Im Rahmen einer dreitägigen Fachexkursion nach Madrid erhielt die Community der TU Wien Academy umfassende Einblicke in aktuelle Entwicklungen des spanischen Immobilienmarktes sowie in innovative Projekte der Stadt- und Quartiersentwicklung. Auf dem Programm standen Fachgespräche mit Branchenexpertinnen und -experten, die Besichtigung außergewöhnlicher Immobilienprojekte sowie die Analyse erfolgreicher Stadtentwicklungsmaßnahmen der spanischen Hauptstadt.
Dynamischer Immobilienmarkt mit regionalen Unterschieden
Zum Auftakt besuchte die Teilnehmer_innen den internationalen Immobiliendienstleister Savills. Die Research-Spezialisten Alexis Pourcelot und Enrique Massaud vermittelten einen fundierten Überblick über die verschiedenen Immobiliensegmente Spaniens und deren aktuelle Entwicklung.
Als wesentlicher Wachstumstreiber wurde der jährliche Bevölkerungszuwachs von rund 500.000 Personen hervorgehoben, der insbesondere seit 2020 deutlich an Dynamik gewonnen hat. Gleichzeitig sorgen neue Arbeitsplätze und eine sinkende Arbeitslosenquote für zusätzliche Nachfrage am Immobilienmarkt. Besonders am Wohnungsmarkt zeigt sich jedoch ein deutliches Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Die politischen Rahmenbedingungen und Lösungsansätze unterscheiden sich dabei erheblich zwischen den Regionen und Städten, wodurch sich der spanische Immobilienmarkt insgesamt äußerst heterogen präsentiert.
X-Madrid: Vom Einkaufszentrum zur Erlebniswelt
Ein besonderes Highlight des ersten Exkursionstages war die Besichtigung von X-Madrid, einem ehemaligen Einkaufszentrum, das nach den Auswirkungen der Immobilienkrise 2008 grundlegend neu ausgerichtet wurde.
Jorge Amérigo und Cristina Cubilla erläuterten die Transformation des ursprünglich 2002 errichteten Objekts zu einem multifunktionalen Freizeit- und Erlebniszentrum. Heute umfasst das Angebot unter anderem ein 20 Meter tiefes Tauchbecken für Sporttaucher, eine Indoor-Wellenanlage für Surfer, Kletterflächen sowie multifunktionale Bereiche für Skater und Rollschuhfahrer.
Ergänzt wird das Konzept durch hochwertige Handelsflächen, ein modernes Kino sowie ein vielfältiges Gastronomieangebot rund um ein großzügiges Atrium, das auch für Veranstaltungen genutzt werden kann. X-Madrid zeigt eindrucksvoll, wie sich klassische Einkaufszentren durch innovative Nutzungskonzepte erfolgreich neu positionieren können.
Sozialer Wohnbau und nachhaltige Quartiersentwicklung
Der zweite Exkursionstag stand ganz im Zeichen des Wohnbaus. Gemeinsam mit dem Architekten und Stadtführer Werner Durrer von Guiding Architects wurden mehrere Wohnquartiere besichtigt.
Im Fokus stand zunächst das Projekt „Ecobarrios Puente de Vallecas“, ein Quartier mit zwölf Gebäuden und rund 1.200 Wohneinheiten. Durch einkommensabhängige Fördermodelle können leistbare Wohnkosten sichergestellt werden. Gleichzeitig verhindern Einschränkungen bei der Weiterveräußerung der Wohnungen spekulative Entwicklungen. Besonderes Augenmerk wird zudem auf nachhaltige Energiekonzepte gelegt, aktuell etwa durch die Umstellung auf Wärmepumpensysteme.
Im Stadtteil Carabanchel Alto wurde ein weiterer Ansatz des sozialen Wohnbaus vorgestellt. Dort kamen Architekturwettbewerbe gezielt zum Einsatz, um die gestalterische und funktionale Qualität der Gebäude zu steigern. Auffällig waren die architektonisch anspruchsvollen Lösungen sowie die stärker abgeschirmten halböffentlichen Freiräume, die sich deutlich von vergleichbaren Konzepten in Österreich unterscheiden.
Besonders beeindruckend zeigte sich ein Wohngebäude mit einer beweglichen Bambusfassade. Die individuell verstellbaren Elemente ermöglichen eine flexible Anpassung an Licht- und Klimabedingungen und verbinden ästhetische mit funktionalen Anforderungen.
Madrid Río als Vorzeigeprojekt moderner Stadtentwicklung
Am dritten Exkursionstag standen großmaßstäbliche Stadtentwicklungsprojekte im Mittelpunkt. Ausgangspunkt war die neu gestaltete Plaza de España, die sich in den vergangenen Jahren von einem verkehrsdominierten Raum zu einem attraktiven urbanen Treffpunkt entwickelt hat.
Durch die Verlagerung wesentlicher Verkehrsströme in den Untergrund entstand ein großzügiger öffentlicher Raum, der heute eine direkte fußläufige Verbindung bis zum Königspalast ermöglicht. Parallel dazu wurde auch die angrenzende Immobilienentwicklung neu belebt.
Ein weiteres Beispiel erfolgreicher Stadtentwicklung stellt der Madrid Río Park dar. Im Zuge dieses Projekts wurde der Fluss Manzanares renaturiert und die entlang des Flusses verlaufende Stadtautobahn auf einer Länge von mehr als 40 Kilometern untertunnelt.
Die dadurch entstandenen Grün- und Erholungsflächen verbinden heute zuvor voneinander getrennte Stadtteile und werden von der Bevölkerung intensiv genutzt. Gleichzeitig fungiert die Aufwertung des öffentlichen Raums als Impulsgeber für zahlreiche weitere Immobilien- und Stadtentwicklungsprojekte.
Wertvolle Impulse für die Praxis
Die Exkursion verdeutlichte eindrucksvoll, wie unterschiedlich Städte und Projektentwickler auf aktuelle Herausforderungen in den Bereichen Wohnen, Handel, Mobilität und öffentlicher Raum reagieren. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten zahlreiche Anregungen für die eigene berufliche Praxis mitnehmen und erhielten wertvolle Einblicke in innovative Ansätze der Immobilien- und Stadtentwicklung, die weit über die Grenzen Spaniens hinaus Beachtung finden.











