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Innitzer-Preise für TU-Forscher

Herbert Mang wurde mit dem Innitzer-Würdigungspreis ausgezeichnet. Förderungspreise gingen an Christoph Hametner und Georg Steinhauser.

Herbert Mang

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Herbert Mang

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Christoph Hametner

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Christoph Hametner

Christoph Hametner

Christoph Hametner

Georg Steinhauser

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Georg Steinhauser

Georg Steinhauser

Georg Steinhauser

Mit den Kardinal-Innitzer-Preisen werden jährlich von der Erzdiözese Wien wissenschaftliche Leistungen ausgezeichnet. Gleich drei davon gingen diesmal an die TU Wien: Der Materialwissenschaftler und Bauingenieur Prof. Herbert Mang erhielt den Würdigungspreis in der Kategorie „Naturwissenschaft“. Förderungspreise gingen an den Maschinenbauer Christoph Hametner und den Chemiker Georg Steinhauser.

Herbert Mang
Am praktischen Nutzen von Herbert Mangs Forschung kann niemand zweifeln: Er berechnete das Stabilitätsverhalten von Brücken, er untersuchte Einsturzursachen von Kühltürmen, er lieferte wichtige Beiträge zur Strukturmechanik von Konstruktionen aus Stahl und Beton. Bereits in den Siebzigerjahren benützte er dafür aufwändige Computerverfahren, die er im Lauf der Zeit nicht nur auf verschiedenste Strukturen anwendete sondern auch ständig weiterentwickelte und verbesserte. „Grundlagenforschung und angewandte Forschung kann man in den Ingenieurswissenschaften nicht voneinander trennen“, betont Herbert Mang.

Als erster österreichischer Bauingenieur hielt  er 1974 an der TU Wien eine Vorlesung über Methode der finiten Elemente, bei der eine Struktur gedanklich in viele kleine Elemente zerlegt wird. Am Computer werden diese Elemente dann zusammengesetzt  – so lässt sich beispielsweise das Tragevermögen und das Stabilitätsverhalten einer Baukonstruktion zuverlässig vorhersagen.

Herbert Mang erhielt zunächst 1970 ein Doktorat an der TU Wien, als Fulbright-Fellow wurde er dann 1974 an der Texas Technological University außerdem zum Ph.D. promoviert. Mit einem Max-Kade-Stipendium ging er dann an die renommierte Cornell University, wo er unter anderem seine Habilitatsionsschrift verfasste, die dann an der TU Wien akzeptiert wurde. Während er in Wien in den Sechzigerjahren noch mit Papier und Bleistift gearbeitet hatte, wurde er in den USA intensiv in die Computermethoden der Strukturmechanik eingeführt und brachte das erarbeitete Wissen dann zurück nach Österreich.

Herbert Mang bekleidete im Lauf der Jahre eine Vielzahl wichtiger Ämter: Er war nicht nur Dekan der Fakultät für Bauingenieurwesen und Prorektor unter Rektor Peter Skalicky, sondern auch Generalsekretär und dann auch Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Er ist stellvertretender Vorsitzender des österreichischen Wissenschaftsrates, der den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung berät. Mang ist in zahlreichen wissenschaftlichen Organisationen und Akademien aktiv, er pflegt nach wie vor intensive Kontakte in die USA und hat in den letzten Jahren zusätzlich starke Verbindungen nach China aufgebaut: Seit 2012 ist er auch Chaired Professor an der Tongji Universität in Shanghai. Mit dem Kardinal-Innitzer-Würdigungspreis wird nun die lange Liste von Herbert Mangs Preisen und Auszeichnungen, darunter sechs Ehrendoktorate, nochmals erweitert.

Christoph Hametner
Für seine Habilitationsschrift „Data Driven Methodologies for Calibration of Automotive Systems” wurde der Maschinenbauer Christoph Hametner vom Christian Doppler Labor für modellbasierte Kalibriermethoden mit einem Kardinal-Innitzer-Förderungspreis ausgezeichnet. Er arbeitet daran, Autos und ihre Antriebssysteme umweltfreundlicher zu machen.

Heute ist in jedem Fahrzeug eine Vielzahl von elektronischen Steuergeräten eingebaut. Diese Steuerung soll dafür sorgen, dass die einzelnen Komponenten optimal zusammenarbeiten um einerseits die Leistung zu optimieren und andererseits Treibstoffverbrauch und Abgasausstoß möglichst gering zu halten. Solche Optimierungen sind aber nur möglich, wenn man es schafft, die Teilkomponenten – sei es ein Motor, eine Batteriezelle oder ein Abgasnachbehandlungssystem – zunächst in einem präzisen mathematischen Modell zu beschreiben. Erst dann kann man die Komponente am Computer simulieren und die Regelungstechnik optimal anpassen.
Christoph Hametner untersuchte, wie man die dafür nötigen Daten durch Versuche messen kann, wie man die dazu passenden nichtlinearen Modelle entwickelt und wie man Reglersysteme am besten designt.

Georg Steinhauser
Auch die Habilitationsschrift von Georg Steinhauser wurde mit einem Kardinal-Innitzer-Förderungspreis ausgezeichnet: Der Chemiker, der sich an der TU Wien habilitiert hat, arbeitet derzeit an der Colorado State University in den USA.

In erster Linie behandelt Steinhauser in seiner Habilitationsschrift die Umweltauswirkungen des Reaktorunglücks von Fukushima. Seine Untersuchungen über Strontium-90 in der Umwelt waren die ersten und lange Zeit die einzigen zu diesem wichtigen, aber schwer nachzuweisenden Radionuklid. Steinhauser konnte zeigen, dass die Annahmen der japanischen Behörden bezüglich der Strontium-90-Grenzwerte in Lebensmitteln richtig waren.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis seiner Arbeit war der Beweis, dass Reaktor 4 keinen wesentlichen Beitrag zur Gesamtmenge des freigesetzten radioaktiven Materials leistete. Das konnte anhand der charakteristischen Aktivitätsverhältnisse von Cäsium-134 und -137 in Umweltproben gezeigt werden.
In Österreich untersuchte er die Akkumulation von Iod-131 in Schilddrüsen von Wildtieren und stellte fest, dass derartige Biomonitore viel genauere Ergebnisse liefern als herkömmliche Methoden zur Überwachung von Radioaktivität in der Umwelt. In den Schilddrüsen wird radioaktives Iod so selektiv angereichert, dass es sich selbst bei sehr geringer radioaktiver Belastung noch zuverlässig nachweisen lässt. So kann man auch die Einhaltung des internationalen Kernwaffenteststopp-Vertrages genauer überwachen als bisher.

 

Bild Christoph Hametner: © Stefan Jakubek