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Nachhaltiges Bauen in der Praxis: Einblicke von Alumna und Dozentin Sabrina Seebacher

Sabrina Seebacher kennt den Lehrgang Nachhaltiges Bauen aus zwei Perspektiven: Als Absolventin hat sie ihn selbst durchlaufen – heute gibt sie ihr Wissen als Vortragende weiter. In diesem Gespräch spricht sie darüber, warum nachhaltiges Bauen nur interdisziplinär funktioniert, weshalb unbequeme Fragen oft die wichtigsten sind und was Absolvent_innen im Berufsalltag wirklich weiterbringt.

Sabrina Seebacher @ Porr

Nachhaltiges Bauen ist längst kein Nischenthema mehr, doch die Umsetzung in der Praxis bleibt komplex. Zwischen Materialauswahl, Kreislaufwirtschaft, Zertifizierungsanforderungen und ESG-Erwartungen stehen Fachleute im Bausektor unter zunehmendem Druck, Entscheidungen zu treffen, die technisch, wirtschaftlich und ökologisch tragfähig sind. In diesem Interview erklärt Sabrina Seebacher, Teamleitung Nachhaltiges Bauen & Innovation Abfallmanagement & Umwelt @ PORR AG sowie Absolventin und Dozentin des Studiengangs Nachhaltiges Bauen an der TU Wien Academy, warum interdisziplinäres Denken unerlässlich ist, wie praktische Methoden den Unterschied ausmachen – und warum unbequeme Fragen oft zu besseren Gebäuden führen.

Gab es einen konkreten Aha-Moment im Lehrgang oder eine Fähigkeit, die Ihnen heute hilft, komplexe Herausforderungen schneller zu lösen?

Einen einzelnen Aha-Moment gab es eigentlich nicht.
Es war vielmehr eine Sammlung von Erkenntnissen, die sich nach und nach zu einem Gesamtbild gefügt haben.

Besonders prägend war zu sehen, wie entscheidend das Zusammenspiel unterschiedlicher Fachbereiche ist. Nachhaltiges Bauen funktioniert nur dann, wenn Architektur, Technik, Ökologie und Wirtschaft tatsächlich miteinander reden. Andernfalls bleibt Nachhaltigkeit graue Theorie.

Gerade bei Themen wie Zertifizierungen, Materialwahl oder ESG-Konformität zeigt sich schnell: Einzelwissen reicht nicht aus. Der Lehrgang schärft genau dieses systemische Denken und macht es möglich, komplexe Anforderungen schneller einzuordnen und fundierter zu entscheiden.

Welche Werkzeuge oder Methoden erwerben Studierende heute, um direkt nach dem Abschluss wirksam zu werden?

Ein zentraler Punkt ist der realistische Blick auf Materialien und Prozesse.
Nicht das Idealbild steht im Vordergrund, sondern die Frage, wie Dinge in der Praxis tatsächlich funktionieren.

Studierende lernen, konsequent nachzufragen:
Wo kommt ein Material her?
Wie wird es verbaut?
Und vor allem: Wie bekommt man es wieder heraus?

Wir arbeiten viel mit Materialflüssen, einfachen Ökobilanzen und konkreten Beispielen aus dem Abfall- und Recyclingbereich. Dabei geht es bewusst auch um Lösungen, die nicht perfekt kreislauffähig sind.

Denn genau dort wird es spannend.
Wer versteht, warum etwas nicht recycelt werden kann, plant beim nächsten Mal besser.

Der Austausch zwischen den Disziplinen spielt dabei eine zentrale Rolle – nachhaltiges Bauen ist immer Teamarbeit.

Welchen Mehrwert bietet der Lehrgang aus Ihrer Doppelperspektive als Alumna und Vortragende?

Der Lehrgang schafft ein gemeinsames Verständnis dafür, wie komplex nachhaltiges Bauen wirklich ist. Und genau das macht Absolvent_innen am Markt so wertvoll.

Viele Alumni sind heute jene Personen, die in Projekten unbequeme, aber notwendige Fragen stellen: zu Rückbau, Wiederverwendung oder Abfallvermeidung. Sie sind nicht immer die beliebtesten Stimmen im Raum, aber sehr oft die entscheidenden.

Der Abschluss signalisiert: Hier sitzt jemand, der Kreislaufwirtschaft nicht als Buzzword versteht, sondern als umsetzbares Konzept. In einem zunehmend regulierten und anspruchsvollen Markt ist das ein klarer Wettbewerbsvorteil.

Interesse geweckt?

Der Universitätslehrgang Nachhaltiges Bauen richtet sich an alle, die nachhaltige Bauprozesse nicht nur verstehen, sondern aktiv gestalten wollen – praxisnah, interdisziplinär und mit klarem Fokus auf Umsetzbarkeit.

Mehr zum Lehrgang & Anmeldung:
https://www.tuwien.at/ace/programme/universitaetslehrgaenge/nachhaltiges-bauen