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Einkommenssteuer-Absetzbeträge: ein geeignetes Instrument zur Förderung von Biomasse, Solarkollektoren und Wärmepumpen?

TU-Wissenschafter haben in einem zweieinhalbjährigen, internationalen Projekt das Potential von Steuerabsetzbeträgen zur Förderung von erneuerbaren Heizsystemen in Österreich erforscht. Einkommensteuer-Instrumente werden in einigen EU-Ländern bereits eingesetzt, um erneuerbare Energie für die Bereitstellung von Raumwärme und Warmwasser zu fördern.

Refund+

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Wie effektiv sind diese Instrumente? Welches Potenzial liegt darin? Diese Fragen hat ein internationales Konsortium aus fünf wissenschaftlichen Institutionen unter der Leitung der französischen Organisation „Observ’ER“ in dem Projekt REFUND+ im Zeitraum November 2006  bis Juni 2009 untersucht. Die österreichischen Experten kommen von der Technischen Universität (TU) Wien, Institut für elektrische Anlagen und Energiewirtschaft.

Die Situation in Österreich
Bis zum Jahr 2020 besteht das Ziel, in Österreich einen Anteil von 34 Prozent erneuerbarer Energie an der Gesamtenergieversorgung zu erreichen. Etwa die Hälfte der erneuerbaren Energie wird 2020 dabei voraussichtlich auf den Wärmesektor entfallen. Erneuerbare Wärme ist im Vergleich zu manchen anderen Nutzungsformen bereits heute sehr nahe an der Wirtschaftlichkeit. Da dennoch eine Reihe von Barrieren, insbesondere höhere Investitionskosten bestehen, sind derzeit noch Förderinstrumente, wie z.B. Investitionszuschüsse, nötig. Neben den gängigen Investitionszuschüssen existieren derzeit in manchen EU-Ländern auch Einkommensteuer-Instrumente. Die Investition in ein erneuerbares Heizsystem, reduziert die Steuerlast.

In Österreich gibt es den Steuerabsetzbetrag, der für erneuerbare Heizsysteme angewendet werden kann. Allerdings spielt dieses Instrument in der Praxis keine relevante Rolle. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes zeigen:

  • Das System ist intransparent: Keine der befragten Personen konnte angeben, welchen Betrag sie tatsächlich durch den Steuerabsetzbetrag für das Heizsystem erhalten hat.
  • Das System ist nur für eine bestimmte Gruppe an EinkommensbezieherInnen relevant: Verdient man zu wenig, hat man nichts von der Steuer abzusetzen. Verdient man zuviel, reduziert sich die Höhe des zulässigen Absetzbetrags.
  • Die Höhe des Steueranreizes ist gering: Maximal einige wenige Prozent der Investitionskosten können zurückerstattet werden.
  • Installateure und andere MultiplikatorInnen: haben durch diese Rahmenbedingungen kein großes Interesse, ihre KundInnen auf das Instrument aufmerksam zu machen.

Wirksame Maßnahmen zum Gegensteuern
Allerdings zeigen die Erfahrungen aus anderen Ländern, dass das Instrument durchaus einen zusätzlichen Anreiz für die Förderung erneuerbarer Wärme bieten kann. Dafür wären allerdings die folgenden Maßnahmen notwendig:

  • Umsetzung eines Einkommen-Steuerabsetzbetrages, der in transparenter Weise ausschließlich erneuerbare Energie und Energieeffizienzmaßnahmen adressiert
  • Umwandlung des Systems in eine Steuer-Gutschrift, die einen möglichst großen Personenkreis einschließt
  • Vereinfachung und Nachvollziehbarkeit des Systems
  • Erhöhung der Attraktivität
  • Bereitstellung von mehr und besserer Information.

 
Das Projekt
Das Projekt, das von der Europäischen Kommission im Rahmen des Programms „Intelligent Energy Europe“ und dem österreichischen Lebensministerium finanziert wurde, hat die Auswirkungen bestehender Einkommensteuer-Instrumente zur Förderung erneuerbarer Wärme in den Ländern Österreich, Belgien, Frankreich, Italien und Portugal untersucht. Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren wurden untersucht und für die Länder Litauen und Polen eine mögliche Umsetzung derartiger Maßnahmen analysiert. Dazu wurden sowohl quantitative, ökonomische Untersuchungen, als auch Befragungen und Interviews mit betroffenen Personen durchgeführt.

Link: REFUND+ www.energies-renouvelables.org/refund/

Rückfragehinweis:
DI Dr. Lukas Kranzl
Technische Universität Wien
Institut für elektrische Anlagen und Energiewirtschaft
T: +43 (0) 1 58801 37351
F: +43 (0) 1 58801 37397
lukas.kranzl@tuwien.ac.at
http://www.eeg.tuwien.ac.at

Ausssender:
Herbert Kreuzeder
Technische Universität Wien
PR & Kommunikation
T: +43 (0)1 58801 41023
F: +43 (0)1 58801 41093
herbert.kreuzeder@tuwien.ac.at
www.tuwien.ac.at/pr