Sustainable Supply Chain Networks

Zusammenfassung

Der Klimawandel stellt heute weltweit Staaten und Gemeinschaften vor große soziale, ökologische und ökonomische Herausforderungen. In der Hoffnung den evident gewordenen Veränderungsprozess unter Kontrolle zu bekommen setzen viele Rechtsgemeinschaften auf zunehmend striktere Gesetze hinsichtlich Energieeffizienz und Emission von Treibhausgasen. Besonders betroffen von diesen Maßnahmen ist die Automobilindustrie, die sich mit steigenden ökologischen Anforderungen sowohl hinsichtlich ihrer Produkte als auch ihrer Produktionsprozesse konfrontiert sieht. Das Forschungsprojekt „Sustainable Supply Chain Networks“, welches als gemeinsame Initiative von Magna International Europe und dem Forschungsbereich Finanzwirtschaft und Controlling des Instituts für Managementwissenschaften der TU Wien durchgeführt wird, widmet sich der Betrachtung der ökologischen Nachhaltigkeit im Sinne der Reduktion von Treibhausgas-Emissionen über die gesamte Lieferkette. Dabei werden einerseits einem Kernthema von Industrie 4.0, der Vernetzung zu sogenannten Cyber-Physical-Systems, und andererseits den stetig steigenden Anforderungen hinsichtlich einer ökologisch nachhaltigen Produktion von Gütern Rechnung getragen. Kern des Forschungsprojekts ist die optimale Ausgestaltung eines Netzwerks von Produktionsstätten hinsichtlich Nachhaltigkeits- und Kostenkriterien innerhalb der Supply Chain von Magna Europe. Zu diesem Zweck wird ein automationsgestütztes, selbstkalibrierendes mathematisches Modell, welches das europäische Wertschöpfungsnetzwerk von Magna als Sequenz von Entscheidungen hinsichtlich Standort, durchgeführten Prozessen, Lagerkapazitäten, sowie produzierten und transportieren Gütermengen abbildet, erstellt. Die Validierung und Verifizierung des Modells erfolgt anhand einer prototypischen Implementierung für die Produktion von Stoßfängern in Deutschland, welche an OEM Standorte in Finnland und Ungarn verschickt werden. Dabei soll untersucht werden ob eine Auslagerung von Teilen der Fertigung in lokale Produktionsstätten, sogenannte Satelliten, die CO2-Bilanz positiv beeinflusst und ggf. sogar zur mittelfristigen Einsparung von Kosten führt. Aus diesem umfassenden Gesamtziel ergeben sich wiederum eine Reihe von Teilproblemen:

Die Entwicklung eines CO2-bewussten mathematischen „Sustainable Supply Chain Network“-Modells, die Entwicklung und prototypische Implementierung einer prozessorientierten Netzwerkkostenrechnung, die Modellierung, Beschaffung, Bereinigung und Bereitstellung von Kalibrierungsdaten in einer Datenbank sowie die automationsgestützte Formulierung und Lösung des Optimierungsproblems.

Dem interessierten Leser seien mit Daskin (2013), Srivastava (2007) und Tang (2006) ein umfassendes Werk zum Thema Netzwerk- und Standortoptimierung genannt sowie Literaturbesprechungen betreffend Nachhaltigkeit und Risikomanagement in Supply Chain Netzwerken empfohlen.

Des weiteren geben Christ & Burrit (2014) einen umfassenden Überblick über Materialfluss-Kostenrechnung.

Christ K. & Burrit R., 2014, Material flow cost accounting: a review and agenda for future research, Journal of Cleaner Production, http://dx.doi.org/10.1016/j.jclepro.2014.09.005, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster
Daskin M. S., 2013, Network and Discrete Location, Wiley
Srivastava S. K. , 2007, Green supply-chain management: A state-of- the-art literature review, International Journal of Management Review, Volume 9, Issue 1, 53– 80
Tang C. S., 2006, Perspectives in supply chain risk management International, Journal of Production Economics, Volume 103, 451-488