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Liquid AI: Von TU Wien und ISTA in den neuen Mercedes

Grundlagenforschung aus Österreich im neuen Mercedes: Eine neuartige Form von künstlicher Intelligenz, mitentwickelt an der TU Wien und ISTA, kommt künftig in Fahrzeugen zum Einsatz.

Drei Personen, die mittlere legt die Arme um die anderen beiden.

© Liquid AI

Radu Grosu in der Mitte - daneben seine ehemaligen Mitarbeiter Ramin Hasani (CEO von Liquid AI, links) und Mathias Lechner (CTO von Liquid AI, rechts).

Künstliche Intelligenz spielt auch in der Automobilindustrie eine immer größere Rolle. Mercedes-Benz gab nun eine Kooperation mit dem US-Unternehmen Liquid AI bekannt, um sogenannte „Liquid Foundation Models“ direkt im Fahrzeug einzusetzen. Erste Anwendungen sind bereits für 2026 geplant.

Die Technologie dahinter hat auch starke Wurzeln in Wien: Liquid AI wurde von Forschern mitgegründet, die an der TU Wien und am Institute of Science and Technology Austria (ISTA) ausgebildet wurden. Zentrale Konzepte der zugrundeliegenden Modelle entstanden im Umfeld der Forschungsgruppe von Prof. Radu Grosu am Institut für Computer Engineering der TU Wien. Nun plant Liquid AI zu expandieren – und Wien wäre ein möglicher Ort dafür. Rektor Jens Schneider setzt sich für eine verstärkte Zusammenarbeit ein.

AI – aber effizient und lokal

Im Unterschied zu vielen heutigen KI-Systemen sind die Modelle von Liquid AI darauf ausgelegt, direkt auf der vorhandenen Hardware im Fahrzeug zu laufen – schnell, energieeffizient und ohne permanente Verbindung zu externen Rechenzentren.

„Die entscheidende Frage ist nicht nur, wie man möglichst leistungsfähige KI baut, sondern wie man sie mit minimalem Ressourcenaufwand realisieren kann“, sagt Radu Grosu. „Genau daran arbeiten wir seit vielen Jahren.“

Ein zentrales Merkmal dieser Technologie ist ihr dynamischer Aufbau: Statt Informationen in einer statischen Struktur zu verarbeiten, entwickelt sich der interne Zustand des Systems kontinuierlich in der Zeit weiter, während neue Daten einfließen. Dieses Prinzip – inspiriert von biologischen Nervensystemen – ermöglicht es, flexibel auf wechselnde Situationen zu reagieren und gleichzeitig sehr effizient zu bleiben.

Gerade im Fahrzeug ist das ein entscheidender Vorteil: Sprachverarbeitung, Kontextverständnis und Entscheidungen müssen in Echtzeit erfolgen – auch ohne stabile Internetverbindung.

Von Wien in die industrielle Anwendung

Die wissenschaftlichen Grundlagen dieser Technologie wurden über Jahre hinweg an der TU Wien und in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern entwickelt. Daraus entstand schließlich das Unternehmen Liquid AI.

Ramin Hasani, früher Dissertant und Postdoc an der TU Wien, ist heute CEO der Firma, auch CTO Mathias Lechner studierte an der TU Wien und arbeitete später als Dissertant am ISTA. Beide zählen zu den zentralen Köpfen hinter der Technologie.

„Das ist keine inkrementelle Verbesserung bestehender KI-Systeme, sondern ein grundlegend anderer Ansatz für eingebettete Intelligenz“, sagt Tom Henzinger (ISTA), der die Entwicklung der zugrundeliegenden Konzepte über viele Jahre hinweg auch begleitet hat.

Nicht nur die Wurzeln, auch die Zukunft des Unternehmens Liquid AI könnte mit Österreich verknüpft sein: Derzeit wird über Expansionsmöglichkeiten nachgedacht. Jens Schneider, Rektor der TU Wien, unterstützt derartige Bestrebungen und sieht Kooperationspotential: „Die Einrichtung eines Hauptsitzes von Liquid AI in Wien sowie eines gemeinsamen Zentrums für eingebettete Intelligenz könnte die Wissenschaftsstadt Wien als führenden europäischen KI-Standort positionieren, internationale Spitzenkräfte anziehen, wertvolle Kooperationen zwischen Universität und Industrie fördern und dadurch das weltweite akademische Ansehen der TU Wien zusätzlich anheben. Die Stärkung der strategischen Rolle Österreichs im Bereich der KI wäre ebenso gegeben“, so Jens Schneider.

Ein wachsender Bereich mit großer Bedeutung

Die Kooperation mit Mercedes-Benz zeigt, dass effizient arbeitende, lokal ausführbare KI-Systeme zunehmend an Bedeutung gewinnen – insbesondere in Bereichen, in denen schnelle Reaktionszeiten, Datenschutz und Zuverlässigkeit entscheidend sind.

Damit wird auch sichtbar, welche Rolle Grundlagenforschung aus Österreich im internationalen Technologiewettbewerb spielen kann: Ideen, die an Universitäten entwickelt werden, finden ihren Weg in reale Anwendungen – bis hin zur nächsten Generation intelligenter Fahrzeuge.

Rückfragehinweis

Prof. Radu Grosu
Institut für Computer Engineering
Technische Universität Wien
+43 1 58801 18210
radu.grosu@tuwien.ac.at

Text: Florian Aigner