Studying abroad - blogs
Universidad de Granada, Spain, Winter Semester 2025/26
Erfahrungsbericht einer Studentin mit chronischer Erkrankung
(This blog is available in German language only)
September 2025 - Februar 2026
Da ich vor 4 Jahren in meinem Bachelorstudium bereits ein Erasmus in Spanien (Valencia) absolviert hatte, stand bei mir sofort fest, wieder nach Spanien gehen zu wollen. Auch Granada hätte ich mir als Ort nicht besser vorstellen können. Von Anfang an habe ich mich in meinem ersten und zweiten Erasmus dort willkommen gefühlt. Die Menschen sind offen, herzlich und nehmen sich Zeit, auch wenn man die Sprache noch nicht perfekt spricht. Der Alltag ist entspannt, aber trotzdem voller Leben. Das Leben findet draußen statt, man trifft sich zum gemeinsamen essen. Spanien ist ein Land mit unglaublich schönen und historischen Städten, sowie einer reichen Landschaft und Kultur. Es gibt extrem viel zu entdecken.
Die UGR ist eine Uni, dessen Fakultäten in der gesamten Stadt verteilt sind. Es gibt eine riesige Auswahl an Studiengängen und man sollte sich z.b. bei der Wohnungssuche auch an der Location seiner Fakultät orientieren, da diese teilweise auch auf den Hügeln in der äußeren Stadt liegen könnte. Meine Fakultät beherbergt nur die Architekturfakultät und liegt in einem sehr schönen Gebäude, in dem ich mich gerne aufgehalten habe. Durch die Größe der Institution gibt es in Granada sehr viele Student:innen und Granada zu einer Studentenstadt.
Während des Bewerbungsprozesses an der TU Wien hatte ich u.a. Kontakt zu den Kontaktpersonen des International Offices (va.Traude Krausler), die mir immer sehr schnell und verständnisvoll weitergeholfen haben, wie unter anderem auch mit der Beantragung von Top-Ups.
Die Anmeldung an der TU Wien läuft relativ einfach über TISS, mithilfe der Online-Informationsmeetings und der Checklisten des International Offices sind Fragen ziemlich schnell gelöst. Auch die Erasmusförderung war vor meinem Aufenthalt auf meinem Bankkonto und war eine enorme finanzielle Unterstützung für mich. Auch habe ich ein finanzielles Top-Up aufgrund meiner chronischen Erkrankung beantragt und erhalten, wobei mir auch das International Office sehr weitergeholfen hat.
An der UGR hatte ich neben dem international office (die Mitarbeitenden dort sind auch extrem nett und helfen schnell weiter) auch Kontakt zu meinem studentischen Buddy, der mir auch bei Fragen zur Seite stand.
Das Leben in Südspanien hat einige Unterschiede zu Wien. Der Alltag findet fast nur draußen statt, man trifft sich zum gemeinsamen Tapas essen oder den Sonnenuntergang an einem Mirador zu genießen, auf den Straßen wird Flamenco getanzt und laut gelacht (Achtung bei der Wohnungssuche: Ich würde kein Zimmer in der Nähe einer Bar empfehlen, da auf Ruhestörung kaum oder gar nicht geachtet wird). Ich habe auch einen Salsakurs belegt und bin dadurch in eine Tanzschule gekommen, die regelmäßige Social Dances macht und dessen Menschen schnell zu meinen Freunden wurden (GranadaDanceProject/ Maquilla). Kultur spielt in Andalusien eine extrem große Rolle: Teilweise mehrmals in der Woche gibt es Zeremonien oder kulturelle Veranstaltungen, bei denen ich ab und zu den Überblick verloren habe. Die Hauptstraße war ständig wegen Veranstaltungen gesperrt, da auch die Kultur auf den Straßen stattfindet. Viele Veranstaltungen haben religiöse und/oder historische Hintergründe, die sehr interessant sind. Ich habe die ausgeprägte Kultur sehr genossen, auch wenn es auch sehr kritisch zu hinterfragende kulturelle Veranstaltungen gibt (Beispiel Stierkämpfe). Falls ihr euch mit Menschen vor Ort befreunden möchtet, wären Spanischkenntnisse auf jeden Fall essenziell. Aber keine Sorge wenn ihr nicht sicher im Spanischen seid, die Menschen nehmen sich meist Zeit, dich zu verstehen und viele Menschen sprechen auch Englisch (wenn meist auch nur gebrochen).
Es gibt in Granada drei hauptsächliche Veranstalter für Erasmus-Events: die ESN, bestlife, und Emycet. Ich habe zu Beginn Veranstaltungen besucht, die sehr gut sind, um Menschen kennenzulernen Ich denke, in einem Erasmussemester kommen immer Probleme auf dich zu: eine komplett neue Universität, in der man sich zurecht finden muss, eine neue Sprache, (ausschließlich) neue Menschen, eine neue Stadt, sehr viel Bürokratie,… Dennoch gab es fast bei keinem Problem keine Stellen, an die man sich wenden kann. Neue Menschen werden schnell zu Freunden, die sich unterstützen. Ich hatte keine großen Probleme, was allerdings hauptsächlich daran lag, dass es mein zweites Erasmus war. Ein Problem, was viele Menschen unterschätzen, ist beispielsweise die kalten Winter in Granada (kauft euch unbedingt eine warme Decke und achtet bei der Miete auf eine (wenigstens einigermaßen) isolierte Wohnung.
An der UGR habe ich einen Entwurfskurs (Proyectos 8) und ein Wahlfach (Prefabrication) besucht. Dazu habe ich an der CLM (Centro Lenguas Modernas) einen Spanischkurs belegt. Ich würde generell von ingenieurwissenschaftlichen Kursen (zb Structures, Construction,..) abraten, da in Spanien die Lehrinhalte im Architekturstudium in diesen Kursen viel näher am Bauingenieurwesen dran sind als bei uns. Dementsprechend sind diese Kurse sehr fordernd. Kurse auf Englisch gibt es teilweise, wenn auch nur wenige. Der CLM Kurs ist leider sehr teuer, auch wenn ich durch den Kurs viel lernen konnte und die ECTS angerechnet werden können. Teilweise ist die Uni sehr unorganisiert und es fällt schwer, sich reinzufinden. Zum Beispiel kam es vor, dass nur die Erasmusstudierenden im Lehrraum waren, weil niemand mitbekommen hat, dass unser Professor heute nicht kommt. Somit würde ich auch empfehlen, sich mit den Studierenden vor Ort auszutauschen, da diese oft viel besser informiert sind. Wir hatten eine Whatsappgruppe des Projektkurses, in denen ich auch manchmal Fragen gestellt habe. Auch muss man flexibel sein. Zum Beispiel wurden wir durch diese Whatsappgruppe auch von einem anderen Studierenden nur ein paar Tage vorher über eine Exkursion nach Madrid aufgeklärt, zu der wir alle mussten. Oft ist es besser, dann einfach mit dem Strom zu gehen, als zu viele Fragen zu stellen. Ich persönlich fand den Lehrinhalt im Vergleich zu Wien an vielen Stellen veraltet. So wurden im Fach Prefabrication, in dem es um vorgefertigten Bau geht, zehn Jahre alte Videos gezeigt und im Projekt war die Aufgabe, unter anderem ein Parkhaus in Mitten Madrids zu planen. Im Gegensatz zu der TU in Wien bietet die UGR mehr Möglichkeiten, sich aufzuhalten. Es gibt Cafeterias, die im Vergleich zu Wien extrem günstig sind (Kaffee 1,10 Euro, Tostadas gibt es ab 70 Cent) und einen Treffpunkt mit anderen Studierenden bilden. In den Innenhöfen scheint die Sonne, sodass sie perfekt für Pausen sind. Die UGR bietet auch Sportkurse an, wenn auch viel weniger als in Wien. Darüber habe ich einen Salsakurs besucht, der mich wiederum zur Tanzcommunity in Granada gebracht hat. Außerdem war ich ein paar mal bei einem Running Club (SevenRun), was mir auch sehr viel Spaß gemacht hat. Ich fand es sehr schön, auch neben der Uni und Erasmusveranstaltungen Hobbys zu finden, die mir Spaß machen und über die ich auch verschiedene Menschen kennenlernen konnte. Was mir am Anfang Schwierigkeiten bereitet hat, war das soziale Ankommen. Bereits in den ersten Tagen finden sehr viele verschiedene Events für Erasmusstudierende statt, in denen sich sofort erste Freundesgruppen gebildet haben, was mich etwas überfordert hat. Die ersten Wochen habe ich mich nicht wirklich dazugehörig gefühlt, da ich in den Erasmuskreisen keinen richtigen Anschluss fand (was aber auch an dem Altersunterschied lag (die meisten Erasmusstudierenden sind ca 20, ich bin 26 und daran, dass ich ungerne Alkohol trinke oder in Clubs gehe). Das hat mich schon zu Beginn sehr gestresst. Als ich aber dann die Dinge gemacht habe, die mir Freude bereiteten, wie das Tanzen und Laufen, habe ich auch eine soziale Gruppe gefunden. Zudem lernt man auch in der Uni schnell andere Menschen kennen
Ich würde raten, auf jeden Fall auf sich und sein Bauchgefühl zu hören (wenn es beispielsweise darum geht, in welche Stadt man gehen möchte). Ein Semester kann sich anfangs sehr lange anhören, die Zeit geht aber so unendlich schnell vorbei. Auch während des Aufenthaltes würde ich empfehlen, auf das Bauchgefühl zu hören. Gerade am Anfang gibt es so viele Events und es ist mir schwer gefallen, nicht alles mitzunehmen aus Angst, etwas zu verpassen. Dabei ist es völlig in Ordnung, sich auch mal Zeit für sich selbst zu nehmen und nicht auf jeder Veranstaltung dabei zu sein. Qualität geht hier ganz klar vor Quantität: Die intensivsten Begegnungen und schönsten Erinnerungen entstehen oft in kleineren Runden oder ganz spontanen Momenten. Man sollte sich also nicht unter Druck setzen, sondern die Zeit in einem Tempo genießen, das sich gut und richtig anfühlt.
Alleine in ein anderes Land zu ziehen ist etwas, was erstmal beängstigend wirken kann. Doch genau diese Herausforderung war für mich der größte Gewinn: Ich habe gelernt, selbstständiger zu werden, mich in neuen Situationen zurechtzufinden und offener auf Menschen zuzugehen (etwas, was mir jetzt auch in Wien viel leichter fällt). Dadurch bin ich nicht nur fachlich, sondern vor allem persönlich enorm gewachsen.