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Drei „Emerging Fields“-Projekte mit Beteiligung der TU Wien

Die tiefsten Gesetze der Mathematik, die Strömungsmechanik von Mikroplastik und Selbstbestimmung in der Kunst: Drei neue Großprojekte werden vom FWF gefördert.

drei emerging fields Förderungen für die TU Wien

© TU Wien

Manche Forschungsthemen sind wagemutiger, innovativer und ungewöhnlicher als andere. Genau dafür hat der österreichische Wissenschaftsfonds FWF die Exzellenzinitiative „excellent=austria“ geschaffen. Die Förderschiene „Emerging Fields“ zielt auf interdisziplinäre Forschung ab, die das Potenzial hat, ganze Forschungsfelder neu zu prägen.

Am 9. März 2026 gab der FWF bekannt, welche Projekte diese Förderung erhalten – und die TU Wien ist gleich bei drei Projekten beteiligt. Es geht dabei um völlig unterschiedliche Themen: Um die Frage nach den Fundamenten der Mathematik, um Mikroplastik im Ozean und um Selbstbestimmung in der Kunst.

Die tiefsten Fundamente der Mathematik

Eine alte Diskussion wird im Projekt „UnAxiMa – Uncovering the Axioms of Mathematics“ mit modernen Methoden neu aufgegriffen. Es geht um die große Frage: Was sind die Grundregeln der Mathematik? Normalerweise leitet man aus bekannten mathematischen Fakten neue mathematische Fakten ab – aber was ist, wenn man diese logische Beweisführungskette bis zum allerersten Ursprung zurückverfolgt? Was sind die allertiefsten, nicht weiter begründbaren Grundgesetze der Mathematik?

Der Wiener Logiker Kurt Gödel revolutionierte mit solchen Forschungen im 20. Jahrhundert die Mathematik, besonders mit seinen berühmten „Unvollständigkeitssätzen“. Nun soll die Frage nach den tiefsten Gesetzen der Logik und der Beweisbarkeit interdisziplinär näher untersucht werden – mit Methoden aus der Informatik, der künstlichen Intelligenz und der Philosophie.

Geleitet wird das Projekt von Juan Aguilera (TU Wien), auch die Forschungsgruppen von Laura Kovacs, Sandra Müller und Michael Pinsker sowie Teams der Universität Wien sind beteiligt. Das Projekt erhält rund 7 Millionen Euro Förderung, davon etwa 5 Millionen Euro für die TU Wien.

Mikroplastik – vom Meer in die Luft

Mikroplastik findet man heute fast überall – im Meer, im Boden, sogar im menschlichen Körper. Das Projekt „Marine Micro/Nanoplastics: Emission, Fate and Health Impacts“ geht der Frage nach, wie Mikro- bzw. Nanoplastik aus dem Meer in die Atmosphäre gelangt und wie stark Menschen dadurch belastet sein könnten. Bisher ging man davon aus, dass die Ozeane quasi ein „Endlager“ für Mikroplastik sind. Heute zeigt sich allerdings: Das Plastik kann aus dem Wasser auch in die Luft und dann wieder ans Land geraten.

An der TU Wien wird Alfredo Soldati mit seinem Team die strömungsmechanischen Prozesse analysieren, durch die winzige Partikel in turbulenten Strömungen transportiert werden. Das wird helfen, die Rolle der Ozeane für das Mikroplastik besser zu verstehen – eine Frage, bei der die Einschätzungen bisher dramatisch weit auseinandergingen.

Geleitet wird das Projekt von der BOKU, neben der TU Wien ist auch die Universität Wien beteiligt. Das Projekt wird mit insgesamt rund 4,85 Millionen Euro gefördert.

Selbstbestimmt Gestalten

Auch am Projekt „Twist, Shift x Shake – Diversabilities for Art and Design (TSxS)“, das von der Kunstuniversität Linz geleitet wird, ist die TU Wien beteiligt. Das Projekt untersucht, welche neuen Perspektiven entstehen, wenn unterschiedliche körperliche und kognitive Fähigkeiten nicht als Sonderfall betrachtet werden, sondern als methodische Grundlage für Design- und Kunstforschung fungieren.

Von Seiten der TU Wien bringt Katta Spiel Expertise im Bereich Mensch-Computer-Interaktion ein. Das Projekt wird mit rund 6,1 Millionen Euro gefördert.