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Wer macht die Architektur?

Das Berufsfeld Architektur, seine Vorteile und Nachteile, typische Karrierewege und ihre Verzweigungen wurden in einer Studie der TU Wien untersucht: Die Branche ist bunter als man meinen könnte.

tellte, Selbstständige und Freischaffende nach Altersgruppen

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tellte, Selbstständige und Freischaffende nach Altersgruppen

Architekturkarrieren unter der Lupe: Wie sehen Karrieren in der Architekturszene aus?

Architekturkarrieren unter der Lupe: Wie sehen Karrieren in der Architekturszene aus?

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Angestellte, Selbstständige und Freischaffende nach Altersgruppen

Angestellte, Selbstständige und Freischaffende nach Altersgruppen

Was bedeutet es eigentlich, im Architekturbereich zu arbeiten? Es gibt Studienrichtungen, in denen man auf ein klar festgelegtes Berufsbild hin ausgebildet wird – Architektur gehört nicht unbedingt dazu. Mit einer Architektur-Ausbildung kann man in ganz unterschiedlichen Bereichen Karriere machen. An der TU Wien wurde nun untersucht, wie das Berufsfeld Architektur heute in der Praxis aussieht, erstmals liegen nun Daten über das gesamte Berufsfeld vor. Eine Studie dazu wird am 13. März präsentiert.

Kreativ sein kann man überall
„Architektur ist nicht nur einer der stärksten Bereiche der Österreichischen Kreativwirtschaft,  sondern gleichzeitig auch eine Kunst und eine Wissenschaft“, sagt Oliver Schürer vom Fachbereich Architekturtheorie der TU Wien. Von 2004 bis 2014 untersuchte er in forschungsgeleiteter Lehre in einem Seminar mit zahlreichen Studierenden die Praxis des Alltags in der Architekturbranche. „Das Ziel war,  Architektur als gesellschaftliche Sphäre zu studieren. Diese Sphäre ist gleichzeitig auch Szene, Branche, Lebenshaltung und Erwerbsarbeit. Bei Architektur handelt es sich um ein Feld, in dem viele Schichten von gesellschaftlichen und kulturellen Bedeutungen verknüpft sind“, sagt Oliver.

Aufgrund der im Vergleich mit anderen Branchen unglaublich engen Verknüpfung zwischen Privatleben und Erwerbswelt wurden beide Bereiche gemeinsam untersucht. Mit Online-Fragebögen wurden Daten gesammelt und statistisch ausgewertet, Interviews mit ausgewählten Personen aus unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen der Architektur wurden geführt.

Dabei zeigte sich: Die „typische Job-Description“ gibt es in der Architektur nicht. Vom klassischen Planen und Entwerfen über künstlerisches Gestalten bis hin zu Tätigkeiten, die mit Architektur auf den ersten Blick wenig zu tun haben – die Bandbreite von Gebieten, auf denen die befragten Personen erfolgreich sind, ist groß. Nur etwa 40% der Architekturschaffenden bestreiten ihren Lebensunterhalt ausschließlich mit typischen Architekturleistungen. Die anderen 60% mischen kreative Tätigkeiten unterschiedlichster Art, die meist Ähnlichkeiten mit den typischen Leistungen in der Architektur aufweisen, etwa das Erzeugen von Renderingbildern.

Auch die Art der Beschäftigungsverhältnisse variiert: „Die jungen Leute, die auf den Arbeitsmarkt kommen, raufen sich um die wenigen klassischen Angestelltenverhältnisse und müssen ihre Tätigkeit oft freiberuflich ausüben. Doch wenn man ältere Personengruppen ansieht, stellt man fest: Dort wird der Anteil der Selbstständigen, etwa mit eigenen Ziviltechnikerbüros, oder der Anteil der Freischaffenden immer größer“, berichtet Oliver Schürer. Doch auch im ersten Jahrzehnt nach dem Studium gibt es bereits einen hohen Anteil von Selbstständigen (38%) und Freiberuflern (27%), verglichen mit dem Anteil der Angestellten (35%).

Bemerkenswert ist auch der beeindruckend hohe Anteil der 65- bis 74-jährigen unter den Befragten, die sich noch immer als berufstätig bezeichnen.

Wenig Arbeitslosigkeit, viel Flexibilität
Die Arbeitslosigkeit unter Architektinnen und Architekten ist sehr gering, doch nicht alle arbeiten in Jobs, die einem klassischen Architektur-Klischeebild entsprechen. „Wir sind bei unseren Interviews auf Leute gestoßen, die im Sommer Architektur machen und im Winter Schilehrer sind. In Wien gibt es das Architekturbüro Backraum, das einerseits Häuser plant und andererseits für seine Kipferln lokale Berühmtheit erlangt hat.“, sagt Oliver Schürer. Kreativität und Flexibilität sind in der Branche unverzichtbar.

Die Zufriedenheit mit dem eigenen Job ist relativ hoch, allerdings hängt sie stark vom Beschäftigungsausmaß ab. Je höher die Arbeitsbelastung und damit der Stress, umso ausgeprägter ist die berufliche Zufriedenheit - ein Paradox, dass sich in der jetzigen Studie als Trend zeigt und in einer nächste Untersuchung genauer unter die Lupe genommen werden wird. Sicher ist, dass auch Stressresistenz zu den unverzichtbaren persönlichen Qualitäten zählen muss.
Interessant ist auch ein Blick auf Geschlechterrollen: Gibt es in der Architektur typisch männliche und typisch weibliche Tätigkeitsfelder? 44% Frauen sind dieser Ansicht, aber nur 25% der Männer beobachten eine geschlechtsspezifische Aufgabenverteilung. „In manchen Büros arbeiten Frauen eher im administrativen Bereich, kreative Arbeit und Finanzielles wird tendenziell eher von Männern erledigt“, sagt Oliver Schürer. Frauen sind eher als Männer der Meinung, dass die Fähigkeiten der Geschlechter in unterschiedlichen Bereichen liegen.

Studienpräsentation im Rahmen der Konferenz
„Berufsfeld Architektur
Lebenswelt, Wissen und Vernetzung“
13.3.2014 Festsaal Ingenieurhaus; Wien 1, Eschenbachgasse 9,
14:15 Uhr

www.a-theory.tuwien.ac.at/Projekte/BFA20
Die Studie Berufsfeld Architektur 2.0 erscheint am 16.4. bei LIT www.a-theory.tuwien.ac.at/Projekte/BFA20studie
Details zum Projekt Berufsfeld Architektur www.a-theory.tuwien.ac.at/Projekte/Berufsfeld
Interviews im Video-Podcast zum kostenlosen Abo www.a-theory.tuwien.ac.at/Projekte/BF2

Rückfragehinweis:
Dr. Oliver Schürer
Institut für Architekturwissenschaften
Technische Universität Wien
Wiedner Hauptstraße 7, 1040 Wien
T: +43-1-58801-25122
M: +43-699-10758555
schuerer@a-theory.tuwien.ac.at

Aussender:
Dr. Florian Aigner
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Wien
Operngasse 11, 1040 Wien
T.: +43-1-58801-41027
florian.aigner@tuwien.ac.at

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