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Lappeenranta University of Technology, Finnland, Sommersemester 2025/26
Noémi Vadász
Mai 2026
Eine Woche in Finnland – meine BIP-Erfahrung an der Lappeenranta University of Technology
Da die Möglichkeiten für Kurzzeitmobilitäten weniger Aufmerksamkeit erhalten als Austauschsemester, wollte ich mit meinem Erfahrungsbericht erzählen, wie super BIPs sind und wie sie ablaufen.
Ich habe von dem BIP auf der EULiST-Webseite unter „Student Opportunities“ erfahren und mich beim International Office der TU Wien beworben. BIPs – Blended Intensive Programs – beinhalten eine Online-Komponente und eine Präsenzkomponente. Nachdem ich für das Programm angenommen wurde, musste ich an drei Zoom-Meetings teilnehmen, in denen wir eine Einführung in das Thema erhielten und in multikulturelle Teams eingeteilt wurden. Dass wir ein buntes Team sind, zeigte sich bereits in diesen Meetings: mit Teilnehmenden aus Athen, Brünn, L’Aquila, Bratislava, Hannover, Palaiseau und aus Finnland. Jaana, unsere Projektkoordinatorin, erzählte uns interessante Fakten über Finnland und stellte die Programmpunkte vor.
Das Thema lautete „Developing Global Citizenship through Interculturality and Sustainability“, und ich wusste anfangs nicht wirklich, was ich erwarten sollte. Während der Woche arbeiteten wir jedoch durch interaktive Workshops an Soft Skills, die während eines Ingenieurstudiums leider oft in den Hintergrund rücken. Mit situativen Spielen und Präsentationen haben wir die „Sustainable Development Goals“ erarbeitet und wirklich verstanden, was sie zum Ziel haben. Kleine Anmerkung: Finnland ist Nummer 1 in der Umsetzung dieser Ziele, was diesem Block sehr viel Glaubwürdigkeit verlieh. Wir lernten zudem verschiedene Führungsstile kennen, erkannten kulturelle Differenzen sowie Vorurteile und arbeiteten an unserer Zusammenarbeit in den multikulturellen Teams. Diese Themen werden leider viel zu oft nur oberflächlich besprochen. Es ist nicht einfach, sie in der Tiefe zu behandeln, doch dieses Mal war es sehr erfolgreich, und ich fühle mich besser ausgerüstet für interkulturelle Aufgaben, die meine zukünftige Karriere wohl beinhalten wird.
Soviel zum Thema – jetzt einiges zu Finnland und zur Erfahrung an der LUT.
Lappeenranta liegt östlich von Helsinki. Nachdem man am super modernen Flughafen – der bereits mehrmals als bester Flughafen Europas in seiner Größenkategorie ausgezeichnet wurde – in Helsinki ankommt, bemerkt man gleich den Unterschied: viele Holzmöbel, ein Spielbereich für die Kleinen, ein Second-Hand-Laden. Das waren die ersten Zeichen, dass wir uns in der nachhaltigsten Stadt der Welt befinden (GDS 2025). In knapp drei Stunden ist man in Lappeenranta, wo es sofort ruhiger wird, da die Stadt nur 73.000 Bewohnerinnen und Bewohner hat.
Nach der Übernahme des Zimmers – welches von der Uni organisiert wurde und mit 215 EUR für 6 Nächte inklusive Frühstück sehr preiswert war – trafen wir auf dem Flur einige der anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer und erkundeten gleich die Stadt. Die gute Stimmung gab einen ersten Vorgeschmack auf die Woche, allerdings waren wir alle gespannt auf den Start am Montag.
Am Montag nahmen wir den Bus zum Campus und konnten uns das Gelände kurz ansehen: Die Uni sieht ganz anders aus, als man es gewohnt ist. Riesige Räume, Ausblick auf den angrenzenden Wald, viele gemütliche Relax-Ecken und Single-Boxen mit Schallisolierung für ungestörte Zoom-Meetings. Es war atemberaubend.
Gleich zu Beginn gab es Vorträge zur ersten Projektarbeit, die auf einer Online-Recherche basierte. Es gab 40 neue Gesichter, und das eigene Team sah man zum ersten Mal in Präsenz – das war eine herausfordernde Aufgabe für den ersten Tag. Um die Stimmung am Abend aufzulockern, gingen wir zusammen in ein Restaurant, wo die LUT uns ein köstliches Essen finanzierte.
Ab Dienstag trafen wir uns immer um 8:15 Uhr an der Uni. Für den Hin- und Rückweg zum Campus bildete sich schnell eine Fahrradfahrgemeinschaft, und wir konnten die schönen Wege zwischen den Bäumen mit Aussicht auf den See genießen. Tagsüber hörten wir uns Präsentationen an und nahmen an Workshops teil, mit einer Mittagspause in der Unimensa, wo man als Studierender für 3,10 EUR unbegrenzt viel essen und trinken konnte. Für den Nachmittag waren verschiedene Programme organisiert, oder wir hatten Freizeit. So waren wir am Dienstag auf einer Schifffahrt auf dem Saimaa-See, wo wir ein finnisches Menü mit Lachs, Roggenbrot und Heidelbeertorte genossen. Am Mittwoch waren wir direkt auf einem „Biotrail“ der Uni, der uns bis zur universitätseigenen Sauna am See führte: Wir hatten also die Möglichkeit, gleich nach dem Saunieren in den See zu gehen, der allerdings nicht wirklich warm war… Das war ein Highlight der Woche! Zum Abschluss spielten wir ein finnisches Spiel, bei dem man auf unebenem Gelände mit einem Holzstück nummerierte Holzklötze aus einer gewissen Entfernung treffen und Punkte sammeln musste. Das hat sehr viel Spaß gemacht!
Am Donnerstag arbeiteten wir fleißig an unserem Projekt: dem Design einer Sammelbox für gebrauchte Textilien inklusive Marketingkampagne. Die Abende verbrachten wir immer gemeinsam, kochten, spielten Brettspiele oder unterhielten uns einfach. Diese Abende waren so schön und voller toller Gespräche.
Am Freitag wurden die Projekte vorgestellt und Preise verliehen – ich habe sogar einen der individuellen Preise für aktive Mitarbeit gewonnen und durfte eine Tasse der Leibniz Universität Hannover mit nach Hause nehmen. Mit einem Business-Lunch im Restaurant der Universität wurde das Programm abgeschlossen, und wir mussten uns von Jaana und unseren Lehrerinnen und Lehrern verabschieden.
Unsere Abschlussparty feierten wir in einer Karaoke-Bar – typisch für Finnland, die Finnen gehen sogar oft alleine in Karaoke-Bars – und verbrachten dort die ganze Nacht.
Am Samstag verließen wir alle Lappeenranta; einige fuhren nach Hause, andere schauten sich noch weitere Städte in der Nähe an. So bin ich auch noch nach Helsinki und Tallinn gereist, bevor ich die Heimreise antrat.
Es war eine richtig tolle Auslandserfahrung; ich habe viele Freundschaften geknüpft und viel über interkulturelle Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit gelernt. Ich kann jedem ein BIP empfehlen, da es ein intensiver Austausch ist, der weniger organisatorischen Aufwand bedeutet als ein Auslandssemester und zudem gut finanziert wird, sodass man mit dem Geld sehr gut auskommt. Die fünf verdienten ECTS-Punkte sind ebenfalls ein sehr guter Anreiz :).
Danke an die TU Wien und die LUT, insbesondere an Jaana Häkli, die sich extrem um uns gekümmert hat, damit wir eine tolle Erfahrung in Finnland haben konnten.

Der Uni-Campus

Innenraum an der Uni

Buffet im Schiff

Heidelbeertorte am See Saimaa

Biotrail-Wanderung

Biotrail-Wanderung

Lage der Sauna der LUT University

Finnisches Holzspiel vor der Sauna

Spiele am Abend

Business Lunch

Unsere ganze Gruppe

Die Gruppe mit Jaana

Abschlussabend in der Karaokebar