News articles

Was kostet Frischluft im Sonderangebot?

Im Portrait: Michael Getzner, Professor für Finanzwissenschaften und Infrastrukturökonomie

1/2 images

Prof. Michael Getzner

Prof. Michael Getzner

1/2 images

Ein Volkswirtschaftler an einer Technischen Universität – das klingt fast ein wenig exotisch. Und trotzdem versichert Michael Getzner: „Mein Forschungsgebiet ist genau das, was ich immer machen wollte.“ Seit dem Vorjahr ist er Professor am Department für Raumentwicklung, Infrastruktur- und Umweltplanung. Im Grenzbereich zwischen Volkwirtschaftslehre, Raumplanung und Finanzpolitik liegt sein facettenreiches Forschungsgebiet, das auch für politische Entscheidungen wichtig geworden ist – nicht zuletzt in Umweltfragen.

Wo wohnt unser Steuergeld?
Ein großer Teil der Staatsausgaben fließt in Maßnahmen, die nicht allen Leuten in gleichem Ausmaß zugutekommen, sondern einen bestimmten geographischen Raumbezug haben. Von einem wichtigen Eisenbahntunnel profitiert vielleicht ein ganzes Bundesland, von einem neuen Kindergarten profitiert eine Gemeinde. „Staatsausgaben sind also sehr oft mit Raumplanungsfragen verknüpft, oder auch mit dem Zusammenspiel verschiedener Verwaltungsebenen“, erklärt Prof. Michael Getzner – und genau hier, in der Ökonomie des öffentlichen Sektors, gibt es großen volkswirtschaftlichen Forschungsbedarf: Welche Ausgaben sind notwendig? Wie können die gewünschten Ziele effizient und ohne Reibungsverluste zwischen Verwaltungsebenen erreicht werden? Welche raumplanerischen Staatseingriffe sind sinnvoll und wünschenswert?

Frische Luft, gemessen in Euro
„Jede Marktwirtschaft stützt sich auf Leistungen des Staates – etwa die Bereitstellung von Infrastruktur“, betont Getzner. „Viele öffentliche Güter können vom  ungesteuerten Markt alleine nicht produziert werden.“ Getzner betrachtet staatliche Eingriffe daher zwar kritisch, aber doch grundsätzlich positiv. Bei der Bewertung öffentlicher Eingriffe darf freilich nicht nur auf vordergründig sichtbare Einnahmen und Ausgaben geachtet werden: In Vielen Bereichen lässt sich gesellschaftlicher Nutzen auf den ersten Blick nur schwer in Euro-Beträgen festmachen. Ein Beispiel dafür ist die wirtschaftliche Bewertung von ökologischem Nutzen: Wie viel ist saubere Luft und reines Wasser wert? Wie beziffert man den Erholungswert eines Naturschutzgebietes? Wie beziffert man den Nutzen eines Waldes, in dem man Pilze sammeln kann?

„Oft kann man den Wert solcher Ökosystemdienstleistungen tatsächlich auch in Zahlen fassen“, meint Prof. Michael Getzner. So lässt sich etwa berechnen, wie hoch Kosten für entsprechende Wasseraufbereitung wären, wenn die natürliche Reinigungskraft eines intakten Ökosystems fehlen würde, oder welche Reisekosten anfallen würden, wenn man Natur nicht im Naherholungsgebiet genießen könnte, sondern in weiter Ferne suchen müsste. Für politische Entscheidungen, in denen man vielleicht ökonomische und ökologische Anforderungen gegeneinander abwägen muss, sind solche Berechnungen wichtig. „In Umweltverträglichkeitsprüfungen wird der Wert dieser Naturleistungen oft vergessen“, bedauert Getzner.

Entscheiden, profitieren – und bezahlen

Finanzwissenschaft und Infrastruktur ist ein Gebiet, in dem Politik, Verwaltung und Wirtschaft eng verzahnt ineinandergreifen müssen – und genau dadurch wird dieser Bereich zum spannenden Forschungsgebiet für Volkswirtschaftler. „Probleme entstehen oft dort, wo die Entscheidungsträger nicht gleichzeitig auch fürs Bezahlen zuständig sind, und wo  Leute bezahlen müssen, die nicht gleichzeitig auch die Nutznießer sind“, meint Michael Getzner. Genau um solche Schwierigkeiten geht es etwa beim Finanzausgleich zwischen Bund, Ländern und Gemeinden.

Wien-Klagenfurt und retour
Regionalpolitik hat Michael Getzner nicht nur aus theoretischer Distanz kennengelernt: Nach seinem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien war er jahrelang Bezirksrat im dritten Wiener Gemeindebezirk. Als Assistent war er 1991 bis 1997 bereits an der TU Wien tätig, wechselte dann allerdings an die Universität Klagenfurt, während seine Familie in Wien blieb. Er war also jahrelang Fernpendler – „selbstverständlich mit dem Zug“, wie er betont. Zu den wichtigen Stationen auf seinem akademischen Werdegang zählen auch mehrere Auslandsaufhalte in den USA und Deutschland. Seine jetzige Stelle an der TU sieht er als „Traumjob“, nicht nur weil er damit wieder in seine Lieblingsstadt Wien zurückkehren konnte, sondern auch, weil sie zu seinen bisherigen Forschungsthemen optimal passt. Michael Getzners Publikationsliste ist vielfältig und lang – länger als man bei oberflächlicher Recherche denken könnte: Seine ersten Publikationen verfasste er nämlich noch unter dem Namen „Kosz“ – so hieß er vor seiner Hochzeit.

It’s only rock’n roll (but I like it)
Als Wissenschaftler kommt man natürlich niemals am Ende seiner Forschungsarbeit an. Seine philosophische Weltsicht erklärt Prof. Getzner daher mit einem Zitat von Keith Richards: "We're still learning and we'll never stop. You never know it all." Sonst wäre Forschungsarbeit schließlich unnötig und langweilig. “Und was aus der Rolling-Stones-Ecke kommt”, ist Michael Getzner überzeugt, „das kann nicht falsch sein.“