Schritte an der TU Wien

Autorschaft, Vermeidung von Konflikten und interne Bewertung/Untersuchung

Uneinigkeiten in Forschungskooperationen sind keine Seltenheit, aber einige davon lassen sich vermeiden. Beispielsweise können Fragen der Autorschaft in Artikeln mit mehreren Autor_innen zu Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten führen, wenn nicht alle Mitautor_innen von Anfang an aktiv an der Festlegung ihrer Rollen, Beiträge und Verantwortlichkeiten beteiligt waren. An der TU Wien empfehlen wir, die geplanten Beiträge, Rollen und Verantwortlichkeiten aller Mitautor_innen bereits in der frühen Planungsphase eines Manuskripts zu dokumentieren. Ein solches Dokument kann während des Schreibprozesses überprüft und relevante Änderungen dokumentiert werden, damit alle Mitwirkenden erneut zustimmen können. CRediT (Contributor Roles Taxonomy; credit.niso.org, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster) Author Statements können als hilfreiches Instrument verwendet werden (verfügbar z. B. hier: zenodo.org/records/5668289, öffnet eine externe URL in einem neuen Fensterijast.org/credit-author-statement/), öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster.

 

Was tun, wenn trotz aller Bemühungen nicht alles ohne Reibungen verläuft?

Wenden Sie sich in diesem Fall an den Fachbereich Responsible Research Practices, um eine Beratung zu erhalten. In einem persönlichen Gespräch können Sie in Ruhe mit einer Person, die über Expertise in Forschungsethik und -integrität verfügt, über Ihre Bedenken sprechen und den Kontext Ihrer Problematik erläutern.

Bei dieser Beratung haben Sie die Möglichkeit, Ihre Anliegen und Sorgen offen zu äußern und sich über die Möglichkeiten zur Lösung von Streitfragen an der TU Wien zu informieren. Vor allem aber können Sie Ihre Bedenken in einen Kontext stellen und alle relevanten Punkte darlegen. Ohne einen detaillierten Überblick über den Kontext (Worum geht es bei der Arbeit? Wer ist beteiligt? Wer nimmt welche Rolle in diesem Zusammenhang ein? Gibt es Fördermittel oder andere Verpflichtungen? Wer hat die Finanzierung erhalten?) ist es nicht möglich, die Situation zu beurteilen oder eine angemessene Beratung anzubieten. Aus diesem Grund bietet der Fachbereich Responsible Research Practices auch keine schriftlichen Fertiglösungen für spezifische Fragen zu bestimmten Konflikten an. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass persönliche Beratung geschätzt wird. Denn hier bietet sich die Chance, gleichzeitig sowohl über ein potenziell belastendes Thema zu sprechen als auch Möglichkeiten zur Lösung des Problems zu vergleichen. Manchmal hilft schon ein solches vertrauliches Gespräch allein, die Dinge ins rechte Licht zu rücken.

 

Welche Optionen stehen bei Auseinandersetzungen zur Verfügung?

Nach der obligatorischen Beratung gibt es drei interne Optionen, um weiter vorzugehen.

  • Moderierte Sitzung. Eine moderierte Sitzung eignet sich zur Lösung von Meinungsverschiedenheiten in der frühen Phase eines Disputs. Dies ist der Fall, wenn alle Beteiligten bereit sind, das vorliegende Problem gemeinsam zu lösen. Die Sitzung kann beispielsweise von den Dekan_innen geleitet werden. Es sollten Unterlagen über die Art der Streitigkeit, die Teilnehmenden der Sitzung und das Ergebnis der Sitzung geführt werden.
  • Mediation. Bei komplexeren Auseinandersetzungen kann eine Mediation erforderlich sein. In diesem Fall stehen über die TU Wien professionelle und unparteiische Mediator_innen zur Verfügung. Ein Mediationsverfahren kann mit getrennten Sitzungen zwischen Mediator_innen und den beteiligten Personen beginnen, da der Konflikt möglicherweise ein Stadium erreicht hat, in dem ein Dialog zwischen den beteiligten Personen nicht mehr einfach ist.
  • Interne Begutachtung/Untersuchung. Eine interne Bewertung oder Untersuchung kann erforderlich sein, wenn andere Versuche, das Problem zu lösen oder eine Einigung zu erzielen, gescheitert sind und/oder abgelehnt wurden. In diesem Fall kann die_der Vizerektor_in für Forschung, Innovation und Internationales auf Antrag einer beteiligten Partei oder auf Empfehlung der_des Senior Advisor for Research Ethics and Integrity eine interne Bewertung einleiten, die von einer Ad-hoc-Kommission durchgeführt wird, die sich aus 3-5 unparteiischen leitenden Fakultätsmitgliedern zusammensetzt. Die Aufgabe der Kommission besteht darin, die von den Streitparteien vorgelegten relevanten Unterlagen zu prüfen, jeder Partei bei Bedarf die Möglichkeit einer persönlichen Anhörung zu geben, zu beraten und der_dem Vizerektor_in eine Empfehlung vorzulegen. Die_der Vizerektor_in kann am Ende des Verfahrens eine Entscheidung verkünden. Die Koordination des internen Begutachtungsverfahrens erfolgt durch die_den Senior Advisor for Research Ethics and Integrity, unterstützt durch das Team des Fachbereichs Responsible Research Practices.

Um Unparteilichkeit zu gewährleisten, werden die Mitglieder der Ad-hoc-Kommission für jeden Fall separat nominiert.

Bei der Beurteilung von Fragen der Forschungsintegrität stützt sich die TU Wien auf die nationale ÖAWI-Richtlinie (2015) (https://oeawi.at/en/guidelines/, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster) und den Europäischen Code of Conduct für wissenschaftliche Integrität (ALLEA-Kodex) (2023) (https://allea.org/portfolio-item/european-code-of-conduct-2023/, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster).

In Fällen, die nicht im Rahmen eines internen Bewertungsverfahrens gelöst werden können, kann das Vizerektorat für Forschung, Innovation und Internationales den Fall zur Untersuchung an die Österreichische Agentur für Wissenschaftliche Integrität (ÖAWI) weiterleiten.