Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Wasserknappheit und Luftverschmutzung sind für junge Menschen keine abstrakten Begriffe mehr, sondern erlebbare Realität. Das Stockholm Resilience Centre, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster beschreibt mit den neun planetaren Grenzen jenen sicheren Handlungsraum, in dem die Menschheit dauerhaft leben kann – vom Klimawandel über Süßwassernutzung, Stickstoff- und Phosphorkreisläufe bis zu sogenannten Novel Entities wie Kunststoffen und Chemikalien. Bereits sieben dieser neun Grenzen gelten heute als überschritten.
Genau hier setzt P.L.A.N.E.T. an – die Abkürzung steht für Planetare Lösungen aus Natur-, Engineering- und Transformationswissen. Statt Krisen nur zu erklären, macht das Projekt sie greifbar und zeigt: Jede und jeder kann etwas bewegen.
Forschen statt zuhören
Über vier Semester arbeiten neun Schulklassen gemeinsam mit der TU Wien und Partner_innen aus Forschung und Praxis an je einer planetaren Grenze. In altersgerechten Workshops, Exkursionen und Projektarbeiten messen die Schüler_innen Treibhausgas- und Feinstaubeffekte, analysieren Gewässer, untersuchen Bodenprofile, konstruieren Schwammstadt-Modelle, recyceln Kunststoffe oder gestalten Biodiversitätsräume. Aus ihren Beobachtungen entwickeln sie eigene kleine Lösungsprojekte für ihren Schulalltag.
Der rote Faden ist dabei der vollständige Engineering-Zyklus: Die Kinder werden zu „P.L.A.N.E.T.-Engineers“ und durchlaufen den Weg vom Problem über Idee, Prototyp und Test bis zur Verbesserung. Festgehalten wird der Fortschritt im interaktiven P.L.A.N.E.T.-Engineering-Logbuch, das Reflexion und Selbstwirksamkeit sichtbar macht. Den Abschluss bildet ein öffentliches PLANET-Festival, bei dem die Klassen ihre Ergebnisse präsentieren.
Methodisch verbindet das Projekt Bildung für nachhaltige Entwicklung, Citizen Science, forschendes Lernen, Design-Thinking und Open Schooling. Inklusive Zugänge – einfache Sprache, multisensorisches Lernen und starke Visualisierung – senken die Einstiegshürde gezielt für jüngere Kinder, Integrationsklassen und Schüler_innen mit Deutsch als Zweitsprache. Sämtliche Materialien entstehen als frei nachnutzbare Open Educational Resources (OER), und MINT-Begeisterung wird bewusst unabhängig von Geschlecht und sozialem Hintergrund geweckt.
Wissenschaft und Praxis an einem Tisch
Getragen wird P.L.A.N.E.T. von einem Konsortium, das naturwissenschaftliche Forschung, technische Expertise und gesellschaftliche Vermittlung bündelt. Die Konsortialführung liegt bei Bianca Köck, Bettina Mihalyi-Schneider und Mayuki Cabrera Gonzalez vom Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und technische Biowissenschaften der TU Wien, gemeinsam mit Lisa Schardt, Thomas Koch und Vasiliki-Maria Archodoulaki vom Institut für Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnologie.
Dazu kommen Partner_innen aus Forschung und Praxis
- WasserCluster Lunz – interuniversitäres Zentrum für Gewässerökologie
- BioBase – ökologische Innovation, Boden- und Pflanzenanalytik
- Krawall – Verein für Wissenschaftskommunikation und nachhaltige Lebensräume
- Thinkubator – Kreislaufwirtschaft und Transformationspädagogik
- Precious Plastic Vienna – Kunststoffrecycling und Maker Space
Die beteiligten Schulen
Neun Klassen aus sieben Bildungseinrichtungen in Wien und Niederösterreich sind von Anfang an dabei
- VS Ebreichsdorf, Ebreichsdorf, Niederösterreich
- MS Jakob Thoma, Mödling, Niederösterreich
- GTVS 3 Landstraßer Hauptstraße, 3.Bezirk, Wien
- MS Liselotte-Hansen-Schmidt, 22.Bezirk, Wien
- WMS Kauergasse, 15.Bezirk, Wien
- MS Selzergasse 25, 15.Bezirk, Wien
- Wienerwaldgymnasium Tullnerbach, Tullnerbach, Niederösterreich
Fördermöglichkeit für Schulen
Auch Schulen außerhalb des Konsortiums können mitmachen: Über zehn Kooperationszuschüsse zu je 1.000 Euro setzen Pädagog_innen eigene, thematisch anschlussfähige Projekte rund um die planetaren Grenzen um.
Aufbauend auf erprobter Erfahrung
P.L.A.N.E.T. steht auf einem soliden Fundament: Die beiden TU-Fachbereiche haben zuvor bereits gemeinsam das Projekt CirKuS – Kunststoffe in der Kreislaufwirtschaft machen Schule erfolgreich abgeschlossen. Zwei Jahre lang setzten sich dabei 13 Wiener Schulklassen mit nachhaltigem Konsum und Kreislaufwirtschaft auseinander. Die dort entwickelten Methoden und Lehrmaterialien, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster – von Stundenbildern bis zu fertigen Experimentieranleitungen – stehen Lehrkräften weiterhin frei zur Verfügung.
Gemeinsam mit weiteren Fakultäten führen die beiden Fachbereiche zudem den Co-Creationspace Transformer, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster in einen Leerstand am Rennweg: einen offenen Ort, an dem Forschende, Studierende und Mitarbeiter_innen der TU Wien gemeinsam mit Unternehmen ihre Begeisterung hands-on an Kinder und Jugendliche weitergeben.
Mitwirken und Wissen weitergeben
Der Transformer wächst mit den Menschen, die ihn mitgestalten. Eingeladen sind alle, die
- ihre Begeisterung und Forschungsthemen mit Kindern und Jugendlichen teilen wollen
- Dissemination in ihren eigenen Projekten näher an die Gesellschaft bringen möchten, oder
- mit ihrem Know-how helfen können, Klima, Kreislaufwirtschaft und Energie im Gebäude erlebbar zu machen
Aufbauend auf der Kreislaufwirtschaft freut sich das Team auch über Materialien, Geräte und Know-how aus abgeschlossenen Wissenschaftsvermittlungs-Projekten oder aus Disseminationsteilen anderer Forschungsbereiche – vieles davon lässt sich hervorragend weiternutzen, statt es verfallen zu lassen.
Über das Projekt
P.L.A.N.E.T. ist ein Projekt der TU Wien unter der Projektleitung: Bianca Köck (Laufzeit 01.06.2026 – 30.09.2028). Es wird im Rahmen von „Talente regional“ der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) im Auftrag des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) gefördert.
Mehr zum Projekt
planet.project.tuwien.ac.at, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster
Kontakt: bianca.koeck@tuwien.ac.at

