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In einer Formel die Welt festhalten

Prof. Edmund Hlawka, der bedeutendste österreichische Grundlagenmathematiker der Gegenwart, feiert am 5. November seinen 90. Geburtstag.

Edmund Hlawka

Edmund Hlawka

Edmund Hlawka

ahrzehntelang wirkte er als Professor an der Technischen Universität und der Universtität Wien und es gelang ihm in unvergleichlicher Weise, Lehre und Forschung miteinander zu verbinden. Prof. Peter M. Gruber vom Institut für Diskrete Mathematik und Geometrie ehrte Edmund Hlawka in seiner Laudatio "als bedeutendsten und, über Werk und Schüler, auch einflussreichsten österreichischen Mathematiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts".

Hier die Lobrede an Prof. Hlawka im Volltext: "Edmund Hlawka wurde am 5. November 1916 als Sohn einer Wiener Technikerfamilie in Bruck an der Mur geboren, wo sein Vater kriegsbedingt arbeitete. Es folgten der Schulbesuch in Wien, Studium der Mathematik, Physik und Chemie 1934 – 1938 an der Universität Wien unter den Mathematikprofessoren Wirtinger, Furtwängler, Hofreiter und Menger, den Dozenten Hornich und Gödel und dem Physiker Hans Thirring. Promotion 1938 mit einem Thema aus der Zahlentheorie, die sein Lebensthema werden sollte.

Durch seine Habilitationsschrift "Zur Geometrie der Zahlen", die 1944 in der Mathematischen Zeitschrift erscheint, erlangt er als 28jähriger Weltruf. In dieser Arbeit wird eine von Hermann Minkowski – bekannt auch durch seinen Beitrag zur Relativitätstheorie – aufgeworfene Vermutung bewiesen und geht als Satz von Minkowski – Hlawka in die Literatur ein. Dieses Ergebnis stellt auch heute einen Eckpfeiler der Geometrie der Zahlen, der geometrischen Zahlentheorie, dar und zieht das Interesse bedeutender Mathematiker bis zur Gegenwart auf sich. Die Geometrie der Zahlen wird das eine große Arbeitsgebiet von Edmund Hlawka. Grob gesprochen, werden in der Geometrie der Zahlen zahlentheoretische Probleme mit geometrischen Methoden angegriffen.

Die Habilitation erfolgt 1945, bald erhält er einen Ruf auf ein Ordinariat an der Technischen Hochschule in Graz, folgt aber 1948 einem Ruf an die Wiener Universität, wo er eine breite Lehr- und Forschungstätigkeit über mehr als drei Jahrzehnte entfaltet. In diese Zeit fallen Gastaufenthalte und Gastprofessuren am Institute for Advanced Study in Princeton, in Pasadena, an der Sorbonne in Paris und zahlreiche Vortragseinladungen in Europa und Amerika. In den 50er Jahren beginnt er sich für die Theorie der Gleichverteilung zu interessieren, die von Hermann Weyl Anfang des 20. Jahrhunderts begründet wurde. Von seinen zahlreichen wichtigen Beiträgen sei die Ungleichung von Koksma - Hlawka genannt. Anwendungen betreffen die Berechnung hochdimensionaler Integrale, wie sie auch in der Finanzmathematik eine Rolle spielen. Diese Forschungstätigkeit reicht bis in die Gegenwart mit zahlreichen Verbindungen zu anderen Gebieten der Mathematik und der mathematischen Physik.

1981 folgt Hlawka einem Ruf auf ein vakantes Ordinariat an der Technischen Universität Wien. Der Ruf erfolgt primo et unico loco. Hlawka hat zahlreiche hohe Ehrungen erfahren: er ist wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Auswärtiges Mitglied der Bayerischen und der Rheinisch – Westfälischen Akademie, der Leopoldina und der Akademie in Bologna. Er besitzt fünf Ehrendoktorate und ist Inhaber bedeutender Wissenschaftspreise und des Österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst.

Das reiche Lebenswerk ist unter zwei Aspekten zu sehen: erstens in seinen fundamentalen Beiträgen zur Mathematik, insbesondere zur Zahlentheorie, zweitens in seiner Wirksamkeit als ademischer Lehrer: rund 130 Dissertanten zählen ihn als ihren Doktorvater und mehr als 800 Lehramtskandidaten haben bei ihm die Lehramtsprüfung abgelegt. Viele seiner Schüler sind oder waren als Professoren an österreichischen und ausländischen Universitäten tätig und haben den Ruf der Wiener Zahlentheoretischen Schule in alle Welt getragen. Edmund Hlawka ist der bedeutendste und, über Werk und Schüler, auch einflussreichste österreichische Mathematiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ad multo annos."

Peter M. Gruber, Wien