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Die TU Wien trauert um Prof. Justus Dahinden

Justus Dahinden, ein charaktervoller, kosmopolitischer Denker und leidenschaftlicher wie außergewöhnlicher Architekt, ist am 11. April 2020 verstorben.

Prof. Justus Dahinden

© Christian Känzig

Architektur als Dienstleistung am Menschen und die Motivation zum Einstieg in den Beruf des Architekten als Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen wahrzunehmen – das war die Geisteshaltung, die Prof. Justus Dahinden stärkte. Dem schweizerischen Architekten gelang es in seiner einmaligen Art, seine Arbeit im eigenen Architekturbüro in Zürich sowie auf seinen Baustellen auf der ganzen Welt mit universitärer Lehre und Forschung an der TU Wien zu verbinden.

"Das zentrale Problem der Architektur ist der Raum, der den Menschen an Leib und Seele gesund erhält."

Architektur zu schaffen, die ein ganzheitliches Ziel verfolgt, einerseits die Herstellung einer Harmonie von zwischen Mensch und Raum fördert und andererseits als Erfüllung sowohl praktischer als auch sinnlich orientierter Bedürfnisse fungiert, war ein Hauptanliegen von Justus Dahinden.

Internationale Karriere

"Denken-Fühlen-Handeln" - der Titel seiner allerersten Publikation weist bereits auf seine kompromisslose Auffassung und einzigartige Architekturtheorie hin.
Prof. Dahinden studierte an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und promovierte 1956 zum Doktor sc.tech. mit der Arbeit "Standortbestimmung der Gegenwartsarchitektur".

Im Jahr 1973 wurde er zum Ehrenmitglied HFAIA "Honorary Fellow the American Institute of Architects" ernannt. Weitere nationale und internationale Auszeichnungen folgten, wie die Verleihung des Titels Professor honoris causa der Fakultät für Architektur und Städtebau der Universität Buenos Aires.

1974 wurde Prof. Dahinden zum ordentlichen Professor und Leiter des Instituts für Raumgestaltung und Entwerfen an die Technischen Universität Wien berufen.

Was seine Bauten auszeichnet, ist das Überwinden von Uniformität durch eine eigenwillige Architektur, die von einer kraftvollen, persönlichen Aussage beseelt und oftmals von der Suche nach neuen Wegen in die Zukunft geprägt war. Seine kreative Gestaltung, persönliche Formensprache und Originalität hat er in vielfältigen Arbeiten, darunter in 22 Kirchenbauten in Afrika, China, Deutschland, Italien und der Schweiz, aber auch in vielen Wohnbauprojekten, Hotels und Gewerbebauten unter Beweis gestellt.

Seinen Optimismus und sein Engagement versuchte er in über 25 Jahren Lehrtätigkeit an der Technischen Universität Wien weiterzugeben. Angespornt wurde Prof. Dahinden durch sein glühendes Engagement, das bei jeder Begegnung seinen Studierenden spürbar war. Damit vermochte er sowohl Studierende als auch seine Mitarbeiter_innen zu begeistern.

Justus Dahinden wurde 95 Jahre alt.

Der Forschungsbereich Raumgestaltung und Entwerfen und die Fakultät für Architektur und Raumplanung