Die feierliche Übergabe des Qualitätssiegels in der Argentinierstraße markiert einen Fall, der weit über das einzelne Unternehmen hinausweist – und zeigt, was es bedeutet, ein firmeninternes Trainingsprogramm von einer technischen Universität prüfen zu lassen.
HOERBIGER, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster betreibt seit Jahrzehnten Schulungen für Kunden und Mitarbeitende. Was lange informell mitlief, wurde vor rund fünf Jahren zu einem eigenständigen Produkt: dem Industry Qualification Program, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster, standardisiert über die weltweiten Trainingscenter des Konzerns hinweg. Mit der nun erfolgten Zertifizierung durch die TU Wien Academy for Continuing Education erreicht dieses Programm eine neue Stufe – eine, die im Markt zunehmend nachgefragt wird.
Warum ein Unternehmen die Validierung durch eine Universität sucht
Der Auslöser kam von außen. „Es wäre auch toll, wenn wir das auf ein offizielles Level bringen könnten" – so beschreibt Christian Prinz, Managing Director der HOERBIGER Wien GmbH, das Feedback aus dem Kundenkreis. Der Grund ist handfest: In vielen Ländern, besonders im angelsächsischen Raum, ist nachgewiesene Weiterbildung (Continuing Education) Voraussetzung dafür, dass Fachkräfte ihren Berufsstatus halten – etwa Titel wie Professional Engineer. Wer in einem zertifizierten Corporate-Programm lernt, sammelt damit gleichzeitig anerkannte Fortbildungsnachweise.
Für HOERBIGER kam eine intrinsische Motivation hinzu: das eigene Angebot weiter zu professionalisieren und – entscheidend – unabhängig von einzelnen Personen zu machen. „Das, was es braucht, um wirklich global denselben Standard anbieten zu können", so Prinz. Egal ob das Trainingscenter in Wien, in Fernost oder in den USA steht: Die Qualität soll überall identisch sein, auch wenn Mitarbeitende wechseln oder neue Aufgaben übernehmen.
Die TU Wien Academy for Continuing Education prüft Corporate-Trainingsprogramme in einem strukturierten, mehrstufigen Verfahren. Im Fall HOERBIGER lief es so ab:
Self-Assessment. Das Unternehmen erstellt einen Selbstbewertungsbericht und prüft das eigene Programm anhand von Qualitätskriterien, die die Academy als Leitfaden bereitstellt.
Review & Evaluation. Ein Reviewpanel begutachtet die eingereichten Unterlagen und führt vor Ort beziehungsweise online Interviews – mit Trainer:innen, mit aktuellen und früheren Teilnehmenden sowie mit den Verantwortlichen im Unternehmen. Das Panel bestand aus Univ.-Prof. Manfred Grafinger (TU Wien) und Albrecht Benoni (FH Technikum Wien).
Reviewbericht & Feedback. Das Panel erstellt eine schriftliche Bewertung auf Basis der Dokumente und der Erkenntnisse aus dem Besuch.
Zertifizierungsentscheidung. Auf Grundlage des Berichts wird über die Vergabe des Qualitätssiegels entschieden.
Laufende Qualitätssicherung. 30 Monate nach der Zertifizierung folgt ein Mid-Cycle-Review.
Die Zertifizierung gilt fünf Jahre und ist verlängerbar. Nach erfolgreichem Abschluss darf das Logo „Certified by TU Wien Academy for Continuing Education" als Teil des Programms verwendet werden.
„Herausfordernd, aber partnerschaftlich"
Dass ein solches Verfahren anspruchsvoll ist, verschweigt Prinz nicht: „Die Kollegen und Kolleginnen, die haben schon geschwitzt." Entscheidend sei aber der Ton gewesen – kein erhobener Zeigefinger, sondern ein gemeinsames Arbeiten am Ziel. Die externen Reviewer hätten genau jene Punkte aufgezeigt, die dem Unternehmen geholfen haben, einige Schritte vorwärtszukommen.
Der vielleicht überraschendste Effekt: HOERBIGER selbst hat im Prozess gelernt. „Wir sind ja kein Weiterbildungsinstitut", sagt Prinz. „Das ist Know-how, das wir ins Unternehmen bekommen haben – wie lehre ich richtig, und wie setze ich ein Programm auf, damit es nachhaltig funktioniert." Aus einer Zertifizierung wurde damit ein Stück Corporate Learning.
Ein Reputationsfaktor mit Marktwirkung
Warum ausgerechnet die TU Wien? Neben der örtlichen Nähe nennt Prinz vor allem den internationalen Ruf: In der Branche der Kolbenkompressoren ist die TU Wien ein bekannter Name, und wer das Zertifikat ausstellt, lässt sich heute ohnehin in Sekunden recherchieren.
Die Wirkung zeigt sich bereits. Mehrere Kunden hätten geradezu auf den offiziellen Status gewartet, um die Teilnahme leichter genehmigt zu bekommen. Einige nehmen das Trainingsprogramm nun in ihr eigenes Corporate-Standard-Portfolio auf. Gerade in Märkten im Mittleren Osten und in Fernost, so Prinz, hätten solche Zertifizierungen einen besonderen Stellenwert.
Seine Empfehlung fällt entsprechend klar aus – und sie gilt nicht nur Unternehmen, sondern auch Einzelpersonen, die ihre Weiterbildungsauflagen erfüllen müssen. Für wen lohnt es sich besonders? „Speziell für Unternehmen, die exportorientiert sind", sagt Prinz, „die ein bisschen über die DACH-Region hinausgehen."
v.l.n.r.: Petra Aigner (TU Wien Academy), Wolfgang Güttel (TU Wien Academy), Alessandro Baldusso, Christian Prinz (HOERBIGER), Barbara Orazume (TU Wien Academy), Anna Hofer (HOERBIGER), Carolin Gappmaier (TU Wien Academy)
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v.l.n.r.: Petra Aigner (TU Wien Academy), Wolfgang Güttel (TU Wien Academy), Alessandro Baldusso, Christian Prinz (HOERBIGER), Barbara Orazume (TU Wien Academy), Anna Hofer (HOERBIGER), Carolin Gappmaier (TU Wien Academy)
Das Angebot ist Teil des Bereichs Corporate Impact Solutions (CIS) der TU Wien Academy for Continuing Education. Es richtet sich an Unternehmen, die eigene Trainings- oder Qualifizierungsprogramme betreiben und diese durch eine unabhängige, akademische Instanz validieren lassen wollen – um die Qualität nach innen abzusichern und nach außen, gegenüber Kunden und in internationalen Märkten, glaubwürdig zu belegen.
Der Anspruch dahinter ist eine Partnerschaft auf Augenhöhe: Organisationen und Menschen in Entwicklung zu bringen – auch dort, wo es, wie beim Muskelaufbau, kurzzeitig fordert, bevor etwas stärker zusammenwächst.
Interesse an einer Zertifizierung?
Unternehmen, die ihr eigenes Schulungsprogramm zertifizieren lassen möchten oder mehr über das Verfahren erfahren wollen, wenden sich an:
Mag. Carolin Gappmaier Quality Manager Academy for Continuing Education Telefon: +43-1-58801-41720 E-Mail: carolin.gappmaier@tuwien.ac.at
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