Ausbildung zum Maschinenschlosser begann Professor Christian Kern 1987 Architektur an der Universität Stuttgart zu studieren. Die Faszination an diesem Fach begründet Kern mit dem universellen Tätigungsfeld, das die Architektur bietet. „Ich kann mich auf sehr vielen verschiedenen Ebenen mit einer Lösung beschäftigen. Auf einer gestalterischen, künstlerischen Ebene genauso wie auf einer kulturellen, soziologischen und einer technischen Ebene, wo es um Tragkonstruktionen oder Bauphysik geht. All das muss miteinander verwebt werden und man hat dann letztendlich die Chance etwas zu kreieren, zu schaffen, das visuell sofort erschließbar ist. Mir gefällt besonders der gestalterische Aspekt, der verbunden ist mit den konkreten Anforderungen an die Architektur, an das Gebaute“, so Kern. Bereits während seines Studiums begann der neuberufene TU-Professor praktische Erfahrungen beim international renommierten Architektenbüro Stirling und Wilford in Stuttgart zu sammeln. Danach folgte eine sehr interessante Tätigkeit in Kuala Lumpur (Malaysia), wo Professor Kern als Mitarbeiter des Architekten Ken Yeang an „tropical skyscrapers“ geforscht und gearbeitet hat. „Es handelt sich dabei um Hochhäuser in den Tropen und deren bioklimatische Ausbildung. Trotz Höchsttemperaturen, soll es kühl in den Wolkenkratzern bleiben.“ An der Curtain University in Perth (Westaustralien) sammelte Christian Kern zusätzliche internationale Erfahrungen. Nach Abschluss seines Studiums 1995 erhielt er für seine Diplomarbeit, die sich mit der Vorstellung von Raum in virtueller und materieller Wirklichkeit beschäftigte, den Architekturpreis der TU Stuttgart. Es folgten weitere Tätigkeiten bei namhaften Architekten wie „Behnisch und Partner“, „Auer und Weber“ und „Meier-Scupin&Petzet“. Von 1999 bis 2004 ist Christian Kern als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Gebäudelehre und Produktentwicklung an der TU München tätig. In diese Zeit fällt die Entwicklung des Wohnwürfels für StudentInnen, das sogenannte „I-Home“, das 2,60 mal 2,60 mal 2,60 Meter groß ist und eine komplette Studentenwohnung beinhaltet. Nach einem Wettbewerbsgewinn im europaweiten Nachwuchswettbewerb Europan 6, im Jahr 2001 gründet Christian Kern gemeinsam mit Michael Schneider sein eigenes Architekturbüro „BLAUWERK“ in München. Im Jahr 2006 wurde er in den Vorstand von Europan Deutschland berufen. Seit 1. Juli 2007 ist er Universitätsprofessor für Dreidimensionales Gestalten und Modellbau am Institut für Kunst und Gestaltung der TU Wien.

Forschungsschwerpunkt: Komplexe Freiformen
 
Das Forschungsgebiet von Professor Kern beschäftigt sich mit der Beherrschung, Bewertung und Entwicklung von komplexen Freiformen in der Architektur. Kern: „Die Architektur akzeptiert keine geometrischen Einschränkungen mehr. Das heißt weiters, dass vermehrt Freiformen benutzt und entwickelt werden. Die Ansätze sind hier zum Teil sehr skulptural. Die Frage ist also, wie man diese Formen entwickeln und bewerten kann. Die Entwürfe, die gestaltet und virtuell am Computer entwickelt werden, müssen auch wieder in die materielle Wirklichkeit rückgeführt werden.“ Für die Rücküberführung braucht man Modelle, die für die Architekturentwicklung laut Kern „nach wie vor extrem wichtig sind“. Umso schwieriger ist es skulpturale Freiformen (zum Beispiel die „Blaue Blase“, Grazer Kunsthaus) in Modelle umzuwandeln. „Modelle sind wichtig für die Überprüfung und Auseinandersetzung mit Entwürfen. Am Computer kann man diese komplexen Modelle und Freiformen sozusagen nicht in die Hand nehmen“, so Kern. Ein Weg führt nun über die digitale Flächenrückführung von einem händisch gearbeiteten Modell oder einer Skulptur, die mit diversen dreidimensionalen Scannverfahren auf den Computer gebracht wird. Dieses Thema ist auch Teil eines neuen Forschungsprojektes. Christian Kern möchte zudem ein anderes innovatives Verfahren, das sich Rapid Prototyping nennt, an seinem Institut anwenden. Hierbei handelt es sich um eine Art 3D-Drucker, der in einem etwas größeren Maßstab als üblich, mit günstigen Materialien (zum Beispiel Bauschaum), sehr schnell Formen produzieren kann, die dann händisch weiterverarbeitet werden. Zurzeit arbeiten seine StudentInnen gerade an der Entwicklung dieser Maschine. „Wir müssen unseren eigenen Druckkopf entwickeln, der mit verschiedenen Materialien, wie Bauschaum oder Silicon arbeiten kann. Das Material darf für die Studierenden nicht zu teuer sein. Baumschaum eignet sich da sehr gut um die Freiformen zu entwickeln“, so Kern. Die zweite Möglichkeit wie StudentInnen Modelle und skulpturale Ansätze in der Wirklichkeit beurteilen, überprüfen und weiterentwickeln können, ist mit einem siebenachsigen Fräsroboter, der für die Modellbauwerkstatt des Institutes im Rahmen eines innovativen Projektes angeschafft wurde. Computermodelle können so direkt mit einer Maschine, die materialunabhängig funktioniert, ausgegeben werden. „Sie haben ein 3D-Modell und fräsen das, zwar mit gewissen Einschränkungen, aber wir sind damit in der Lage jegliche Art komplexer Freiformen in großem Maßstab zu erstellen“, fasst Kern zusammen.

Künstlerische Freiheit

In seiner Arbeit mit den Studierenden betont Christian Kern, dass Architekten sehr universell und generalistisch arbeiten. Deshalb müssen viele verschiedene Aspekte in der Architektur gelehrt und eingebracht werden. „Technische, theoretische und soziologische Themen spielen hier eine Rolle. Ein ganz entscheidender Punkt ist sicherlich die Gestaltung. Darum müssen die StudentInnen auch die Gelegenheit haben, künstlerisch und frei zu arbeiten. Das heißt auch frei von Funktionen und Nutzen an einer Gestalt zu arbeiten. Und diese Plattform möchten wir ihnen bieten.“ Wichtig ist Professor Kern darüber hinaus, dass jeder Studierende in der Modellbauwerkstätte eine intensive Einzelbetreuung erhält.

Öffnung nach außen

Ursprünglich stammt der neuberufene TU-Professor aus dem Rheinland, aus der Gegend um Köln. Aufgrund seiner zweiten beruflichen Tätigkeit als freier Architekt pendelt er derzeit zwischen München und Wien. Für Freizeitaktivitäten bleibt daher leider nur mehr wenig Zeit. Zu seinen Interessen zählen jedoch einige Outdoor-Sportarten wie Mountainbike, Schi fahren, Motorrad fahren oder Paragleiten. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Professor an der TU Wien möchte Christian Kern auch das Institut und die Modellbauwerkstätte vergrößern und öffnen. „Wir möchten das als Angebot für die gesamte Fakultät darstellen. Im Rahmen eines Investitionsprogramms der TU Wien soll eine große Schneidemaschine angeschafft werden. Damit können sehr viele StudentInnen sehr viel schneller produzieren in einer sehr hohen Qualität. Im Rahmen des Umbaus soll unser Institut auch verlegt werden. Hier geht es nicht zuletzt um ‚visibility’. Wenn man an den Werkstätten vorbeikommt, soll man auch sehen, wie Dinge entstehen. Diese Öffnung und Sichtbarkeit unseres Instituts liegt mir am Herzen“, erklärt Professor Kern.