Die TU-Forscherin, die sich wissenschaftlich mit Lasern und Materialforschung beschäftigt, bereitet sich auf eine Analog-Mission vor, in der man Erfahrung für Flüge zum Mars sammeln will.
Hat sie als Kind davon geträumt, Astronautin zu werden? „Eigentlich nicht“, meint Claudia Gollner. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das schaffen könnte.“ Aber sie liebt Herausforderungen – in ihrer Forschung, am Institut für Photonik der TU Wien, wie auch im Privatleben. Und eine ganz besondere Herausforderung hat sie nun angenommen: Sie trainiert derzeit für eine Analog-Mars-Mission des Österreichischen Weltraum Forums (ÖWF), die 2027 in Portugal stattfinden wird.
Laserpulse und 2D Materialien
Claudia Gollner studierte Physik an der JKU Linz und am Imperial College in London, bevor sie an die TU Wien wechselte, wo sie 2022 ihre Dissertation abschloss. Für diese Arbeit wurde sie mit dem „Award of Excellence“ ausgezeichnet, einem österreichischen Staatspreis für die besten Dissertationen. Als Postdoc arbeitete sie dann an der Stanford University in den USA, 2025 kehrte sie ans Institut für Photonik der TU Wien zurück.
Dort arbeitet sie mit Laserpulsen, die sie auf bestimmte Materialien schießt, um auf diese Weise zum einen die Bewegung von Elektronen zu untersuchen und zum anderen um die optischen und elektronischen Eigenschaften der Materialen gezielt zu manipulieren. Das Forschungsgebiet ermöglicht technologische Durchbrüche im Bereich der Nanoelektronik, Optoelektronik, Sensorik, Quantencomputer, sowie in der Energie- und Datenspeicherung und verbindet Grundlagenforschung mit anwendungsorientierten Problemstellungen.
Ausgewählt aus hunderten Bewerbungen
Durch einen Hinweis ihrer ehemaligen Professorin aus Linz stieß Claudia Gollner dann auf das Mars-Projekt des ÖWF: Gesucht werden dafür Menschen mit technisch-wissenschaftlichem Talent, die gleichzeitig in der Lage sind, extremen körperlichen und psychischen Belastungen standzuhalten – eine Herausforderung ganz nach dem Geschmack von Claudia Gollner.
Sie bewarb sich für die Analog-Marsmission und wurde aus hunderten Personen aus ganz Europa ausgewählt. Als einzige Österreicherin wird sie nun zusammen mit fünf Kolleginnen und Kollegen für die Mission ausgebildet. Neben einem körperlichen Trainingsprogramm gehört dazu auch ein Intensivkurs über Weltraumtechnik und Wissenschaft – von Geologie und Planetologie bis hin zu Stressmanagement. Dafür reist Claudia Gollner nun regelmäßig nach Innsbruck, wo diese Schulungen stattfinden. Im Herbst 2026 wird das Training abgeschlossen sein.
Dann wird sich auch entscheiden, ob Claudia Gollner gleich bei der nächsten Analog-Marsmission 2027 mit dabei sein wird. Falls nicht, wird es bald darauf eine weitere Chance geben.
Technik, ganz nah am echten Marsflug
Bei diesen Missionen verbringt das Team zwei bis vier Wochen in einem abgeschirmten Habitat und arbeitet mit vielen der technischen Geräte, die man auch bei einer echten Marsmission verwenden würde, oder zumindest das Leben im Weltraum möglichst gut simulieren. Das Habitat wird nur mit Raumanzug-Simulatoren verlassen, sie sind mit speziellen Exoskelett-artigen Strukturen ausgestattet, durch die jede Bewegung noch einmal mühsamer wird.
Auch die Kommunikationstechnik simuliert die Bedingungen, die bei einer Marsmission zu erwarten wären: Das Mission Support Zentrum befindet sich in Wien, Funksprüche in beide Richtungen werden aber künstlich um ungefähr zehn Minuten verzögert. Man muss also auf die Antwort der Zentrale eine Weile warten, genau wie auf dem Mars.
„Ich finde es großartig, auf diese Weise so viele spannende Leute kennenzulernen, von denen man viel lernen kann, und die Weltraumforschung ein Stück voranzutreiben“, sagt Claudia Gollner. Ob sie gerne eines Tages auch bei einer echten Mission zu unserem Nachbarplaneten mit dabei wäre? „Eine Marsmission würde mindestens 2 Jahre dauern, da müsste ich mit meiner Familie verhandeln. Auf den Mond würde ich mich aber jederzeit schießen lassen.“
Mehr über die Mission
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Rückfragehinweis
Dr. Claudia Gollner
Institut für Photonik
Technische Universität Wien
+43 1 58801 38777
claudia.gollner@tuwien.ac.at
Text: Florian Aigner