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Christian Bucher – neuberufener Professor am Institut für Hochbau und Technologie

Er versetzt Bauwerke mit Hilfe von ‚Shakern’ ins Schwingen und erstellt auf Basis dessen Sicherheitsanalysen, die bei der Optimierung und Kostenkalkulation von geplanten Bauvorhaben eine wichtige Rolle spielen. Privat begeistert sich Professor Bucher für das Mandolinespielen und irische Volksweisen.

Christian Bucher

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Werdegang

"Nach der Volksschule habe ich mich bereits für Bautechnik und Architektur zu interessieren begonnen. Im humanistischen Gymnasium hat sich dann meine Interessenslage vollständig geändert. Da haben es mir eher alte Sprachen, wie Latein und Griechisch angetan. Erst bei der Berufsberatung wies man mich auf meine technisch-konstruktive Begabung hin. So begann ich in Innsbruck Bauingenieurwesen mit Schwerpunkt ‚Konstruktiver Ingenieurbau’ zu studieren", berichtet Professor Bucher über seine Studienwahl. 1982 beschäftigte er sich in seiner Diplomarbeit mit dem Thema Baudynamik und untersuchte den in den 70iger Jahren erbauten Wiener Arsenalturm unter Erdbebenbeanspruchung. "Ich bin nicht so der Baustellentyp. Theoretische Dinge haben mir immer schon ziemlichen Spaß gemacht. Als Studienassistent begann ich dann die dynamischen Fragestellungen, die Schwingungen von Bauwerken zu untersuchen", so Bucher. Der neuberufene TU-Professor blieb bis zum Jahre 1994 an der Universität Innsbruck und promoviert dort 1986. Im Jahr 1989 habilitierte er sich. Anschließend erhielt er einen Ruf an die Bauhaus-Universität Weimar, wo er bis 2007 am Lehrstuhl für Baumechanik tätig war. Im Mai 2007 erfolgte der Ruf an die TU Wien als Professor für Baumechanik. Mehrere Gründe waren für seinen Wechsel ausschlaggebend. Zum einen die Möglichkeit an eine große technische Universität zurückkommen zu können. Bucher: "Die Bauhaus-Universität Weimar ist stark architektonisch-künstlerisch ausgerichtet und zog zunehmend weniger Studierende des Bauingenieurwesens an. Meine erste Vorlesung in Weimar habe ich vor 520 StudentInnen gehalten, die letzte vor ungefähr 50. Man fühlt sich ein bisschen auf verlorenem Posten. Zu guter letzt wollte ich auch wieder nach Österreich zurück. Wien ist eine sehr schöne Stadt."

Forschungsschwerpunkt Baudynamik

"Ausgehend von meinem Interesse für Schwingungsprobleme und Baudynamik hat sich ein gewisser Forschungsschwerpunkt ergeben", erläutert Bucher. In der Vergangenheit beschäftigte er sich mit windbeanspruchten Bauwerken und der Frage, welche Bemessungsrichtlinien man Windbeanspruchungen zugrunde legt. Als seinen zweiten Forschungsschwerpunkt nennt Bucher die Sicherheitstheorie oder Sicherheitsanalysen, die er für Brücken und Hochbauten durchführt. "Früher wurden generell festgelegte Lasten für die Berechnungen herangezogen. Man hat festgelegt die Brücke müsse 60 Tonnen aushalten und hat noch einen Sicherheitsfaktor draufgeschlagen. In Wirklichkeit weiß aber niemand, wie schwer die Lkws sind, die über die Brücken fahren", verdeutlicht Bucher. Das neue Sicherheitskonzept vertritt den Ansatz, dass die Bauwerke so ausgelegt werden, dass eine zufällig verteilte Belastung angenommen und dabei ein vertretbares Restrisiko (z.B. Einsturzgefahr) kalkuliert wird. Zugleich wird die Frage, wie viel Geld man für Sicherheit ausgibt, hier behandelt. "Man kann Brücken beispielsweise immer noch sicherer machen. Das Geld fehlt dann aber an einer anderen Stelle", sagt Bucher. Die Berechnung kann man sich so vorstellen, dass sich das Risiko aus der Eintrittswahrscheinlichkeit multipliziert mit den Kosten, ergibt. Dabei möchte man die Eintrittswahrscheinlichkeit des schlimmsten Ereignisses möglichst klein halten.

Risse wie ein Sprung im Weinglas

Grundlage für die Berechnungen bilden auch sogenannte Schwingungsmessungen, die immer wieder vor Ort an Bauwerken durchgeführt werden. "Aus Berufungsmitteln werden wir ein paar ‚Shaker’ oder Schüttelgeräte kaufen, die Bauwerke in Schwingungen versetzen können. Mit den Messungen kann man relativ global den Zustand eines Gebäudes einschätzen, ohne dass diesem Schaden zugefügt wird. Vergleichbar ist das mit einem Weinglas, das einen Sprung hat und nicht mehr so gut klingt. Gröbere Risse oder größere Schäden können auch über die Veränderung des Schwingungsverhaltens festgestellt werden.“

Praxisbezug in der Lehre

Der neuberufene TU-Professor setzt in der Lehre auch auf Praxisorientiertheit. In Weimar arbeitete Professor Bucher vermehrt mit Autoherstellern und Autozuliefererfirmen zusammen. Produkthaftungsprobleme, die sich aus der Praxis ergeben, wurden mit Hilfe der Sicherheitstheorie analysiert. Die Vertiefungslehrveranstaltungen, das sind im Wesentlichen die Wahlpflichtfächer, werden sich stark daran orientierten, was in der Praxis gefordert ist. Bucher: In der Automobilindustrie gibt es einiges zum Thema Sicherheitstheorie und Optimierung. Es geht hier einfach darum einzusparen. Daher werde ich im Wintersemester 2007/08 eine Vorlesung zum Thema ‚Strukturoptimierung’ in englischer Sprache anbieten." Bucher möchte auch externe DoktorandInnen an den Lehrstuhl holen, die sich mit Optimierung beschäftigen und auf diese Weise eine kleine Arbeitsgruppe aufbauen. "Insgesamt ist mir wichtig, dass am Ende auch substantielle theoretische Arbeit geleistet wird. Von meiner Ausrichtung her geht es darum Grundlagen zu erarbeiten und Dinge zu entwickeln, die man auch allgemeiner nutzen kann. Es soll eine ganze Strategie entstehen", so Bucher.

Private Seite und Ausblick

Musik, Sport und Reisen beschäftigen Professor Bucher in seiner Freizeit. "In Innsbruck habe ich auch 22 Jahre im Kirchenchor gesungen."  Er spielt Gitarre und Mandoline, mit Vorliebe irische Volksmusik. Die grüne Insel Irland fasziniert Bucher nicht nur wegen der Musik, auch Kultur, Geschichte und die Mentalität der Menschen ziehen in an. Nicht nur den täglichen Weg zur TU, sondern auch Wochenendfahrten in den Wienerwald bewältigt Professor Bucher mit dem Fahrrad.

Für seine Tätigkeit an der TU Wien wünscht sich der gebürtige Innsbrucker seinen Beitrag zu einem lebendigen Forschungsklima leisten zu können. "Man kann ja nie alleine etwas bewegen, sondern immer nur gemeinsam mit den anderen." Bei Problemlösungen ist es Professor Bucher wichtig, sich nicht nur auf einen Einzelfall zu konzentrieren, sondern eine Methode zu entwickeln, mit der man eine Klasse von Aufgaben bearbeiten kann. "Es geht mir nicht darum ein Problem zu lösen und dann zum nächsten weiter zu gehen. Ich möchte mich mit den einzelnen Dingen längerfristig beschäftigen."