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Corona-Modellrechnungen: Peak in den nächsten Tagen in Sicht

Simulationsforscher Niki Popper im Interview: Die Dauer der Maßnahmen hängt davon ab, wie gut wir uns an sie halten. Wichtig sind Ressourcen für besseres Tracing, um Tracing Teams und das Gesundheitssystem zu entlasten.

Titelbild: Grafik mit Coronaviren

Wie gut passen die derzeitigen Entwicklungen zu Ihren Modellrechnungen? War diese Entwicklung abzusehen – und wurde schnell genug reagiert?

Popper: Ja, diese Entwicklung war auf Basis unserer Modelle leider vorherzusehen. Wann genau der Knick kommt und es dann sehr schnell geht, ist schwierig exakt voraus zu sagen. Wir haben das im Prognosekonsortium, opens an external URL in a new window im Oktober so gut es geht versucht. Wir haben, wie andere Kolleginnen, seit Sommer immer wieder den stufenweisen Anstieg kommuniziert. Zuletzt gab es zu stärkeren Maßnahmen keine Alternative mehr, wenn wir die Intensivbetten nicht überlasten wollen.

Die Infektionszahlen sind immer noch extrem hoch. Wann werden wir Auswirkungen der Maßnahmen sehen?

Popper: Wir gehen davon aus, dass die Maßnahmen bereits greifen, nur sehen wir es noch nicht. Wenn das so ist, dann wird der Höhepunkt der täglich positiv getesteten Mitte nächster Woche erreicht werden. Wir rechnen mit einem Peak der gleichzeitig aktiven Fälle Mitte November. Das Maximum der Intensivbetten-Nutzung wird noch etwas später erreicht werden. Derzeit gehen wir hier von ca. 750 Betten aus.

Wie kann man das abschätzen, wenn es doch zweifellos auch eine hohe Dunkelziffer geben muss?

Popper: Das berücksichtigen wir in unseren individuenbasierten Simulationen. Unser Modell beschreibt nicht nur die positiv getesteten Fälle, wir schätzen auf Basis der bekannten Daten auch andere Zahlen ab, die nicht direkt beobachtet werden können – etwa die Zahl der infizierten Personen, die noch gar keine Symptome zeigen und nicht getestet wurden. Wenn die Maßnahmen wirken, dann wirken sie in Realität mehr oder weniger sofort. Wir gehen also davon aus, dass wir das Maximum der Dunkelziffer bereits seit 3. November hinter uns haben. Dabei ist die Höhe der Dunkelziffer eine Annahme im Modell, die Dynamik ist aber immer ähnlich: Die Dynamik spielt sich immer früher ab als wir es sehen können. Wenn die offizielle Zahl der Erkrankten zurückgeht, ist der tatsächliche Anteil an Erkrankten bereits massiv gesunken. Wir hören die Musik immer erst, wenn das Orchester verstummt. Ab dann wirkt die Dynamik auf unserer Seite.