Von der Planung bis zur Eröffnung

In den 1970er-Jahren war der Platzmangel in den bestehenden Bibliotheksräumen der TU Wien akut. Der Bau einer neuen Hauptbibliothek war unumgänglich geworden. Die Vorarbeiten für dieses Großprojekt dauerten von 1977 bis 1981 an. 1978 legten Justus Dahinden, Reinhard Gieselmann, Alexander Marchart und Roland Moebius als Arbeitsgemeinschaft erste Detailplanungen vor.

Die Architekten waren der TU Wien verbunden: Justus Dahinden (*1925 in Zürich, †2020 ebenda) unterrichtete von 1974 bis 1995 am Institut für Raumgestaltung und Entwerfen. Reinhard Gieselmann (*1925 in Münster, †2013 in Karlsruhe) hatte von 1969 bis 1992 einen Lehrstuhl am Institut für Wohnbau und Entwerfen der Technischen Hochschule inne. Alexander Marchart (*1927) hatte bereits das "Freihaus" der TU Wien mitentworfen, das im Jahr 1984 fertiggestellt wurde.

Marchart übernahm die Aufsicht über den Bau der Bibliothek, der im Sommer 1984 begann. Drei Jahre später, ab Herbst 1987, wurden die Räumlichkeiten nach und nach in Betrieb genommen und am 17. Dezember 1987 fand die feierliche Eröffnung des neuen Hauses statt.

Das Gebäude in Zahlen

Betritt man den Eingangsbereich im Erdgeschoss der Bibliothek, ist von der U-Bahn-Röhre darunter nichts zu bemerken. Auf einer Grundfläche von 1640 m² erhebt sich ein Stahlbetonskelett mit einem Stützraster von 7,20 x 7,20 m, das auf einer 1,3 m starken Stahlbetonplatte gründet.

Unter dem Erdgeschoss liegen drei Untergeschosse, die größtenteils als Bücher- und Zeitschriftenmagazine verwendet werden. Darüber liegen fünf Stockwerke mit Freihand-, Lese- und Lernbereichen sowie die Verwaltungsebene im 6. Stock. Der Innenbereich wurde von Reinhard Gieselmann geplant, die Nettonutzfläche beträgt 9506 m².

Die Fassade und ihre Eule

Die hohe Sockelzone, die vorspringenden senkrechten Fensterbänder zwischen durchlaufenden Pfeilern und Mauerflächen, das massive Architravgeschoss mit Gesims und nicht zuletzt die 18 m hohe "Eule" sind bezeichnend für das neue Bibliotheksgebäude.

Die Bibliotheksfassade wurde in ihrer Komposition und Gliederung dem vorhandenen Baubestand am Karlsplatz angepasst, ohne historisierend zu wirken - so die Festschrift zur Eröffnung im Jahr 1987. Als Anregungen dienten "Kolossalordnungen auf geschoßhohen Sockeln, massive obere Abschlüsse und Gesimse mit zurückgesetzten kupfergrünen Blechdächern, sowie verglaste Erker", die auf bestehenden wichtigen Bauten am Karlsplatz zu sehen sind.

Justus Dahinden war für das Aussehen dieser markanten Fassade verantwortlich. Gerade die Verkleidung der Wandflächen mit quadratischen Steinplatten ist auch in Otto Wagners bedeutendsten Bauten, der Steinhofkirche und der Postsparkasse, zu finden. So stellt Dahinden mit einer vielschichtigen, "typisch postmodernen" Fassade der frühen 1980er-Jahre einen Bezug zur architektonischen Vergangenheit Wiens her.

An der Ecke, wo die Wiedner Hauptstraße auf den Karlsplatz trifft, sollte ursprünglich nur ein schlanker, ungegliederter Pfeiler das Gebäude betonen, wie ihn auch noch die Bautafel im Erdgeschoss zeigt. Ein Jahr nach Baubeginn bewilligte der Akademische Senat jedoch nachträglich die Errichtung einer Eulenplastik an diesem städtebaulich wichtigen Ort.

Der Bildhauer Bruno Weber (*1931 in Dietikon, †2011 ebenda) entwickelte die Figur zunächst in Dietikon als liegende Betonplastik und nahm davon Formen aus laminiertem Polyester. Mithilfe dieser Schalungen wurde der Pfeiler an Ort und Stelle im Frühjahr 1986 Schicht für Schicht aus Beton gegossen und mit einheitlich getöntem Lehm beschichtet.