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Genderkompetenz gehört dazu

Die TU Wien setzt sich für Gleichberechtigung ein, die Bedeutung von Genderkompetenz wird an der TU Wien sehr ernst genommen.

Von winzigen Quantenteilchen bis zu gewaltigen Betonbrücken – an der TU Wien gibt es fachliche Kompetenz in einer Fülle von Themenbereichen. Manchmal genügt technisch-naturwissenschaftliches Know-How alleine aber nicht. Die Abteilung Genderkompetenz bringt zusätzlich weitere Wissensgebiete ein, ohne die es heute einfach nicht mehr geht: Gender Studies und Chancengleichheit spielen nicht nur für die Zusammenarbeit innerhalb der TU Wien eine Rolle, Diversity Management und Gleichbehandlung sind mittlerweile auch wichtige Themen für die universitäre Lehre – und zu forschen gibt es in diesem Bereich auch noch viel.

Die Gender-Expertise an der TU Wien ist mittlerweile international anerkannt: „Im vergangenen Jahr haben wir hier an der TU eine große EU-Konferenz zu diesem Thema organisiert, seither kommen auch immer wieder Delegationen von anderen Universitäten vorbei, die sich ansehen möchten, wie wir das an der TU Wien machen“, erzählt Brigitte Ratzer. Sie hat den Bereich von Anfang an aufgebaut, seit 2005 leitet sie die Abteilung Genderkompetenz.

Die Situation der Frauen an der TU Wien sieht Ratzer insgesamt positiv: „Natürlich sind wir noch nicht dort, wo wir hinwollen“, sagt sie. „In vielen Bereichen ist der Frauenanteil noch viel zu niedrig. Doch an der TU Wien wurde dieses Problem erkannt und es wird etwas dagegen getan. Alleine das ist schon sehr erfreulich.“

Männer werden eher gefördert als Frauen
Gerade der wichtige Schritt von der Assistenzstelle zur Festanstellung gelingt Frauen statistisch betrachtet weniger oft als Männern. Das kann unterschiedliche Gründe haben. „Es geht hier normalerweise nicht um direkte, aktive Diskriminierung“, sagt Ratzer. „Das Problem sind weniger diskriminierende Handlungen, die Frauen benachteiligen, sondern das Ausbleiben von Handlungen, mit denen Frauen gefördert werden.“

Gerade im wissenschaftlichen Nachwuchs gibt es riesengroße Unterschiede bezüglich der Förderung durch Vorgesetzte – bei Männern wie auch bei Frauen. Genau diese Förderung entscheidet allerdings über Erfolg und Misserfolg wissenschaftlicher Karrieren. Nur wer schon frühzeitig gefördert wird, auf Konferenzen fahren darf, als Ko-Autor_in auf Publikationen erwähnt wird und wichtige Kontakte knüpft, hat eine realistische Chance, in der Wissenschaft Fuß zu fassen. „Sowohl unter Frauen als auch unter Männern gibt es viele, die eine solche Förderung nur in recht geringem Ausmaß erfahren“, sagt Ratzer. „Es zeigt sich allerdings, dass die besonders geförderten Personen, deren Chancen in der Wissenschaft dann auch am größten sind, viel häufiger Männer sind als Frauen.“

Genderthemen in der Lehre
Doch in der Abteilung für Genderkompetenz geht es nicht bloß um das Fördern weiblicher Karrieren an der TU Wien selbst. Gendersensibilität gehört heute zur Allgemeinbildung, genau wie ein zeitgemäßer Umgang mit Minderheiten. „Gerade für Leute in Führungspositionen ist Wissen darüber heute wichtig“, sagt Brigitte Ratzer. „Wenn wir an der TU Wien den Anspruch erheben, die Führungskräfte von morgen auszubilden, dann müssen wir ihnen auch das nötige Wissen über Genderfragen und Diversity Management mitgeben.“

Ratzer plädiert dafür, darüber hinaus möglichst praxisnahe,  faktenbezogene Aspekte der Gender Studies in die Lehre einzubauen: „Das bringt mehr als Gender Studies auf sehr abstrakte, theoretische Weise zu vermitteln. Philosophische Gendertheorien sind interessant, aber hier geht es um konkrete Anwendungsmöglichkeiten in Wissenschaft und Forschung. Was unterrichtet wird, muss anschlussfähig und in der Forschung oder für die künftige Berufslaufbahn nutzbar sein.“ Dabei geht es nicht bloß um Geschlechter-Fragen. Ausgehend davon muss man auch über den Umgang und den Bedarf von Menschen unterschiedlicher Muttersprachen und Bildungsniveaus sprechen, über Behinderungen und besondere Bedürfnisse im Alter.

Von der Wiege bis zur Festanstellung
Es genügt freilich nicht, bei Frauen anzusetzen, die bereits eine wissenschaftliche Karriere anstreben. Wenn der Frauenanteil unter den erstsemestrigen Studierenden nicht steigt, wird sich kein Gleichgewicht von Männern und Frauen in der Wissenschaft einstellen. Daher gibt es zahlreiche Programme für jüngere Zielgruppen – vom Töchtertag über FiT-Tage („Frauen in die Technik) bis zu den TechNIKE Sommerworkshops für Schülerinnen. Die TU Wien kann alleine nicht die Weltprobleme lösen. „Aber wir können durch viele kleine Maßnahmen doch einiges verändern“, ist Brigitte Ratzer überzeugt. „Wir bewegen uns jedenfalls nachhaltig in die richtige Richtung.“

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