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FAQs zur Vollversammlung am 19.10.

Bei den Protesten im Herbst 2009 und im Zuge der Vorbereitungen für die Vollversammlung am 19.10.2010 wurden einige Fragen von Studierenden gestellt. Die HochschülerInnenschaft an der TU Wien (kurz HTU) hat die drei häufigsten Fragen zu den Protesten im Folgenden zitiert und aus der Sicht der HTU beantwortet.

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Warum wird auf der TU eigentlich protestiert? Den Studierenden an der TU Wien geht es doch so gut.

Das stimmt nur teilweise. Die TU Wien bietet zwar ihren Studierenden immer noch (meistens) genug Plätze in Hörsälen und Übungen sowie recht gute Laborausstattung an. Allerdings hat die Entwicklung über die letzten Jahre in der Lehre gezeigt, dass es auch bei uns langsam bergab geht.

In Studienrichtungen, in welchen die Laborplätze ein wesentlicher Bestandteil für das Studium sind, kommt es seit dem letzten Jahr vor, dass nicht alle Studierenden einen Platz ergattern können. Dabei sind das Studienrichtungen, wie Chemie, die von Politik und Wirtschaft stark beworben werden. Absolventinnen und Absolventen werden zahlreich gesucht. Aber nicht nur in der Chemie wird der Platz eng. Auch das Studium der Informatik ist eines der beliebtesten an der TU Wien. Anfängerinnen- und Anfängerzahlen, die man eher bei einem so genannten Massenfach antrifft, sind Gang und Gäbe. Gleichzeitig sind gerade in der Informatik die Absolventinnen und Absolventen sehr gesucht.  In der Architektur wird schon seit mehreren Jahren bei jeder Gelegenheit betont, wie viel an Zusatzkosten für die Lehre wegen den vielen Studierenden ausgegeben werden muss. Seit heuer hört man auch ähnliche „Beschwerden“ für kleinere Studienrichtungen wie die Technische Physik. Die Erstsemestrigen im Maschinenbaustudium sitzen bereits auf den Stufen in den Hörsälen.

Die politisch bedingten Einsparungen machen sich nicht nur in den Pflichtfächern bemerkbar. Laut Satzung der TU Wien ist es in jedem Bachelorstudium verpflichtend, Soft-Skill-Lehrveranstaltungen zu absolvieren. Da es davon nur sehr wenige gibt, sind diese gewöhnlich überfüllt und oftmals erhalten Studierende über mehrere Semester keinen Platz im gewünschten Seminar. Gerade bei den Sprachlehrveranstaltungen ist man dann gezwungen, diese auf anderen Universitäten zu besuchen (wo die Auswahl auch größer ist).

Das sind nur einige Beispiele dafür, dass die Tendenz auch auf der TU Wien eine eindeutige ist. Es wird zu wenig für die Studierenden investiert.

Meine Lehrveranstaltung fällt jetzt wegen der Vollversammlung am 19.10. aus. Wieso blockieren diese Trotteln die Lehre?

Die Probleme der Unterfinanzierung der Universitäten betreffen nicht nur die Studierenden. Im gesamten Universitätsbetrieb machen sich die Kürzungen jetzt schon bemerkbar. Ab 2013 soll das Budget der Universitäten nicht einmal mehr der Inflation angepasst werden. Zusätzliche (gesetzlich vorgeschriebene oder durch Inflation hervorgerufene) Kosten für Verwaltung, Miete und Lehre werden nicht mehr abgedeckt sein. Deswegen hat sich die Universitätenkonferenz gemeinsam mit der Österreichischen HochschülerInnenschaft entschieden, den Protesttag am 19.10. zu organisieren. Rektorat, Senat, Betriebsräte, Universitätsrat und die HTU wollen gemeinsam auf die Probleme aufmerksam machen und die Politik auffordern, endlich umzudenken.

Die „Lösungsvorschläge“ der Politik, Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren einzuführen, sind engstirnig und kurzsichtig.  Vor allem sind das keine Lösungen, die schlagartig zu einer Verbesserung führen würden. Es gibt nämlich nicht nur Beispiele von Universitäten, die qualitativ hochwertige Lehre anbieten und Zugangsbeschränkungen haben, sondern auch genug Beispiele von Universitäten, die trotz Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren sehr schlechte Lehre und Forschung betreiben. Die Lösungsvorschläge der Politik in Österreich sind also nicht die Allheilmittel, wie sie immer präsentiert werden.

Immer diese links-linken Demonstrantinnen und Demonstranten. Habt ihr nichts Besseres zu tun? Studieren statt Blockieren!

Auf welche Seite man auch immer diejenigen Menschen, die Gebrauch von ihrem Demonstrationsrecht machen, einordnen möchte: Tatsache ist, dass es nur so möglich ist, dem Ärger Luft zu machen. Demokratische Strukturen werden immer mehr entmachtet. Vertreterinnen und Vertreter der einzelnen Personengruppen an den Universitäten haben kaum Möglichkeiten sich bei der Erarbeitung von langfristigen Lösungen, was die Ausfinanzierung der Universitäten angeht, einzubringen und auch gehört zu werden. Der Hochschuldialog, der nach den letzten Demonstrationen eingerichtet wurde, hat einige Lösungsvorschläge gebracht, die durchaus realisierbar wären und trotzdem beharrt die Politik auf ihren Parteilinien und weicht nicht davon ab.

Gute Ideen gehen unter und politisches Engagement ohne Parteibuch hat keine Chance. Es bleibt also nicht viel übrig als zu demonstrieren. Dabei ist es KEIN Ziel des Rektorats, des Senats, der Betriebsräte, des Universitätsrates und der HTU Wien, die Lehre oder die Forschung zu blockieren. Das Gegenteil ist der Fall:. Gemeinschaftlich wollen wir zeigen, dass jetzt schon zu wenig Geld für Lehre und Forschung vorhanden ist. Eine weitere Kürzung der finanziellen Mittel wird sich fatal auf die Universitäten auswirken. Die Auswirkungen wären nicht nur die „Blockade“, sondern die Einsparung von Studienrichtungen, Personal und  Forschungsprojekten.

Abschließend wollen wir zum Mitmachen statt zum Raunzen aufrufen. Gemeinsam können wir es schaffen, dass auch die zukünftigen Technikerinnen und Techniker studieren können und eine gute Bildung erhalten.

Bianka Ullmann
Vorsitzende der HTU Wien