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Vom Produkt zur Unternehmenskultur: Wie das EPOC-Modell Unternehmen wie Tesla und Ferrari neu denkt

Warum die Automobil- und Luftfahrtindustrie vor einem radikalen Wandel steht?

Mann lädt ein Auto auf.

© Adobestock/Halfpoint

Neue Antriebstechnologien, autonome Fahrzeuge und nachhaltige Mobilitätskonzepte verändern nicht nur Produkte, sondern auch die Organisationen, die sie entwickeln. Doch wie können Unternehmen diese Transformation erfolgreich gestalten? Wir haben Dr.Gerhard Plasonig zu einem Expert Talk am 18. Juni 2026 eingeladen, in dem er mit dem EPOC-Modell („Equivalence of Product, Organization and Culture“) einen Innovationsansatz anbietet. 

Dr. Plasonig ist Honorar-Professor der TU München und  Experte für Innovationsmanagement. Im Buch  „Towards the New Normal in Mobility“ (Hrsg. Heike Proff, Verlag Springer Gabler, 2023) hat er einen Artikel veröffentlicht, in dem er die Organisation als Spiegelbild des Produkts skizziert und aufzeigt,  wie Produkt, Organisation und Unternehmenskultur untrennbar miteinander verbunden sind. 

Das EPOC-Modell wird anhand von praktischen Beispielen wie Tesla oder Ferrari erklärt und Dr. Plasonig wird aufzeigen,  warum traditionelle Hierarchien scheitern – und wie Unternehmen stattdessen agil, ethisch und zukunftsfähig werden. Vorab haben wir ihn zu einem kurzen Interview gebeten.

Herr Dr. Plasonig,das EPOC-Modell verbindet Produkt, Organisation und Kultur. Warum scheitern viele Unternehmen daran, diese drei Ebenen synchron zu entwickeln?

Das Problem liegt in der Zukaufs-Mentalität der Hersteller_innen: statt ein Produkt aus einem „Guss“ inhouse zu entwickeln, wie das gute Premium-Hersteller_innen machen, wird aus „Regalen“ von Komponenten-Hersteller_innen zugekauft und assembliert. Damit ist ein Fahrzeug dann eine Summe von Zukaufsteilen, die – so wie die herstellenden Organisationen - wenig aufeinander abgestimmt sind.

Sie vergleichen die Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte mit der Herstellung eines Films – unplanbar und subjektiv. Wie lassen sich trotzdem Investitionen und Risiken steuern?

Audi gab vor vielen Jahren die Antwort: „Vorsprung durch Technik“ entstand bottom-up durch iterative Schritte mutiger Techniker_innen und einem genialen „Regisseur“: genau so entstehen grossartige Filme, trial & error, ungeplante Sequenzänderungen, grossartige Akteur_innen, und ein sehr guter Cutter am Ende. Nichts davon steht in den Strategiepapieren oberster Führungsebenen.

In Ihrem Buchbeitrag nennen Sie die vierte Ordnung – Ethik und Nachhaltigkeit – als entscheidend für die Zukunft. Wie können Unternehmen ethische Entscheidungen in die Produktentwicklung integrieren, ohne wirtschaftlich benachteiligt zu werden?

Das ist die ganz grosse Frage: Gerade schreibt die europäische Fahrzeugindustrie viele Milliarden wegen gut-gemeinter und doch verfehlter Elektromobilitätsentwicklungen ab. Man hat den „Zeitgeist“ falsch eingeschätzt, hat an der Bereitschaft der Käufer_innen zu umfassender E-Mobilität vorbeientwickelt und auf Halde produziert. Es gibt auch ethische Entscheidungen, die kann sich ein gewinnorientiertes Unternehmen einfach nicht leisten, z.B. feuersichere Formel 1 Tanks in Serienwagen zu verbauen und so zwar potentiell viele Leben zu retten, jedoch kein solches Fahrzeug preis-vernünftig verkaufen zu können. Und es gibt Entscheidungen, die klar gegen neue und neueste Technologien auf dieser ethischen Ebene gefällt werden sollten bzw. müssen – z.B. die Genschere CRISPR/Cas zur Manipulation gesunder Embryos einzusetzen, Stichwort Designerbabies. 

Wir laden Sie ein, beim Expert Talk am 18. Juni 2026 um 16:00 Uhr in der TU Wien Academy mit Dr. Gerhard Plasonig persönlich zu diskutieren.  Mehr Informationen und die kostenlose Anmeldung finden Sie hier.