News zum Forschungsdatenmanagement

Datenmanagement aus Sicht unserer Forschenden

Was wissen die Forschenden der TU Wien über Forschungsdatenmanagement (FDM)? Was läuft gut, welche Erwartungen und Bedürfnisse gibt es?

Forschungsdatenzyklus

Forschungsdatenzyklus

Zur Beantwortung dieser Fragen haben wir 25 Forschende der TU Wien interviewt und zusätzlich eine österreichweite Online-Umfrage aus dem Jahr 2015 auf TU Wien-Ebene ausgewertet. Die Ergebnisse geben einen Einblick in die aktuelle Situation und helfen uns im Zentrum für Forschungsdatenmanagement bei der Entwicklung maßgeschneiderter Services.

Datenarten und Datenmanagement

Ebenso vielseitig und breit gefächert wie die Forschungstätigkeiten an der TU Wien sind auch die Daten, mit denen die Forschenden zu tun haben. Das bezieht sich sowohl auf die Herkunft als auch auf das Format der Daten. Der überwiegende Anteil der befragten Forschenden generiert digitale Inhalte in Form von Textdokumenten (z.B. .doc), Grafiken, Bildern oder Tabellenarbeitsblättern. Außerdem sind Quellcode und strukturierter Text (z.B. .txt) häufig das Ergebnis von Forschungsprozessen, bei ungefähr einem Drittel der Befragten auch Software Applikationen. Jeweils etwa ein Fünftel der Umfrageteilnehmer geniert Datenbanken oder Videos.

Gut aufgestellt sind die meisten Forschenden bei der sicheren Speicherung von Forschungsdaten und dem Datenaustausch mit anderen (z.B. über die TUproCloud). Defizite gibt es dagegen in den Bereichen, die über die eigentliche Projektphase hinaus wirken: das FDM erfolgt in vielen Fällen ungeordnet, häufig fehlen zum Beispiel Daten-Dokumentationen, klare Zuständigkeitsregelungen und Konzepte für eine strukturierte Aufbewahrung der Daten, um diese zu einem späteren Zeitpunkt wiederfinden und nutzen zu können.

Publikation und Nachnutzung

Mehr als die Hälfte der befragten Forschenden ermöglicht Dritten den Zugriff auf ihre Daten. Weitergegeben werden die Forschungsdaten hauptsächlich innerhalb der TU Wien, auf Anfrage aber auch an externe Fachkollegen. Erfahrung damit, Forschungsdaten als Zusatzinformation zu einer Publikation zur Verfügung zu stellen, als Open Data der Öffentlichkeit uneingeschränkt zugänglich zu machen oder auch mit eingeschränkten Zugriffsmöglichkeiten in einem Repositorium zu veröffentlichen, haben dagegen nur wenige der Befragten. Entsprechend wenig bekannt sind die relevanten Angebote und Voraussetzungen (Nutzungslizenzen, FAIR-Prinzipien, Metadatenschemata, Persistente Identifikatoren etc.).

Eine Herausforderung im Hinblick auf die Nachnutzung der eigenen Daten durch Dritte ist neben der Eigentümerschaft und der Verwendung von kommerzieller (Mess-)Software mit eigenen Datenformaten die Sensibilität der Daten: Immerhin rund die Hälfte der Umfrageteilnehmer gibt an, oft oder manchmal sensible oder vertrauliche Daten zu erzeugen.

Die meisten der befragten Forschenden verwenden auch selbst Fremddaten für ihre Forschungstätigkeiten. Rechtliche Unklarheiten sind dabei für mehr als die Hälfte der Befragten nie oder nur selten ein Problem. Andere geben an, dass es manchmal oder sogar häufig Unsicherheiten gibt. Etwa ein Viertel der Befragten lässt diese Frage unbeantwortet.

Erwartungen und Bedürfnisse

Ein Kulturwandel zugunsten einer Nachnutzung von Daten und Software, auch im Sinne von Open Data, wird von einigen Gesprächspartnern erwartet und viele sind sich bewusst, dass das Thema Forschungsdatenmanagement nicht zuletzt aufgrund neuer Anforderungen von Fördergebern und Verlagen schon bald merklich an Bedeutung gewinnen wird. Darüber hinaus wird vermutet, dass die Interdisziplinarität in der Forschung und die interne und externe Vernetzung weiter zunehmen werden. Als wichtigste Anreize zum Teilen von Forschungsdaten werden neue Kontakt- bzw. Kooperationsmöglichkeiten, eine erhöhte Sichtbarkeit und Reputation sowie mehr Transparenz und eine verbesserte Reproduzierbarkeit der Forschung genannt.

In den Interviews wurde mehrfach die Meinung geäußert, dass ein umfassendes Forschungsdatenmanagement einen zusätzlichen Aufwand darstellt, der von den Forschenden alleine nicht zu bewerkstelligen ist. Die Umfrageteilnehmer wünschen sich in erster Linie technische Infrastruktur als unterstützendes Angebot für den Umgang mit Forschungsdaten, aber auch spezifische Unterstützung beim Datenmanagement und bei Rechtsfragen. Jeweils rund ein Viertel der Befragten wünscht sich Schulungsangebote und einen Helpdesk mit First Level Support.

Der in den Gesprächen geäußerte Weiterbildungs- und Beratungsbedarf der Forschenden bezieht sich sowohl auf die Grundlagen des FDM als auch auf praktische Hilfestellungen im Forschungsalltag (z.B. im Zusammenhang mit Datenmanagementplänen, Förderanträgen, Publizieren und Zitieren) und rechtliche Themen (Urheberrecht, Lizenzen, Anonymisierung etc.).

Technische Erwartungen und Wünsche wurden in den Interviews ebenfalls geäußert. Die Hälfte der Befragten hat sich zum Beispiel für die Einrichtung eines TU-eigenen Datenrepositoriums zur sicheren und langfristigen Aufbewahrung von Forschungsdaten ausgesprochen. Auch in der Online-Umfrage geben die meisten Befragten ein zentrales Datenarchiv der eigenen Institution als bevorzugte Archivart an, an zweiter Stelle werden internationale fachspezifische Datenarchive für das Teilen der Forschungsdaten favorisiert. Zusätzlich wurde wiederholt Interesse an einem institutionellen Code Repository (z.B. GitLab) an der TU Wien geäußert. Dieser Bedarf wurde erst kürzlich durch zahlreiche Eintragungen im TU.it Wish-Portal, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster bestätigt.

Zum Nachlesen:

Sánchez Solís, Barbara & Stork, Christiane. (2019). Forschungsdatenmanagement an der Technischen Universität Wien. Digitale Bibliothek der Universität Innsbruck. https://doi.org/10.25651/1.2019.0012, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster

Goraczek, Malgorzata Zofia, Sánchez Solís, Barbara, & Stork, Christiane. (2019). Forschende der TU Wien und ihre Daten. Darstellung der Ergebnisse der quantitativen Online-Befragung an der TU Wien (Version 1.0). Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.2668768, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster

Bauer, B., Ferus, A., Gorraiz, J., Gründhammer, V., Gumpenberger, C., Maly, N., Steineder, C. (2015). Forschende und ihre Daten. Ergebnisse einer österreichweiten Befragung – Report 2015. Version 1.2. Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.32043, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster

Kontakt

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Zentrum für Forschungsdatenmanagement
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