Am Institut für Fertigungstechnik und Photonische Technologien (IFT) der Technische Universität Wien durfte Prof. Bleicher den renommierten MIT-Wissenschaftler David A. Mindell zu einem intensiven wissenschaftlichen Austausch begrüßen. Der Besuch erfolgte auf Einladung von EIT-Manufacturing East und Hannes Hunschofsky. Im Rahmen seines Aufenthalts erhielt Prof. Mindell eine umfassende Führung durch das Labor des Forschungsbereichs Fertigungstechnik, wobei aktuelle Forschungsarbeiten zu Smart Machining Solutions, robotergestützter Bearbeitung sowie intelligenter Prozessregelung im Mittelpunkt standen.
David A. Mindell zählt international zu den profiliertesten Forschern an der Schnittstelle von Robotik, autonomen Systemen und industrieller Fertigung. Am Massachusetts Institute of Technology forscht er insbesondere zu autonomen Navigationssystemen, Mensch-Maschine-Interaktion, industrieller Digitalisierung und resilienten Produktionssystemen. Darüber hinaus ist er Gründer und Executive Chair des Technologieunternehmens Humatics, das hochpräzise Lokalisierungs- und Navigationslösungen für industrielle Anwendungen entwickelt.
Einen besonderen Schwerpunkt der Gespräche bildete die robotergestützte Zerspanung. Moderne Industrieroboter bieten zwar ein enormes Potenzial hinsichtlich Flexibilität und Arbeitsraumgröße, weisen jedoch im Vergleich zu klassischen Werkzeugmaschinen eine deutlich geringere Struktursteifigkeit auf. Die daraus resultierenden statischen und dynamischen Positionsabweichungen stellen insbesondere bei präzisen Bearbeitungsprozessen eine zentrale Herausforderung dar. Im Rahmen der Diskussionen wurde ein innovativer Ansatz zur Kompensation dieser Fehler erarbeitet: Durch eine absolut messende Lageerfassung aus anderen Forschungsgebieten verspricht mit einer Datenrate von bis zu 2 kHz und einer zu erwartenden Genauigkeit von etwa 10 µm bis 25 µm innerhalb eines Arbeitsraums von 1.000 mm in X-, Y- und Z-Richtung sollen sowohl kinematische Fehler der Roboterkinematik als auch prozessbedingte statische und dynamische Abweichungen in der Lageregelung in Echtzeit kompensiert werden. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten für robotische Bearbeitungsprozesse mit gesteigerten Präzisionsanforderungen und adaptive Smart-Machining-Lösungen.
Die Gespräche zwischen dem MIT und dem IFT verdeutlichten zahlreiche gemeinsame Forschungsinteressen im Bereich intelligenter Fertigungssysteme, autonomer Prozessführung und digital unterstützter Präzisionsfertigung. Auf Basis dieser wissenschaftlichen Schnittmengen wird eine zukünftige Kooperation im Themenfeld Smart Machining Solutions und robotischer Präzisionsbearbeitung angestrebt.
Auch das jüngste Buch von David A. Mindell, The New Lunar Society, bildete einen inspirierenden Bestandteil des wissenschaftlichen Austauschs. In diesem Werk beschreibt Mindell die Vision einer neuen industriellen Revolution, die technologische Innovation, Nachhaltigkeit, Resilienz und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbindet. Dabei greift er die historische „Lunar Society“ des 18. Jahrhunderts auf – einen Kreis aus Wissenschaftlern, Ingenieuren und Unternehmern rund um James Watt und Benjamin Franklin – und überträgt deren interdisziplinären Innovationsgeist auf die Herausforderungen moderner Industrie- und Fertigungssysteme.