Forschung an der TU Wien – Von der Grundlage zur Anwendung

Vizerektor Forschung und Innovation

Der Vizerektor Forschung und Innovation koordiniert die Forschungsagenden der TUW und steuert die strategische Entwicklung der Forschung an der TU Wien.

Zuständigkeiten:

  • Forschungsstrategie
  • Forschungsschwerpunkte
  • Forschungssupport
  • Forschungsfacilities
  • Forschungsfinanzierung 

Er ist bei hochdotierten & interdisziplinären Forschungsprojekten und -investitionen einzubinden (Richtlinien), steuert die Forschungsbudgetierung und koordiniert die interne Forschungsförderung.

Die Forschung an der TU Wien stützt sich auf fünf Forschungsschwerpunkte. Diese fünf Säulen repräsentieren die langjährigen Stärken und Kompetenzen der TU Wien und schärfen so ihr Profil im internationalen Wettbewerb. Innerhalb dieser Forschungsschwerpunkte wird fakultätsübergreifend gearbeitet und das Forschungsspektrum laufend weiterentwickelt. Mit den Additional Fields gibt es noch zusätzliche, aber ebenso wichtige Forschungsfelder. Alle Forschungstätigkeiten sind in einer Matrix organisiert.

Vizerektor Forschung und Innovation

Kontakt

Univ.Prof.Dipl.-Ing.Dr.techn. Johannes Fröhlich

Karlsplatz 13, 1040 Wien
Büro: Stiege 1, 1. Stock, Büro des Rektorats

T +43-1-58801-406100
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Aus für Planet Pluto

Am 24. August hat die "International Astronomical Union" (IAU) bei ihrer Konferenz in Prag den Pluto zum Zwergplaneten degradiert. Eine umstrittene Entscheidung, wie TU-Astrophysiker Heinz Oberhummer meint.

 

Planetensystem

Planetensystem

Planetensystem

Heinz Oberhummer

Heinz Oberhummer

Heinz Oberhummer

Nach 76 Jahren hat Pluto als Planet ausgedient. Zumindest hat ihm die 26. Generalversammlung der "International Astronomical Union" (IAU) am 24. August in Prag diesen Rang aberkannt. Gemäß IAU-Definition muss ein Planet um einen Stern kreisen, darf dabei aber selbst kein Stern sein. Er muss ferner groß genug sein, dass die eigene Schwerkraft ihn in eine Kugelform zieht. Zudem muss er genug Masse haben, um seine Umlaufbahn von anderen Objekten freigeräumt zu haben. Letzteres trifft auf Pluto aber nicht zu. Demnach ist Pluto ein Zwergenplanet. Wir befragten TU-Astrophysiker Heinz Oberhummer zur aktuellen Debatte:

WS: Warum wurde Pluto just nach 76 Jahren "degradiert"?
HO: Die Diskussion läuft seit der Entdeckung von Xena im Jahr 2003, der etwas größer ist als Pluto, und damit auch die Krise um den Planetenstatus von Pluto auslöste. Der inoffizielle provisorische Name dieses Himmelskörpers ist "Xena", nach der Kriegerprinzessin in der gleichnamigen Fernsehserie. Einige traditionsbewusste und konservative Astronomen fanden das nicht gerade amüsant, weil Planeten üblicherweise nach Göttern und Göttinnen benannt wurden, wie zum Beipsiel der nach dem griechischen Gott der Unterwelt benannte Pluto. Inzwischen sind diese Namen jedoch ziemlich ausgegangen, weil auch kleinere Himmelskörper in unseren Sonnensystem, die so genannten Asteroiden zwischen Mars und Jupiter nach Göttern und Göttinnen benannt wurden. (Anmerkung siehe unten)

WS: Und woraus resultiert die jetzt einsetzende "Pro Pluto"-Bewegung?
HO: Einerseits lässt sich über die Definition streiten. Ein besonderer Gegner der neuen Regelung ist logischerweise auch Alan Stern , der Leiter der Weltraum-Mission zum Pluto "New Horizons". Er bezeichnet die Entscheidung Pluto zu einem Zwergplaneten zu degradieren als willkürlich. Insbesondere bekrittelt er auch das Kriterium für einen Planeten, "dass ein Planet seine Nachbarschaft durch seine Gravitation von kleineren Himmelskörpern leer geräumt haben muss". Genau an diesem Kriterium scheiterte Pluto. Allerdings hat auch die Erde 10000 erdnahe Asteroiden. Jupiter hat sogar 100.000 Asteroiden entlang seiner Bahn. Daher müsste sogar der größte Planet Jupiter des Sonnensystems zu einem Zwergplaneten degradiert werden. Inzwischen sind mehrere Initiativen unter Mitwirkung einiger renommierter Astronomen entstanden, um spätestens beim nächsten IAU-Kongress in drei Jahren Pluto den Planetenstatus zurück zu geben. Es kann nicht voraus gesagt werden, ob diese Bestrebungen von Erfolg gekrönt sein werden. Mike Brown, der Mitentdecker von Xena, war jedoch nicht unglücklich mit der Entscheidung. Obwohl Xena nicht in den Planetenstatus gehoben wurde, meinte er, dass er in die Geschichte eingehen würde als "der Kerl, der Pluto umgebracht hat". Nun ja, wer kann das schon von sich behaupten?

WS: Also ein rein akademischer Streit?
HO: Nicht unbedingt. Die Problematik hängt auch sicherlich wie manchmal in der Wissenschaft auch mit nationalen und persönlichen Eitelkeiten und Befindlichkeiten zusammen. Einerseits ist Pluto der einzige Planet, der von einem Amerikaner entdeckt wurde. Das weckt offensichtlich auch Nationalstolz.Andrerseits konnte sich im Vorfeld die Unterkommission der Internationalen Astronomischen Union (IAU) nicht zu einer Einigung durchringen. Einen Ausweg stellte dann die beim Kongress der IAU am 24. August in Prag vorgenommene Abstimmung dar. Bei dieser Abstimmung am letzten Tag des Kongresses, bei der Pluto seinen Planetenstatus verlor, waren nur mehr 428 Miglieder der IAU dabei, obwohl 2700 Astronomen an dem Kongress teilnahmen. Das sind sogar nur 4% der Gesamtzahl der Mitglieder der IAU. Das Ergebnis der Abstimmung Pluto zum Zwergplaneten zu degradieren kam auch für viele Astronomen überraschend und ist auch auf einen Putsch der "Dynamiker", die sich mit der Bewegung und Gravitationseffekten von Himmelskörpern beschäftigen, zurückzuführen. Diese waren nämlich bei den Beratungen der Unterkommission der IAU nicht kontaktiert wurden und fühlten sich dadurch beleidigt.

WS: Und was halten Sie persönlich von diesem Streit?
HO: Man sollte mit der einmal getroffenen Entscheidung leben. Falls man nämlich wie ursprünglich vorgeschlagen die Anzahl der Planeten auf 12 (zusätzlich Xena, der größten Asteroiden Ceres und der Mond von Pluto Charon) erhöht hätte, würde es am Ende des Jahrzehnts wohl weitere 100 Himmelskörper geben, die auch den Planetenkriterien entsprechen würden. Eine "Reform der Reform" ist auch wohl kaum vernünftig, weil sonst die Schulbücher gleich zwei Mal umgeschrieben werden müssten. Wir sollten es in dieser Beziehung nicht unseren Kollegen von der Germanistik bei der Rechtschreibreform nach machen.

Anmerkung: Inzwischen (13.09.2006) erhielt Xena den offiziellen Namen Eris. In der griechischen Mythologie ist Eris die Göttin der Zwietracht und des Streits, durch deren Intrige der Trojanische Krieg ausgelöst wurde. Der Name spiegelt die Kontroverse wider, die nach seiner Entdeckung schließlich zur Neudefinition des Begriffs Planet führte.

Linktipp: IAU