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Kann man mit Künstlicher Intelligenz Traumhäuser entwerfen?

Werden Architekt_innen in Zukunft noch gebraucht oder werden sie durch KI ersetzt?

Innenaufnahme: sechs Personen sitzend auf Bühne, davor drei kleine Tische

© Guzenko Oksana

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Innenaufnahme: Publikum sitzend mit Blick zur Kamera, Sprecher stehend von hinten fotografiert

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Wenn man an KI denkt, denkt man an die Erstellung von Texten, Bildern und Videos. Aber könnte KI auch dabei helfen, Traumhäuser zu bauen? Im Jänner 2026 fand an der TU Wien das Symposium „Future of Creative Industries and IP in the Age of AI” statt, zu dem Expert_innen aus den Bereichen Architektur, Literatur, Kunst und Recht eingeladen waren. In Keynotes und Diskussionen beschäftigten sich diese Expert_innen mit Fragestellungen wie „Wie können Architekt_innen gut mit KI zusammenarbeiten?” und „Wie sehr wird sich die Rolle von Architekt_innen im Zeitalter der KI verändern?”.

„KI in der Architektur ist eher eine Nische“, sagt Mariya Korolova, Doktorandin der Architektur und Universitätsassistentin im Forschungsbereich Projektentwicklung und -management an der TU Wien. „Viele Architekt_innen befürchten, dass bald jeder und jede sein_ihr Traumhaus entwerfen kann, indem sie einfach KI damit beauftragen. Aber meiner Erfahrung nach sind wir davon noch weit entfernt.“ 

Laut Mariya Korolova ist der Entwurf eines Hauses ein gemeinschaftlicher Prozess, an dem drei, manchmal auch mehr, Hauptakteure beteiligt sind. Die Architekt_innen kennen sich mit dem Raum und der Statik aus und berücksichtigen bei der Planung eines Hauses Faktoren wie Elektrizität und Sanitäranlagen. Die Nutzer_innen hingegen fokussieren auf ihre Bedürfnisse und Anforderungen an den Ort, während die Eigentümer am besten wissen, welche wirtschaftlichen Trends es gibt und was derzeit in der Gegend, in der das Haus gebaut werden soll, benötigt wird. „Die Frage ist also, ob KI nur ein weiterer Teamplayer in diesem gemeinsamen kreativen Prozess sein wird oder ob sie einen oder mehrere Akteure ersetzen wird“, erläutert Mariya Korolova. Tatsache ist, dass KI in der Architektur noch in den Kinderschuhen steckt. Obwohl sie viele Vorteile hat, „fehlt der KI das räumliche Verständnis, wie z. B. die Statik, wie Räume am besten miteinander verbunden werden können oder ob es sinnvoll ist, das Badezimmer neben der Küche oder dem Schlafzimmer zu platzieren. Einmal schlug die KI bei einem Prompting als Lösung vor, einen Raum direkt über einem offenen Grundriss zu bauen. Der KI fehlt es im Grunde genommen an räumlicher Logik und systemischem Denken“, so Mariya Korolova.

Der erfolgreiche Einsatz von KI hängt eigentlich mehr davon ab, wie und wo sie in einen Prozess integriert wird. Mariya Korolova ist überzeugt, dass „KI in vielerlei Hinsicht hilfreich sein kann, beispielsweise bei der Automatisierung von Aufgaben wie der Erstellung von Verträgen, der Erstellung von Zeitplänen oder anderen Projektmanagementaufgaben. Auch in rechtlichen Angelegenheiten kann sie nützlich sein.“ Der Einsatz von KI in der oben genannten Weise könnte Zeit und Geld sparen. Allerdings sind Kenntnisse über KI wichtig, um zu wissen, wo KI hilfreich sein kann, anstatt sie blind auszuprobieren.

Darüber hinaus ist es von großer Bedeutung zu lernen, wie man sein geistiges Eigentum vor Diebstahl schützen kann. In der Kunst und Kreativindustrie ist geistiges Eigentum von wesentlicher Bedeutung, ebenso wie die Frage, wie man seine eigenen Ideen vor Diebstahl durch andere schützen und wie man geltend machen kann, dass eine Idee die eigene ist. Ähnlich wie die Verwendung von Wasserzeichen in Bildern oder Videos, die online geteilt werden, könnten Architekt_innen Wasserzeichen verwenden, um ihre mit KI geschaffenen Ideen zu schützen. So sehr sich technische Lösungen dafür weiterentwickeln und auch auf dem Symposium vorgestellt wurden, ist eine rechtliche Regulierung ebenfalls wichtig. Derzeit gibt es keinen klaren Weg, diese Probleme zu adressieren, da sich das Recht mit der Schnittstelle verschiedener Disziplinen sowie mit dem neuen Akteur KI auseinandersetzen muss, der sich deutlich schneller entwickelt und verändert als das Gesetzgebungssystem. Die meisten Fälle werden daher einzelfallbezogen entschieden. Aus einer anderen Perspektive beschleunigt sich auch die Geschwindigkeit neuer Schöpfungen, wobei einige Architekten darin eine Möglichkeit sehen, jedem „Kopieren“ einen Schritt voraus zu sein.

Shajay Bhooshan, Mitarbeiter bei Zaha Hadid Architects und Gründer von ZHA CODE, der ebenfalls am Symposium teilnahm, erklärte, dass sie bei ZHA CODE innerhalb weniger Tage ihre eigenen KI-Tools für ihre spezifische Art der Gestaltung mit Hilfe von KI entwickelt hätten. Er machte deutlich, dass es seiner Erfahrung nach für kleine, agile Büros und Arbeitsgruppen einfacher sei, KI-Tools für Design- und Managementprozesse zu entwickeln und zu implementieren.

Bernhard Sommer, Präsident der Regionalkammer für Ingenieurkonsulenten in Wien, Niederösterreich und Burgenland, erklärte im Rahmen des Symposiums, dass es sehr wichtig sei, Architekt_innen und andere Berufsgruppen im Bereich KI zu schulen. Mariya Korolova führt weiter aus: „Nehmen wir an, es gibt einen Gerichtsfall, in dem es um einen Verstoß bei einer KI-Kreation geht, und der_die zuständige Richter_in hat kaum Ahnung von KI im Kontext von Urheberrecht. Wie sollten sie dann eine fundierte Entscheidung treffen, die dann in Folge Grundlage für zukünftige Entscheidungen wird?“

Wie Mariya Korolova bereits sagte, ist es noch ein langer Weg. Neue technologische Entwicklungen haben immer Vor- und Nachteile, jedoch waren „die Teilnehmer_innen des Symposiums recht positiv und offen gegenüber KI und der allgemeinen Entwicklung in diesem Bereich eingestellt. Nur einige wenige hatten Vorurteile gegenüber dieser Technologie, einige andere konzentrierten sich ausschließlich auf mögliche Nachteile.“ Wie könnte eine mögliche Zukunft für KI in der Architektur aussehen? Mariya Korolova blickt der Zukunft positiv entgegen: „Ich bin Teil einer Studiengruppe, die sich mit einem allgemeinen Ansatz für KI in der Architektur befasst und hoffentlich irgendwann Richtlinien für die Arbeit mit KI in der Architektur in Wien und vielleicht sogar in ganz Österreich herausgeben wird.“

Die Zukunft der KI für Architekt_innen aktiv mitgestalten: Beim neu gegründeten vierteljährlichen Roundtable, an dem regelmäßig verschiedene Expert_innen wie Architekt_innen, Techniker_innen, Jurist_innen oder Künstler_innen teilnehmen und eine Art Konsortium bilden. Jede_r, der_die möchte, kann an diesem Roundtable teilnehmen. Für weitere Informationen bitte an Mariya Korolova (mariya.korolova@tuwien.ac.at) wenden.