Gute Weiterbildung vermittelt heute weit mehr als Wissen. Sie schafft Situationen, in denen Menschen neue Fähigkeiten und Verhaltensweisen ausprobieren, Feedback erhalten, reflektieren und ihr Mindset weiterentwickeln können. Im Gespräch gibt Wolfgang Güttel, Leiter der TU Wien Academy, Einblick in das Angebot der Academy und erklärt, worauf es bei wirksamer Weiterbildung ankommt.
Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Weiterbildungen am Markt. Worauf sollte man bei der Wahl unbedingt achten?
Entscheidend ist zunächst, was jemand lernen möchte. Geht es vor allem darum, fachliche Expertise zu erweitern – beispielsweise neue Softwarekenntnisse zu erwerben oder den professionellen Umgang mit KI und Prompting zu erlernen – spielen die Qualität und Reputation des Anbieters sowie Empfehlungen aus dem eigenen Umfeld eine wichtige Rolle. Solche Inhalte lassen sich häufig auch digital oder in kompakten Formaten sehr gut vermitteln.
Anders ist es, wenn Menschen neue Verhaltensweisen entwickeln oder ihre Führungsrolle verändern sollen. Dann reicht Wissensvermittlung allein nicht. Gruppengröße, Übungen, Feedback, Vortragende und der Austausch mit anderen Teilnehmer_innen werden wesentlich. Ein typisches Beispiel ist der Schritt von der Fachexpertin oder dem Fachexperten zur Führungskraft: Neben fachlicher Expertise braucht es nun die Fähigkeit, Teams zu führen und weiterzuentwickeln. Dafür muss sich auch das eigene Mindset verändern. Gerade solche Lernprozesse profitieren stark von Präsenz, Interaktion und gemeinsamer Reflexion.
In unseren Programmen greifen wir das Thema Führung über sogenannte „Leadership Modes“ auf. Teilnehmer_innen entwickeln dabei Mindset, Skills und konkrete Führungsverhaltensweisen weiter. Ziel ist, situationsgerecht zwischen Fach- und Teamexpertise wechseln zu können. In einem Mitarbeitergespräch kann es beispielsweise notwendig sein, zunächst eine fachliche Frage zu klären und anschließend bewusst auf die Beziehungsebene zu wechseln, um Leistung und Weiterentwicklung gleichermaßen zu unterstützen.
Lange oder kurze Weiterbildung: Was sind die jeweiligen Vor- und Nachteile?
Auch das hängt stark vom Lernziel ab. Vieles kann im Selbststudium oder in einem Tagesseminar erworben werden. Wenn es dagegen um Führung, Zusammenarbeit oder andere Verhaltensänderungen geht, sind Rollenspiele, Übungen, Feedback, Netzwerken und der Austausch mit Teilnehmer_innen und Vortragenden zentrale Bestandteile des Lernens.
Der entscheidende Punkt ist der Transfer: Neues Verhalten muss ausprobiert, reflektiert, mit Feedback weiterentwickelt und erneut angewendet werden. Dafür braucht es Zeit. Längere Formate schaffen mehr Möglichkeiten für solche Lernschleifen und für Selbstreflexion. Kurze Formate können wichtige Impulse setzen; nachhaltige Verhaltensentwicklung benötigt jedoch meist wiederholte Anwendung.
Eine interessante Beobachtung machen wir regelmäßig in unseren Programmen: Viele Teilnehmer_innen beginnen einen Lehrgang, weil sie beispielsweise mehr über Immobilien, Innovation oder Technologie lernen möchten. Fragt man sie am Ende, welches Modul ihnen besonders viel gebracht hat, wird sehr häufig das Führungsmodul genannt. Deshalb widmen wir dem Thema Führung in unseren Lehrgängen bewusst neun Kurstage.
Wandel und Veränderung machen auch vor Weiterbildung nicht Halt. Was hat sich in den letzten Jahren bei der TU Wien Academy verändert?
Verändert haben sich sowohl die Inhalte als auch die Art, wie gelernt wird. Neue technologische Entwicklungen finden rasch Eingang in unsere Programme; KI ist dafür ein besonders sichtbares Beispiel. Gleichzeitig nutzen Teilnehmer_innen generative KI und LLMs zunehmend, um Literatur zusammenzufassen, Inhalte aufzubereiten oder sich Lernstoff auf unterschiedliche Weise erschließen zu lassen.
Damit wird Lernen individueller, technologiegestützter und in vielen Bereichen auch modularer. Gerade dadurch steigt aus meiner Sicht aber der Wert jener Präsenzphasen, in denen Interaktion nicht einfach digital ersetzt werden kann: gemeinsames Problemlösen, Übungen, Feedback, Diskussion und Reflexion. Die Zukunft der Weiterbildung ist daher nicht einfach digital oder analog. Entscheidend ist, für jedes Lernziel das passende Format einzusetzen.
Welche Programme der TU Wien Academy liegen dir persönlich besonders am Herzen?
Zu meinen persönlichen Favoriten gehört Strategic Management & Technology, wo ich auch Lehrgangsleiter bin. Sehr spannend finde ich auch Innovation Management & Entrepreneurship mit seinem Fokus auf Unternehmensentwicklung sowie Immobilienmanagement & Bewertung – einen Lehrgang, der seit über 30 Jahren zu unserem Portfolio gehört und weiterhin sehr erfolgreich ist.
Daneben zeigen Programme wie Space Architecture oder Operational Excellence & AI, wie stark sich unser Portfolio in Richtung neuer Technologien und Zukunftsthemen entwickelt. Charakteristisch für die TU Wien Academy ist dabei die Verbindung von technologischer und fachlicher Exzellenz mit Leadership- und Managemententwicklung. Unsere Programme sind modular aufgebaut und ermöglichen in höheren Semestern unterschiedliche Spezialisierungen. So können Teilnehmer_innen fachliche Vertiefung mit jener Führungs- und Umsetzungskompetenz verbinden, die sie für ihren beruflichen nächsten Schritt benötigen.
Vielen Dank für das Gespräch.
Übersicht aller Weiterbildungsangebote der TU Wien Academy
Interview: Sonja Haberl

