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Bevölkerungsrückgang kann Wohlstand erhöhen

Die Bevölkerungszahl muss nicht konstant bleiben, wenn der Wohlstand gesichert werden soll. Eine Studie mit Beteiligung der TU Wien untersucht den Zusammenhang zwischen Geburtenraten und wirtschaftlichem Wohlstand.

Zu wenige Kinder und ein zu hoher Anteil an Menschen im Pensionsalter können für eine Gesellschaft zum Problem werden. Doch ein moderater Bevölkerungsrückgang kann wirtschaftlich sogar ein Vorteil sein und zu mehr Wohlstand führen. Das geht aus einer Studie hervor, die nun im Journal „Science“ veröffentlicht wurde. 40 Länder aus der ganzen Welt wurden für die Studie untersucht, die österreichischen Daten wurden von der Forschungsgruppe von Prof. Alexia Fürnkranz Prskawetz von der TU Wien aufbereitet.

Was optimal ist, ist Ansichtssache
„Um die Bevölkerungszahl konstant zu halten bräuchte man eine Fertilitätsrate von 2,1 Kindern pro Frau. Von 2005 bis 2010 lagen wir in Österreich mit 1,4 Kindern pro Frau deutlich unter diesem Wert“, sagt Alexia Fürnkranz-Prskawetz. Doch ein Wert unterhalb von 2,1 ist für sich genommen noch nicht unbedingt ein Problem. Letztlich kommt es darauf an, welche wirtschaftlichen Indikatoren man betrachtet. Die eine optimale Geburtenrate gibt es nicht.

Die nun publizierte Studie, unter der Leitung von Ronald Lee (Universität Kalifornien, USA) und Andrew Mason (Universität Hawaii, USA) erweitert die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung durch die zusätzliche Dimension des Alters. „Wir haben uns angesehen, in welchem Alter wie viel erwirtschaftet wird, wieviel konsumiert wird, ob das Einkommen für Konsum oder Sparen verwendet wird und welche privaten und öffentlichen Umverteilungen zwischen den Altersklassen stattfinden“, erklärt Alexia Fürnkranz-Prskawetz. So entstehen sogenannte „Nationale Transferkonten“, anhand derer untersucht werden kann, wie sich Änderungen der Fertilitätsrate wirtschaftlich auswirken.

Wenn man bloß auf die öffentlichen Finanzen blickt, dann wären hohe Geburtenraten wünschenswert. Transferleistungen für die ältere Generation können leicht erwirtschaftet werden, wenn eine zahlenmäßig starke Generation nachfolgt. Allerdings findet innerhalb der Familie eine starke Umverteilung von den Eltern zu den Kindern während der Ausbildung statt – eine hohe Kinderanzahl kostet Geld. Davon auszugehen, dass 2,1 Kinder pro Frau ein wirtschaftlich optimaler Wert sind, bloß weil das statistisch für eine stabile Bevölkerungszahl sorgen würde, ist zu einfach gedacht.

Bei einer hohen Kinderanzahl kann es zum sogenannten Kapitalverdünnungseffekt kommen. Das vorhandene Kapital muss auf mehr Menschen aufgeteilt werden, das kann etwa dazu führen, dass die Ressourcen für Investitionen einer wachsenden Bevölkerung  nicht mehr aufzubringen sind.

Leichter Rückgang ist eine gute Option

Versucht man, den Lebensstandard, gemessen an den Konsumausgaben, zu optimieren, dann ergibt sich eine deutlich niedrigere Fertilitätsrate – in Österreich, je nach Szenario, zwischen 1,58 und 1,90. Das brächte die beste Balance zwischen Kosten für die heranwachsende Generation und Versorgung der älteren Generation mit sich. „Die Bevölkerungszahl nimmt dann ab, aber der Wohlstand wäre maximal“, sagt Fürnkranz-Prskawetz.

Allerdings liegen diese Werte noch immer über den derzeitigen Fertilitätsraten. Eine Kinderzahl pro Frau von 1,4 wie in Österreich oder 1,36 in Deutschland ist also auch nach den nun durchgerechneten Szenarien suboptimal niedrig. „Der Staat sollte seine Politik rechtzeitig auf das unausweichliche Altern der Bevölkerung einstellen“, meint Alexia Fürnkranz-Prskawetz. Dazu gehören Maßnahmen im Gesundheits- und Pensionsbereich, aber auch der Abbau von Barrieren für das Kinderkriegen.

Originalpublikation

Nähere Information:
Prof. Alexia Fürnkranz-Prskawetz
Institut für Wirtschaftsmathematik
Technische Universität Wien
Argentinierstraße 8, 1040 Wien
T: +43-1- 58801-105 30
alexia.fuernkranz-prskawetz@tuwien.ac.at