2026: Quartal 1 - “Nachteule” | MDPI-Transparenz-Workshop | Diamond Open Access an der TU Wien | TU Wien Academic Press auf der Leipziger Buchmesse | PID.at Competence Center startet | IP4OS-Projekt 

 

Lernen bis zum Morgengrauen: „Nachteule“ begeistert Studierende der TU Wien 

Am 16.01.2026 war die TU Wien Bibliothek unter dem Motto „Nachteule“ erstmals die ganze Nacht geöffnet. Ziel war es, für die Studierenden ein motivierendes und gemeinschaftsbildendes Lernerlebnis in einer ruhigen und sicheren Lernumgebung zu ermöglichen. Die Bibliothek war ab 22:00 Uhr ausschließlich für TU Wien Studierende zugänglich und bis 07:00 Uhr am Folgetag durchgehend geöffnet. Ergänzend zur verlängerten Öffnungszeit wurden ein Lernworkshop sowie kurze Einheiten zu Dehnungsübungen und Yoga-Atemtechniken angeboten; ein Snack- und Kaffeebuffet stand zur Verfügung. 

Die Veranstaltung wurde sehr gut angenommen - alle Lernplätze sowie die Gruppenarbeitsräume waren ausgebucht. Laut Zählsystem befanden sich ab 22:00 Uhr 358 Studierende im Gebäude. Die Rückmeldungen vor Ort und über Social Media fielen sehr positiv aus: 1.053 Likes; 93 % Zustimmung zur Wiederholung. Als Pilotversuch konzipiert, wurde die „Nachteule“ vom Kernteam der Zentralen Lehr- und Lernraumverwaltung und der TU Wien Bibliothek in Kooperation mit Gebäude und Technik (Sicherheitsmaßnahmen, technische Infrastruktur) sowie PR und Marketing (Kommunikation) umgesetzt. Eine semesterweise Fortführung wird aufgrund des Erfolges angestrebt.

MDPI-Transparenz-Workshop: Kritischer Dialog mit dem Verlag 

MDPI (Multidisciplinary Digital Publishing Institute) steht hinsichtlich der Qualität seiner Zeitschriften immer wieder in der Kritik. Die TU Wien Bibliothek holte ein in Deutschland bereits erprobtes Format nun erstmals nach Österreich und veranstaltete am 28.01.2026 einen „MDPI-Transparenz-Workshop“. Forschende hatten so die Möglichkeit, im persönlichen Austausch mit dem Verlag dessen Praktiken zu hinterfragen und mögliche Verbesserungsmaßnahmen zu diskutieren. 

Leonhard Suchenwirth, Fachreferent der TU Wien Bibliothek, moderierte die Veranstaltung. Tobias Pohlmann von der Universitätsbibliothek Kassel gab einen datenbasierten Einblick in die Entwicklung von MDPI, darunter Wachstum und zwischenzeitliche Einbrüche bei Publikationszahlen, und ging auf das Directory of Open Access Journals (DOAJ), die Rolle von Special Issues, die Annahmequote von rund 40 % sowie Retractions im Ausmaß von 0,25 pro 1.000 Publikationen ein. Seitens MDPI erläuterten Peter Roth, Head of Publishing, und Sarah Klinnert, Managing Editor „Cardiovascular Medicine“, die Rolle der Herausgeber_innen, die redaktionellen Prozesse und Qualitätssicherungsmaßnahmen. Im Mittelpunkt der anschließenden Diskussion standen die Themen Zeitdruck im Publikationsprozess, Auswahl und Qualität von Gutachter_innen, die Bedeutung von Special Issues, der Umgang mit Metadaten zu Retractions sowie institutionelle Vereinbarungen. 

Wissenschaftliche Journals ohne Verlag? Die TU Wien macht es vor! 

Die TU Wien Bibliothek unterstützt mit ihrem Hosting-Service bereits seit Jahren Forschende, die wissenschaftliche Open-Access-Zeitschriften ohne kommerzielle Verlage und ohne Article Processing Charges (APCs) betreiben wollen. Unter dem Namen "Diamond Open Access" wird aktuell diskutiert, wie dieses Modell in Konkurrenz zu den Großverlagen treten und wissenschaftlichen Institutionen eine größere finanzielle Unabhängigkeit bringen kann. 

Bei einem Workshop unter dem Titel „Diamond Open Access in Österreich gemeinsam gestalten“ an der Universitätsbibliothek der Universität Wien wurde im Februar mit Vertreter_innen von Institutionen aus ganz Österreich diskutiert, was es braucht, um diese institutionellen Angebote langfristig erfolgreich zu betreiben und auf nationaler Ebene sichtbar zu machen. Die TU Wien Bibliothek bleibt in die Diskussion involviert und weitet ihren Hosting-Service für TU-Wien-Angehörige auch auf Conference Proceedings aus. Die Software Janeway ist dafür eine geeignete technische Infrastruktur. 

Open Access im Senat der TU Wien: Konstruktiver Austausch zur strategischen Weiterentwicklung 

Auf Einladung des Senats stellte Beate Guba in der Senatssitzung am 26. Januar 2026 die Open-Access-Strategie der TU Wien vor. Nach einem Überblick über die Angebote der Bibliothek lag der Schwerpunkt auf den Verträgen mit kommerziellen Verlagen, die vom klassischen Zeitschriftenabonnement auf Gold Open Access umstellen möchten. 

Die meisten dieser sogenannten transformativen Abkommen sind Konsortialverträge, die österreichische Universitäten gemeinsam über die Kooperation E-Medien Österreich (KEMÖ) abschließen. Dank Projektmitteln aus AT2OA(2) sowie der Zusammenarbeit mit dem FWF konnte die Zahl dieser Verträge in den vergangenen Jahren deutlich erhöht werden. Dadurch wurden zwar hohe Open-Access-Quoten beim Publikationsaufkommen erreicht, insgesamt verläuft die Umstellung von Subskriptionszeitschriften auf Gold Open Access jedoch weiterhin langsam. 

Der FWF setzt als Mitglied der cOAlition S auf die sogenannte Rights-Retention-Strategie und fördert alternative Publikationsplattformen, die Open Peer Review ermöglichen, wie etwa Open Research Europe (ORE). Das BMFWF treibt im Rahmen der aktuellen Leistungsvereinbarung und des ERA-NAP 2026–2028 gezielt Diamond Open Access voran. 

In der anschließenden Fragerunde und Diskussion ging es unter anderem darum, wie sich die Verhandlungsposition der Universitäten gegenüber den kommerziellen Verlagen weiter stärken lässt. Ingrid Haas, Leiterin der Fachgruppe Zeitschriften und Datenbanken, nahm die Impulse aus der Diskussion in die KEMÖ mit. Die Bibliothek der TU Wien engagiert sich aktiv und nachhaltig für Open Access und freut sich auf den weiteren Austausch mit dem Senat. 

Neuerscheinungen von TU Wien Academic Press auf der Leipziger Buchmesse 

Das Buch „Frauengerechter Wohnbau in Österreich: Gleichstellungspolitischer Anspruch und strukturelle Relevanz von Modellprojekten“ von Sabina Riss ist rechtzeitig zum Internationalen Frauentag erschienen. Der frauengerechte Wohnbau ist das Resultat feministischer Planungsdebatten. In dieser Publikation wird der Fokus erstmals auf frauengerechte Modellwohnprojekte im österreichischen geförderten Wohnbau gelegt, die im Kontext der Frauenpolitik entwickelt wurden. 

Der druckfrische Sammelband „OFF! De-Centering Feminist Architectural History“, herausgegeben von Thomas Moser, Sabine Plakolm-Forsthuber und Harald R. Stühlinger, gibt Architektinnen aus dem „Hintergrund“ eine Stimme – jenen, die im Schatten des Kanons oder an dessen Rändern arbeiten. Anhand von 27 Kurzbiografien und einer Reihe wissenschaftlicher Aufsätze präsentiert er globale, intersektionale und queere-feministische Perspektiven auf Architektur und Raum. Der Band fördert eine kritische feministische Geschichtsschreibung, die auf Vielfalt, Kontroversen und die fortwährende Neugestaltung der Architekturgeschichte ausgerichtet ist.

Diese und weitere Bücher aus dem Verlagsprogramm wurden am Gemeinschaftsstand des Hauptverbandes des österreichischen Buchhandels vom 19.- 23. März 2026 auf der Leipziger Buchmesse, dem wichtigsten Frühjahrstreff der Buchbranche, präsentiert.

PID.at Competence Center startet mit klarer Struktur und ersten Erfolgen 

Im Rahmen der Leistungsvereinbarung 2025–2027 etabliert die TU Wien Bibliothek ein PID.at Competence Center, das als zentrale Anlaufstelle für den Einsatz und Ausbau von Persistent Identifiers (PIDs) positioniert wird. Fünf definierte Arbeitspakete strukturieren die Umsetzung. Mit der Besetzung von zwei Projektstellen konnte die operative Arbeit planmäßig aufgenommen werden. 

Parallel dazu wurden gezielt Maßnahmen zur Positionierung gesetzt: Das Corporate Design ist finalisiert, der Launch der Website im nächsten Quartal vorgesehen. Auch die Vorbereitung einer Cost-Benefit-Studie durch ORE Consulting ist weit fortgeschritten; die Studie soll eine datenbasierte Grundlage für strategische Entscheidungen liefern. Im Bereich der Einführung neuer PIDs wurde eine systematische Analyse und Bewertung mittels SWOT durchgeführt. Ein Schwerpunkt wird auf das Handle-System gelegt. 

Im Handlungsfeld Outreach und Vernetzung konnte das Competence Center bereits früh Sichtbarkeit aufbauen: Ein Vortrag auf dem FAIR Digital Objects Forum in Wien sowie Einreichungen für weitere internationale Veranstaltungen stärken den Austausch mit europäischen Initiativen. 

TU Wien als Pilotpartner im IP4OS-Projekt (Intellectual Property for Open Science) 

Auf Initiative der Bibliothek nahm die TU Wien am IP4OS Pilot Learning Lab teil, einem praxisorientierten Format für Teams an der Schnittstelle von Open Science und Wissensvalorisierung. In drei interaktiven Sitzungen reflektierten die Teilnehmenden aus den zentralen Bereichen Innovation and Knowledge Transfer, Patent- und Lizenzmanagement, Innovation Incubation Center, Förderberatung und Wirtschaftskooperationen, Zentrum für Forschungsdatenmanagement, Datenschutz und Dokumentenmanagement und Bibliothek ihre Rollen und Kommunikationsstrategien, erprobten neue Ansätze im Team und entwickelten konkrete nächste Schritte. Das Learning Lab förderte die Zusammenarbeit über Disziplinen hinweg und liefert wertvolle Impulse für die zukünftige Praxis an der TU Wien. Näheres zum IP4OS-Projekt, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster