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Die Dürre wird ganz normal

Der Klimawandel verändert den Donauraum: Trockenperioden werden auch hier immer mehr zur Gefahr. An der TU Wien wird dieses bisher unterschätzte Problem erforscht.

Eine gelbe Blume hat sich durch die fingerbreiten Risse des vertrockneten Bodens gekämpft.

In Österreich sind wir daran gewohnt, eher zu viel Wasser zu haben als zu wenig. Jahr für Jahr kommt es entlang österreichischer Flüsse zu Hochwasserkatastrophen. Die Fernsehbilder von Sandsack schleppenden Feuerwehrleuten in Gummistiefeln kennen alle. Das andere Extrem – nämlich Dürrekatastrophen – erregte bisher weniger Aufmerksamkeit. Doch aufgrund des Klimawandels wird sich das wohl ändern. Jahre mit heißen Trockenperioden, die in der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft große Probleme verursachen, werden zur Normalität. Im Donauraum verursacht Dürre bereits höhere volkswirtschaftliche Schäden als andere Naturkatastrophen – Hochwasser mit eingeschlossen.

Am 7. und 8. Mai fand an der TU Wien die "Danube Drought Conference" statt, bei der es um Methoden geht, Dürrephänomene besser zu beobachten, zu quantifizieren und vorherzusagen.

Hochwasser sieht jeder, Trockenheit nicht

Wenn ein Hochwasser auftritt, ist das unübersehbar, und die Schäden lassen sich relativ leicht erheben. Bei Dürre ist die Sache komplizierter. Auf eine Phase mit geringem Niederschlag und normalerweise auch hoher Temperatur folgen schwere Schäden, doch bis die Auswirkungen voll sichtbar sind, können Monate vergehen. "Man braucht daher wissenschaftlich zuverlässige Methoden, Dürre zu quantifizieren und die Gefahr von Schäden einzuschätzen", sagt Prof. Wolfgang Wagner vom Department für Geodäsie und Geoinformation der TU Wien.

Daher wurde das "DriDanube" Projekt ins Leben gerufen (Drought Risk in the Danube Region) – eine internationale Forschungskooperation, die neue Strategien zur Erfassung von Dürre entwickelt. Am 7. und 8. Mai traf sich die Forschungscommunity an der TU Wien. Eine besondere Bedeutung kommt bei solchen Projekten der Messung von Bodenfeuchte zu. "Es ist nicht möglich, flächendeckend Messgeräte im Boden anzubringen, um europaweit umfassendes Datenmaterial über den Wasseranteil im Boden zu erheben", erklärt Wolfgang Wagner. "Wir setzen deshalb auf Satellitendaten."

Mikrowellendaten vom Satelliten

Die Sentinel-1-Satelliten, gestartet von der Europäischen Weltraumbehörde ESA, tasten die Erdoberfläche mit Mikrowellen ab. Wie stark sie vom Boden zurückreflektiert werden, hängt unter anderem von der Bodenfeuchte ab. Allerdings muss man auch andere Effekte berücksichtigen, etwa die Vegetation oder die Art des Bodens. Daher genügen die Satelliten-Messergebnisse alleine noch nicht, um eine Europakarte der Dürregefahr zu erstellen. Man muss die Ergebnisse statistisch auswerten, mit früheren Ergebnissen vergleichen und umfangreiche Modelle über die lokale Vegetation berücksichtigen, um zuverlässige Daten zu erhalten.

Genau das ist die Spezialität von Wolfgang Wagners Forschungsgruppe an der TU Wien: "Seit Jahren verfeinern wir unsere Methoden der Bodenfeuchte-Messung immer mehr, gleichzeitig wächst der Datensatz, den wir zur Verfügung haben. Deshalb sind wir heute in der Lage, sehr genaue Aussagen über die Bodenfeuchte im Donauraum zu treffen."

Diese Erkenntnisse verknüpft man nun mit historischen Daten über Dürre und Trockenperioden in der Vergangenheit. Dadurch lässt sich heute bereits vorhersagen, ob eine aktuelle Dürre mit hoher Wahrscheinlichkeit schwere Schäden hervorrufen wird oder nicht. "Diese Zusammenhänge werden wir im Rahmen des DriDanube-Projekts noch genauer untersuchen", kündigt Wagner an. So sollen zuverlässige Instrumente entstehen, die auch frühzeitig darüber Auskunft geben, welche Maßnahmen man zum Abwenden von Schäden in der Land- und Forstwirtschaft ergreifen muss. Und vielleicht hilft das auch mit, die Bedeutung von Trockenperioden stärker im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern.