Wie kommt man von ausgezeichneten Ideen aus der Grundlagenforschung zu konkreter technologischer Anwendung? Mit einem ERC Proof of Concept Grant. Diese Förderschiene des European Research Council steht Forscherinnen und Forschern offen, die bereits mit einem ERC-Grant ausgezeichnet wurden. Wenn das ERC-Projekt besonders vielversprechende Ideen hervorgebracht hat, die nun in einem zweiten Schritt in Richtung Prototyp-Entwicklung, Patentierung oder Ausgründung weitergeführt werden können, kann ein solcher Proof of Concept Grant dabei helfen – dotiert mit 150.000 Euro, über eine Laufzeit von 18 Monaten.
Bei der diesjährigen Vergabe wurden gleich fünf Forschende der TU Wien ausgezeichnet: Hannes Mikula, Katharina Schröder, Benedikt Schwarz, Bernhard Bayer-Skoff und Maria Christakis erhalten diese prestigeträchtige Förderung, um aus bereits ERC-geförderter Spitzenforschung konkrete Anwendungsmöglichkeiten zu entwickeln.
bioACTIVATE: Wirkstoffe gezielt einschalten
Im Projekt bioACTIVATE entwickelt Hannes Mikula eine neue Generation der sogenannten Click-to-Release-Chemie. Sie kann dazu beitragen, Nebenwirkungen von Medikamenten zu reduzieren: Anstatt einen Wirkstoff einfach im gesamten Körper zu verteilen, wird er zunächst in einer inaktiven Form bereitgestellt. Genau dort, wo man ihn benötigt, wird er dann durch eine hochselektive chemische Reaktion freigesetzt. Grundlage dafür sind besonders reaktive bioorthogonale Moleküle, die im Rahmen von Mikulas ERC-Projekt bioTARGET an der TU Wien entwickelt wurden.
CARBOMED: Kohlendioxid als Rohstoff für pharmazeutische Chemie
Katharina Schröder verfolgt mit CARBOMED das Ziel, Kohlendioxid als nachhaltige Kohlenstoffquelle für die Herstellung wichtiger pharmazeutischer Verbindungen zu nutzen. Im Zentrum stehen Amide – chemische Bausteine, die in sehr vielen Wirkstoffen vorkommen, deren Herstellung aber oft mit Abfall, problematischen Hilfsstoffen oder gefährlichem Kohlenmonoxid verbunden ist. CARBOMED soll eine integrierte, automatisierte Plattform entwickeln, in der CO₂ elektrochemisch umgewandelt und anschließend direkt für die Synthese solcher Verbindungen genutzt wird.
CAMIRA: Kompakte Laser für den molekularen Fingerabdruck
Benedikt Schwarz arbeitet im Projekt CAMIRA an neuartigen, abstimmbaren Lasern im mittleren Infrarotbereich. Dieses Licht ist für die chemische und biomedizinische Spektroskopie besonders wichtig: Viele Moleküle absorbieren ganz bestimmte Infrarot-Wellenlängen – dadurch kann man sie sehr zuverlässig nachweisen. Bisher sind leistungsfähige Systeme dafür oft groß, teuer und mechanisch komplex. CAMIRA soll zeigen, dass sich vergleichbare Funktionen auf einer viel kleineren und robusteren integrierten Photonik-Plattform realisieren lassen.
ScaleHES: Neue Materialien für Energie, Reibung und Elektronik
Bernhard Bayer-Skoff entwickelt mit ScaleHES die Synthese sogenannter Hochentropiesulfide weiter. Dabei werden mehrere unterschiedliche chemische Elemente in einem einzigen Material so kombiniert, dass neue Eigenschaften entstehen können. Solche Materialien sind für nachhaltige Energietechnologien, Beschichtungen oder elektronische Anwendungen interessant, lassen sich bisher aber nur in kleinen Mengen herstellen. ScaleHES soll die Produktion dieser neuartigen Materialklasse so weit hochskalieren, dass realistische Anwendungstests möglich werden.
CIRCUZZ: Automatische Fehlersuche für besonders sichere Kryptographie
Maria Christakis entwickelt mit CIRCUZZ neue Werkzeuge, um sogenannte Zero-Knowledge-Systeme automatisch zu testen. Solche kryptographischen Verfahren erlauben es, eine Aussage zu überprüfen, ohne die zugrunde liegenden Daten offenzulegen – etwa: Eine Person kann beweisen, dass sie zu einer bestimmten Aktion berechtigt ist, ohne alle persönlichen Informationen preiszugeben. Das ist für digitale Identitäten, Blockchain-Systeme und datenschutzfreundliche Anwendungen hochattraktiv, aber die Software dahinter ist äußerst komplex. CIRCUZZ soll Entwicklerinnen, Entwicklern und Sicherheitsprüfern helfen, Fehler automatisch aufzuspüren.
